Schwerpunkte

Schutzmasken, Teile für Beatmungsgeräte

So hilft 3D-Druck gegen Corona

17. April 2020, 09:32 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Zugriff auf mehrere tausend 3D-Druckanlagen

In den letzten Tagen bildete der Mangel an einzelnen Verschleißteilen in Medizinprodukten, wie beispielsweise spezielle Ventile für Beatmungsgeräte, die plötzlich in großer Zahl benötigt werden, bereits ein ernsthaftes Problem für Kliniken in Italien. »Angeregt durch eine allgemeine Anfrage der EU-Kommission, die uns Mitte März erreichte, haben wir uns bemüht, ein umfassendes Netzwerk mit einer Vielzahl von Institutionen und Unternehmen aufzubauen«, so Joachim Weinhold vom 3D-Labor der TU Berlin. »Theoretisch ist es möglich, mit sogenannten additiven Fertigungsverfahren – auch als 3D-Druck bezeichnet – entsprechende Ersatzteile herzustellen und Engpässe zu überbrücken«, so Ben Jastram, ebenfalls vom 3D-Labor der TU Berlin. Gemeinsam mit dem Verband 3DDruck haben die beiden Wissenschaftler das Netzwerk ins Leben gerufen. Die Initiative versteht sich dabei nicht als Ersatz zu den bestehenden Lieferketten, sondern als Übergangslösung, um in der aktuellen Krise Engpässe schnell und möglichst unbürokratisch abmildern zu können.

Markus Glasser, Senior Vice President bei EOS: »Der 3D-Druck erlaubt eine Ersatzteilfertigung nach Bedarf und ebenso eine dezentrale Produktion. Diese Vorteile der Technologie können für eine schnelle Hilfe eingesetzt werden.«

Zugriff auf mehrere tausend 3D-Druckanlagen

Über die beteiligten Forschungsorganisationen und auch Unternehmen hat die Berliner Initiative potenziell Kontakt zu national und international mehreren tausend 3D-Produktionsanlagen, die für eine Fertigung bereitstünden. Angestrebt wird ein lokales, regionales und im Idealfall mindestens bundesweites Produktionsnetzwerk, das in der Lage sein sollte, schnell und im Verbund signifikante Stückzahlen von Bauteilen für Atem- und Schutzmasken sowie Ersatz- und Verschleißteile zur Verfügung zu stellen – wie zum Beispiel Schutzbrillen oder -visiere, komplexe Ventilteile oder Prototypen.

Ein Ergebnis dieser Initiative könnte beispielsweise eine Datenbank sein, in der die beteiligten Institutionen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen mit ihren Kapazitäten gelistet sind und zum Beispiel Behörden oder Krankenhäuser ihren konkreten Bedarf eintragen können.

Neben der Frage, wie die Bedarfe koordiniert werden können, ist auch den Wissenschaftlern des Netzwerks bewusst, dass noch viele offene Themen zu klären sind: Wer liefert die exakten Spezifikationen der einzelnen Bau- und Ersatzteile, welche Materialien sind für die Herstellung von medizinischen Geräten zugelassen, wie ist die Zulassung von Bauteilen für den Gebrauch in Medizinprodukten aktuell und im Zusammenhang der Pandemie geregelt, welche patentrechtlichen Fragen gilt es zu bedenken, wer übernimmt die Kosten? An diesen Themen arbeiten die beteiligten Institutionen und Partner aktuell mit Hochdruck.

Siemens öffnet Additive Manufacturing Network

Auch Siemens stellt seine 3D-Druck-Plattform Additive Manufacturing Network (AM Network) zur Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung und schließt seine Anlagen an, um bei Bedarf und Eignung benötigte Komponenten zu drucken. Unter Dauerbenutzung kommt es bei medizintechnischen und medizinischen Geräten zu Verschleiß, sodass Teile ersetzt werden müssen. Ziel der Initiative von Siemens ist es, einen schnellen und unkomplizierten 3D-Druck von Ersatzteilen wie Ventilatoren zu ermöglichen. Das AM Network verbindet Nutzer, Designer und 3D-Drucker. Das weltweit verfügbare Netzwerk deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Upload und Simulation über die Prüfung der Designs bis hin zu Druck und Service.
Ärzte, Krankenhäuser und Organisationen, die medizinische und medizintechnische Teile benötigen, können sich ab sofort kostenlos beim AM Network anmelden.

Gleiches gilt für Designer und Service Provider mit Druckerkapazitäten, die für Medizinanwendungen zertifiziert sind. »In den letzten Jahren haben wir ein umfassendes Portfolio für den Bereich Additive Manufacturing entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut und sind jetzt in der Lage, benötigte Komponenten schnell mit 3D-Druck herzustellen. Zur Unterstützung im Kampf gegen Covid-19 haben wir jetzt unser Additive Manufacturing Network geöffnet für Krankenhäuser und Gesundheitsorganisationen, die dringend medizinische Ersatzteile benötigen. So können deren Design- und Druckanfragen schnell und effizient bearbeitet werden«, sagte Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO von Siemens Digital Industries.

Auch Designer und Ingenieure von Siemens sind über das AM Network für Designanfragen verfügbar und helfen, diese in druckbare Dateien umzuwandeln. Die so designten Teile können anschließend von ebenfalls am Netzwerk angebundenen, medizinisch zertifizierten Service Providern gedruckt werden. Neben zahlreichen Druckern von Partnerunternehmen sind auch die 3D-Drucker von Siemens an das AM Network angeschlossen. Sie können ab sofort eingesetzt werden, um vor Ort Komponenten für medizintechnische Geräte zu produzieren. Druckerkapazitäten weiterer Service Provider können jederzeit und unkompliziert angeschlossen werden.

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