Schwerpunkte

Trotz Corona-Krise auf Erfolgskurs

»Wir haben ehrgeizige Wachstumsziele«

09. September 2020, 09:07 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Corona und die Digitalisierung

In Deutschland wird derzeit das Thema Digitalisierung intensiv diskutiert sowie die Lehren, die aus der Corona-Krise in dieser Hinsicht zu ziehen sind. Welche Lehren bzw. Folgerungen ziehen Sie aus der Krise?

Lybaek: Es besteht kein Zweifel, dass die Corona-Pandemie die Augen für die Möglichkeiten der Umsetzung der digitalen Zusammenarbeit geöffnet hat. Sie hat zu positiven Ergebnissen geführt, und es ist klar, dass wir die Lehren daraus ziehen werden. Gegenwärtig arbeiten wir an der Einführung eines neuen Fertigungssteuerungssystems – also eines MES – an allen Fabrikstandorten. Das MES wird eine weitere Digitalisierung der Prozesse und des Ressourcenmanagements beinhalten. Wir gehen davon aus, dass wir enorme Vorteile aus einheitlichen Verfahren an allen Produktionsstandorten ziehen werden.

Kaiser: Als EMS-Partner einer Reihe großer globaler OEMs sehen wir unsere Hauptaufgabe darin, unseren Kunden zu helfen, Wachstum zu generieren. Das erreichen wir unter anderem viel besser, indem wir unsere Fabriken weiter digitalisieren. Diesen Weg gehen wir weiter und das wird uns langfristig helfen, Marktanteile zu gewinnen und neue Kunden in wachsenden Märkten zu gewinnen.

Das MES ist also zentraler Dreh- und Angelpunkt ihrer Digitalisierungsstrategie?

Kaiser: Wir denken, dass man ein Unternehmen in verschiedenen Schichten sehen muss. Auf der Fertigungsebene ist ein MES sicherlich ein gutes Steuerungs- und Kontrollinstrument, das gut mit den Datenquellen verbunden ist, die aus anderen Unternehmenselementen wie ERP, Stücklistenverwaltung oder sogar externen Komponentenbibliotheken stammen.

Lybaek: Aber eine intelligente Fabrik geht natürlich noch weiter, um die gesamte Lieferkette Ihrer vor- und nachgelagerten Märkte über EDI, APIs usw. zu verbinden. Für GPV ist es wie ein Relaunch von bereits übernommenen Aktivitäten aus dem historischen Weg des Unternehmens und in diesem Zusammenhang eine starke Forderung, Best-Practice-Methoden auf der Grundlage der langjährigen Erfahrung in vielen digitalen Bereichen zu harmonisieren.

Wie oft gesagt, ist die Digitalisierung innerhalb der EMS-Branche nichts Neues und fast überall bis zu einem gewissen Grad in fragmentierten Bereichen umgesetzt. Für uns als GPV ist es eine große Chance, die besten Elemente zusammenzuführen und unsere Fähigkeiten in Richtung Prozesssicherheit und schnelle Reaktionsfähigkeit weiter zu stärken.

GPV
© GPV

Reicht ein MES denn aus, um die Anforderungen der Digitalisierung abzubilden oder sehen Sie die Zukunft auch in der Einführung von Edge- und Cloud Computing?

Lybaek: Ein MES ist die Grundlage für die Generierung der Daten, die Erstellung von Standardberichten und die Vernetzung der Produktionsebene, aber eine natürliche Erweiterung wäre die Big-Data-Technologie, um Data Lakes innerhalb unseres digitalen Ecosystems zu schaffen.

Kaiser: Diese Daten dienen sowohl der internen Produktionsoptimierung als auch der gemeinsamen Nutzung von Benchmarks zwischen den Standorten, z.B. ist diese Komponente besser als die andere und bietet unseren Kunden zusätzliche Dienstleistungen, die durch die Analyse großer Datenmengen generiert werden. Als nächsten Schritt erwägen wir maschinelles Lernen und KI-Technologie, um die von uns generierten Daten effizient aufnehmen zu können und für unsere Kunden zusätzlichen Wert zu schaffen.

Setzen Sie bereits Werkzeuge der künstlichen Intelligenz in Fertigung, Einkauf und Logistik ein?

Lybaek: Wir verfolgen hier einen schrittweisen, aber breiten Ansatz. Wir eruieren derzeit nicht nur die Möglichkeiten für Einkauf, Logistik und die Produktion, sondern auch wesentliche komplexere Prozesse wie die Bedarfsplanung und administrative Prozesse.

Welche Rolle wird die Digitalisierung in der Lieferkette in Zukunft spielen?

Kaiser: Digitalisierung bedeutet in der Supply-Chain-Perspektive im Grunde genommen die Verbindung aller relevanten Partner in Echtzeit. Sie wird die Dynamik erhöhen und sicherlich die Bedarfsdeckung beschleunigen.
Es bleibt die Frage, was mit der Abhängigkeit von Lieferungen aus China und den verbleibenden Rohstoffressourcen geschieht. Kurzfristig wird es die gesamte Lieferkette über APIs verbinden und dadurch den Datenaustausch beschleunigen und die Ausfallrate bei manuellen Eingaben reduzieren. Dies wird sich nicht nur auf die kommerzielle Seite auswirken, sondern auch, und das ist schon viel weiter fortgeschritten, auf die technische Seite innerhalb von NPI und Design und Engineering.

Lybaek: Längerfristig gilt: Je mehr die gesamte Lieferkette vernetzt wird, desto weniger Verkaufsschritte innerhalb der Lieferkette sind erforderlich. Dadurch kann die Lieferkette verkürzt werden, und durch den Zugang zu Technologie und Produktinnovation wird sich der allgemeine Lebenszyklus von Produkten verkürzen. Betrachtet man das Ökosystem-Szenario auf lange Sicht, könnte es sich zu einer selbstgesteuerten Lieferkette für dedizierte Marktanforderungen innerhalb solcher Systeme entwickeln.

Die Digitalisierung der Lieferkette wird immer grundlegender werden, sowohl im Hinblick auf die Einbindung der Lieferkette in das IoT als auch im Hinblick auf die Sammlung großer Datenmengen und die Bereitstellung relevanter Dienstleistungen, die durch unsere Analyse großer Datenmengen für unsere Kunden entstehen.

Die Lieferketten stehen derzeit unter großem Druck. Wie ist Ihre Wahrnehmung und wie nachhaltig ist die Lieferkette als Ganzes?

Kaiser: Ja, die Lieferketten stehen wirklich sehr unter Druck und die Corona-Phase hat deutlich gezeigt, dass sie überstrapaziert wurden. Die volatile Nachfragesituation, eine noch sichtbare Allokation auf bestimmte Materialien, aber auch die Transparenz bei den Rohstoffen und deren Abhängigkeit von Lieferungen aus China sind etwas, das nun als zusätzlicher Schwerpunkt im Risikomanagement des gesamten Elektronikmarktes betrachtet wird.

Auch wir wurden herausgefordert, unsere Business-Continuity-Konzepte innerhalb der internen Lieferkette zu überprüfen. Und dank unserer globalen Präsenz werden wir das Modell einer Leitfabrik pro Kunde, ergänzt durch eine interne Zweitstandortbetreuung, weiter aktiv fördern. Dies wird es uns ermöglichen, internationale Herausforderungen so reibungslos wie möglich zu bewältigen und unsere Kunden vor unvorhergesehenen Lieferproblemen zu schützen.
 

Seite 3 von 3

1. »Wir haben ehrgeizige Wachstumsziele«
2. Die aktuelle Branchenlage
3. Corona und die Digitalisierung

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

GPV Group