Schwerpunkte

Stimmungsbild aus der EMS-Branche

Zwischen Optimismus und Verunsicherung

09. November 2020, 08:15 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Kurzer Planungshorizont

Auch der europäische Branchen-Primus Zollner Elektronik sieht nach den Worten von Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, eine Erholung aus den Krisenmonaten: »Im April hatten wir den stärksten Einbruch. Seit Mitte Juni haben wir tendenziell einen positiven Verlauf und für September einen relativ hohen Auftragseingang. Wie sich dies weiterentwickelt, muss abgewartet werden. Alle zwei Wochen erhalten wir zum Planungsstand ein neues Update. Generell muss man dennoch beachten, dass in dem derzeitigen dynamischen Umfeld langfristige Planungen oder Prognosen schwierig geworden sind.« Eine Steigerung sieht Weber wie seine Branchenkollegen in der Medizintechnik, aber auch in der Datentechnik und der Messtechnik in Bezug auf 5G. »Alle anderen Branchen erlitten im Zeitraum um den April einen Einbruch, haben sich gefangen und sind wieder leicht gestiegen bzw. zeigen auch weiterhin einen leichten, aber stetigen Anstieg. Das ursprüngliche Planungsniveau für dieses Jahr konnte bisher aber noch nicht überall wieder erreicht werden«, erläutert Weber. Wie auch andere EMS-Firmen bestätigt Weber deutliche Einbrüche in der Luftfahrtindustrie, wohingegen der Automotive-Sektor eine Erholung zeige. »Insgesamt gesehen erwarten wir im Vergleich zum Jahr 2019 im Unternehmensumsatz für das Jahr 2020 einen Rückgang gegenüber der Planung«, resümiert Weber.

Andreas Schneider, Leiter der Business Unit BMK, attestiert seinem Unternehmen in Summe einen aktuell guten Auftragseingang. Teilweise gestoppte Neuprojekte laufen wieder an, und auch Neukunden konnte BMK gewinnen. Wie überall hängt die Entwicklung der Bestandskunden von deren Branchenschwerpunkt ab. »In Summe spürt man eine Vorsicht am Markt, d.h. jeder plant aktuell erstmal zurückhaltender und lässt sich dann im Zweifel positiv überraschen«, unterstreicht Schneider. »Entscheidend werden die letzten Monate des Jahres sein«, betont Schneider.

Den reduzierten Planungshorizont spricht Roland Hollstein, Geschäftsführer, Grundig Business Systems an: Dieser liege im Moment nur bei drei bis sechs Monaten im Voraus – gut gerechnet. »Obwohl sich die Marktlage im Moment etwas verbessert, ist sie insgesamt immer noch mehr als fragil«, gibt Hollstein zu bedenken. »Den Auftragseingang beobachten wir mit gemischten Gefühlen, er ist stark branchen- und kundenabhängig.« Das Neukundengeschäft bezeichnet Hollstein momentan als »extrem schwierig«: »Potenzielle Kunden halten neue Projekte zurück oder zögern, bestehende Einkaufswege auch im EMS-Bereich ohne schwerwiegenden Grund zu verändern.«

Gemischt fällt auch das Feedback von Marco Balling aus, Geschäftsführer von productware. Nach einem fulminanten Jahresstart lag productware bis Ende April bei Umsatz und Ergebnis deutlich über der Planung. »Der Mai war dann hinsichtlich Umsatz und Auftragseingang ein sehr schwacher Monat. Ab Juni hat sich aber bereits wieder eine deutliche Belebung eingestellt«, so Balling. Auch er bestätigt, dass die Kunden und daher auch der Dienstleister stärker auf Sicht fahren als in der Vergangenheit. »Wobei wir weiter offene Stellen besetzen und auch geplante Investitionen durchführen«, ergänzt Balling. Er geht von einem positiven Ergebnis für 2020 aus und von einem Umsatz, der leicht unter Plan liegen wird.

Die geringe Planungssicherheit thematisiert auch Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics: es komme nahezu täglich zu Anpassungen und Verschiebungen auch bei sehr zeitnahen Aufträgen. Dennoch sieht Velmeden eine Normalisierung: »Die Planung zeigt für die nächsten Monate einen weiteren leichten Anstieg, wobei die Planungssicherheit weiterhin gering ist. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir ca. 10 % unter Vorjahr und ca. 15 % unter unserem Budget liegen werden.« Für den Rückgang verantwortlich ist dasSegment Mobility mit Automotive. »Im Gegensatz zum Automobilbereich war das Industriesegment wesentlich stabiler. Als stärkster Bereich hat sich hier die Haus- und Gebäudetechnik erwiesen, wobei es sich auch beim Wiederanlauf im Automobilsegment klar gezeigt hat, dass Plattformprodukte stabiler sind«, erklärt Velmeden.

Ziele übererfüllt

Das heterogene Stimmungsbild komplettieren die positiven Meldungen von Ginzinger und Katek. Während Ginzinger von in Bezug auf die Erwartungen für 2020 »übererfüllten Zielen« spricht, verlautbarte Katek jüngst trotz Corona-Krise eine organische Umsatzsteigerung von aktuell mehr als fünf Prozent.
Ginzingers Erwartungen dürften unter anderem von der Elektronik-Entwicklung für einen neuartigen Corona-Schnelltest beflügelt werden. Die positive Bilanz von Katek liegt laut Rainer Koppitz, CEO der Katek Group, mitunter darin begründet, dass es gelungen sei, weiter Marktanteile gewinnen. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 56 im Special EMS.

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