Schwerpunkte

EMS-Industrie zur Liefersituation

»Ein betriebswirtschaftlicher Alptraum«

28. Juni 2021, 08:38 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

»Das kostet Kraft, Zeit und viel Geld«

Egal ob groß oder klein: Bei vielen EMS sind derzeit Eskalations-Calls mit den Lieferanten und Kunden an der Tagesordnung. Thomas Kaiser, Executive VP von GPV betont, dass die Lieferanten sehr kundenorientiert agieren und jederzeit für Gespräche zur Verfügung stehen. Michael Geirhos, Leiter Materialgruppeneinkauf bei BMK aus Augsburg unterstreicht ebenfalls die guten Lieferantenbeziehungen und sieht sein Unternehmen bei der Beschaffung durch folgende Aspekte punkten: Man reagiere bereits seit letztem Sommer auf die Situation, pflege eine langjährige Lieferanten- und Herstellerstrategie und obwohl auch BMK zu den größeren EMS gehört, ist der Einkauf nicht verstreut und kommt aus einem Standort.

»Durch Produktgruppenspezialisten haben wir den Markt immer im Blick und sind digital sehr gut vernetzt. Unser Transportmanagement-Team ist im Moment ein großer Mehrwert. Trotz allem bleibt die Situation sehr herausfordernd für uns und unsere Branche. Die Thematik wird von Monat zu Monat schwieriger und wird uns im Laufe des Jahres noch viel abverlangen«, gibt auch er zu Bedenken.
Dass die Marktmacht des Einkaufsvolumens Türen in der Priorisierung bei Herstellern und Distributoren öffnet, die kleineren EMS verschlossen bleiben, dürfte kaum jemand in Abrede stellen. Dieser Stellhebel fehlt kleinen und kleineren mittelständischen EMS. »Trotzdem gelingt es uns manchmal in konzertierten Aktionen, zusammen mit dem Distributor, dem chinesischen Produzenten und auch noch dessen Rohstofflieferant über alle Supply-Chain-Grenzen hinweg zu kommunizieren und somit dann doch noch irgendwie die Belieferung sicherzustellen. Aber das kostet einen kleinen Mittelständler Kraft, Zeit und viel Geld, das er im Grunde nicht hat«, führt Hollstein aus.

Ein systemimmanentes Problem bleibt zudem die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten. Dieses Problem besteht nicht erst seit den aktuellen Engpässen, sondern war/ist immer wieder Thema in Markt&Technik Diskussionsrunden. »Ich hatte schon vor drei Jahren in einer Round-Table-Diskussion gesagt, dass wir aufpassen müssen, dass wir in Europa bei der Belieferung mit Komponenten nicht ins Abseits geraten«, erinnert sich Arthur Rönisch, Geschäftsführer von Turck duotec. »Damals ging es »nur« um passive Komponenten. Schauen wir uns aktuell die Produktion von PCB-Laminaten an. Eine Statistik zeigt auf, dass USA und Europa gemeinsam lediglich zwei Prozent dieser Produktion ausmachen. Daraus lässt sich die extreme Abhängigkeit von Asien beispielhaft ablesen.«

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