Schwerpunkte

Trotz Corona-Krise auf Erfolgskurs

»Wir haben ehrgeizige Wachstumsziele«

09. September 2020, 09:07 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Die aktuelle Branchenlage

Wie beurteilen Sie derzeit die Situation der EMS-Branche insgesamt?

Lybaek: Die EMS-Branche muss das Tempo beschleunigen, um ein vollständig digital integrierter Partner innerhalb der gesamten Lieferkette der OEMs zu werden. Die Existenzberechtigung für die EMS-Branche hat sich insbesondere in den letzten Monaten gezeigt, in denen die Komplexität eines Geschäftsmodells an seine Grenzen stieß.

Erwarten Sie, dass sich die EMS-Branche in Europa weiter konsolidiert?

Kaiser: In den letzten Jahren hat der Markt die Messlatte in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit immer höher gelegt. Wie unser CEO immer sagt, „Größe zählt“, ist es eine Tatsache, dass Größe nicht nur im Hinblick auf Größenvorteile, sondern auch in puncto fachliche und allgemeine Kompetenz in Betracht gezogen werden sollte. Kontinuierliche Know-how-Entwicklung und Flexibilität sind ein Muss, um in der EMS-Industrie bestehen zu können. Der stetige Austausch nach künftigen Bedürfnissen mit unseren Kunden ist der Treiber für die Suche nach sinnvollen Ergänzungen zum eigenen Geschäftsmodell. Deshalb, ja, die Konsolidierung wird sich weiter fortsetzen. Dessen bin ich mir sehr sicher.

Lybaek: Ich bin in der Tat überzeugt davon, dass es vernünftig ist zu wachsen. Wir liegen derzeit etwa bei 390 Millionen Euro Jahresumsatz und wir haben nach wie vor die Ambition, dass wir bis 2023 in den Bereich 550 Millionen kommen.

Was macht Sie da so sicher?

Lybaek: Wir arbeiten zu 100 Prozent im High-Mix-Low-Volume Sektor und wir haben eine fantastische Kundenbasis, darunter sehr viele Hidden Champions. Auch wenn wir weiter größer werden wollen, ist unser Ziel, die starke Kundennähe zu bewahren. Bei High-Mix-Low-Volume muss man einfach nahe am Kunden sein. Für uns ist es wichtig, dass wir trotz Größe agil sind und schnell Entscheidungen treffen können.

Gelungene Integration

Wird GPV die Wachstumsambitionen durch organisches Wachstum oder Akquisition(en) vorantreiben?

Lybaek: Wir sind offen, aber Akquisitionen kann man unserer Meinung nach nicht planen. Es gibt immer einen Verkäufer und einen Käufer. Und die müssen sich am Ende einigen.

GPV
© GPV

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Das ist im Falle der Akqusistion von CCS ja bestens geglückt. Wie sieht Ihr Fazit bisher aus – speziell bezogen auf die DACH-Region?

Kaiser: Wir sind komplett integriert und wir erachten es als sehr wichtig, am Markt als eine Einheit aufzutreten. Dies haben wir sehr schnell hinbekommen, auf dem Markt genauso wie in den Fabriken. Hätte man erst noch mit den beiden Brands weitergearbeitet, wäre das sehr kompliziert geworden.

Lybaek: Mit der ehemaligen CCS erhielten wir einen schnellen Zugang zu dem sehr innovativen industriellen DACH-Markt, der von den erworbenen Standorten sehr gut bedient wurde und wird.
Die Integration verlief sehr kooperativ, und genau nach einem Jahr haben wir die Integrationsphase offiziell abgeschlossen. Dank des sehr schnell umgesetzten „Ein Unternehmen“-Ansatzes konnten wir unsere Kollegen motivieren, alle Bereiche der Harmonisierung und Integration auf fantastische Weise zu unterstützen.
Bemerkenswert ist auch, dass kein Mitarbeiter in einer Schlüsselposition GPV innerhalb dieses Zeitraums verlassen hat. Schlussendlich haben wir unter Berücksichtigung der früheren Strukturen auch eine deutlich schlankere und funktional ausgerichteten Organisation aufgesetzt, die seit Januar 2020 besteht.
Die Integration war insgesamt ein wichtiges stärkendes Element für das gesamte Unternehmen, da wir dadurch Benchmarking betrieben haben und das eine oder andere dadurch auch verändert haben.

Zum Beispiel?

Lybaek: Es gibt viele gute Beispiele, aber eines davon war die KPI-Harmonisierung, die auch von unseren Kunden erwartet wird. Unsere beiden Leitsätze „Prompte Fusion im Markt, schrittweise Integration von Backoffice und Betrieb“ und „Gemeinsam ein führendes EMS-Unternehmen schaffen“ haben uns gute Dienste geleistet.

Wie kann sich der Elektronik-Dienstleister in Zukunft in dem disruptiven Marktumfeld gut positionieren? Wird sich die Nachfrage nach elektronischen Dienstleistungen verändern?

Kaiser: Das ist schwer vorhersehbar. Disruptive Märkte bedeuten nicht unbedingt, dass auch der EMS-Markt in ein disruptives Szenario gerät. Es ist nicht die Marktveränderung, die im Hinblick auf EMS eine Herausforderung darstellt, da Hard- und Software die Elemente sind, die diesen Wandel unterstützen, und jemand muss diese entwickeln und herstellen, und das ist die EMS-Industrie.
Disruptionen wird es jedoch mithilfe von Innovationen wie Robotik, Cobots und allen digitalisierten Elementen wie KI, VR und einer gut vernetzten Lieferkette geben. Und diese disruptiven Innovationen werden die EMS-Industrie sicherlich in die richtige Richtung lenken.

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1. »Wir haben ehrgeizige Wachstumsziele«
2. Die aktuelle Branchenlage
3. Corona und die Digitalisierung

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