Electronic Manufacturing Services (EMS) Grüne Elektronik - auch grün produziert?

Ulrich Niklas, Zollner Elektronik: »Die Ausrichtung auf ein effizientes Produkt ist sehr stark vom Einsatz abhängig. Bei Produkten, die einen hohen Wirkungsgrad erfordern, z.B. in der Elektromobilität, erneuerbare Energien oder ganz allgemein Umrichtertechnologien, steht die Energieeffizienz an erster Stelle«.

Längst lagern zahlreiche namhafte OEMs aus allen Branchen, von Automotive bis hin zu Solarindustrie einen Teil ihrer Produktion an Auftragsfertiger, EMS-Firmen, aus. Aber inwieweit haben die EMS-Dienstleister Möglichkeiten in die Energieeffizienz der Schaltungen bzw. Geräte, die sie produzieren überhaupt einzugreifen, also dediziert beim Design grüner Produkte zu unterstützen?

Das hängt im Wesentlichen von der Tiefe der Wertschöpfung ab, die ein Auftragsfertiger anbietet und ist dementsprechend ganz unterschiedlich. Versteht sich ein EMS im Wesentlichen als Fertigungsdienstleister, ist die Entwicklungsphase schon abgeschlossen, wenn es der EMS auf den Tisch bekommt. Anders verhält es sich, wenn der EMS auch als Entwicklungspartner bereits in die Design-Phase involviert ist, wie Rüdiger Stahl, Geschäftsführer der TQ Group erklärt: »Weil wir für unsere Kunden nicht nur produzieren sondern auch entwickeln, haben wir häufig auch die Verantwortung für das Design und dadurch vielfältige Einflussmöglichkeiten auf die Schaltung und deren Energieeffizienz. Häufig arbeiten wir schon bei der Anforderungsdefinition eng mit dem Kunden zusammen, erstellen Konzepte und Machbarkeitsstudien und sind für die komplette Schaltungsentwicklung verantwortlich.« Entwickelt der EMS nach einem bereits existierenden Lastenheft des Kunden ist die Energieeffizienz im Normalfall schon definiert. Nach Aussage von Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics, sei in diesen Lastenheften aber eine steigende Sensibilität hinsichtlich der Stromaufnahme sichtbar. Inwieweit sich der Kunde letztlich von seinem EMS-Dienstleister  in seine Produkthoheit hineinreden lässt, hängt laut Ulrich Niklas, Leiter Elektronik Technologie von Zollner Elektronik von der Kompetenz und der Zielrichtung des Kunden ab: »Die Ausrichtung auf ein effizientes Produkt ist sehr stark vom Einsatz abhängig. Bei Produkten, die einen hohen Wirkungsgrad erfordern, z.B. in der Elektromobilität, erneuerbare Energien oder ganz allgemein Umrichtertechnologien, steht die Energieeffizienz an erster Stelle«, betont Niklas.

Ganz unabhängig vom späteren Einsatzgebiet des Produktes nehmen die Kunden von TQ die Beratung und Unterstützung laut Stahl »bereits in der Produktdefinitionsphase gerne in Anspruch«, weil hier die entscheidenden Weichen für das spätere Produkt gestellt werden. »Der Kunden kennt den Markt und dessen Anforderungen und wir wissen was technisch wie und mit welchem Aufwand machbar ist.« Im Zuge dessen setzen die EMS-Unternehmen wie Zollner und TQ zum Beispiel auch Lebenszykluskostenanalysen ein, die sie gemeinsam mit dem Kunden erstellen oder beraten ganz allgemein zum Thema Ökodesign wie Stahl am Beispiel der TQ-eigenen Produkte erklärt: »Energieeffizienz, niedriger Energieverbrauch und geringe Verlustleistung sind wichtige Verkaufsargumente für unsere TQ-Minimodule und embedded Systeme, die wir neben unseren Dienstleistungen anbieten. Hier setzen wir schon seit vielen Jahren auf Lösungen, die sich durch einen niedrigen Energieverbrauch auszeichnen, indem wir beispielsweise besonders energieeffiziente PowerPC- und ARM-Microcontroller einsetzen.« Neben den ökologischen Aspekten sind vor allem eine geringe Wärmentwicklung, vereinfachte Kühlung, ein erweiterter Betriebstemperaturbereich und eine längere Batterielebensdauer wichtige Entscheidungskriterien für die Kunden beim Ökodesign.