EMS: Materialbeistellung – ja oder nein?

Die Frage des Handlings von Bauteilkomponenten für Baugruppenfertigung von EMS-Dienstleistern wird kontrovers diskutiert. In jedem Fall gilt: Vor- und Nachteile von Materialbeistellungen sollten EMS-Dienstleister und Auftraggeber genau abwägen.

Mittlerweile bieten die meisten EMS-Unternehmen wie Plath EFT den Service der Beistellung an, viele Auftraggeber sind aber noch skeptisch. »Die Entscheidung, wer was wann zu welchen Konditionen liefert, hat
großen Einfluss auf den Projekterfolg«, weiß Matthias Holsten,
Geschäftsführer von Plath EFT in Norderstedt bei Hamburg.

Der Elektronikdienstleister Plath EFT mit gut 60 Beschäftigten beliefert vor
allem die Luft- und Raumfahrtindustrie mit elektronischen Baugruppen und
Leiterplatten und kann umfassende Erfahrungen in der Materialbeistellung
vorweisen. Laut Holsten überwiegt bei den Auftraggebern nach
wie vor die Auffassung, durch hauseigenen Einkauf von Bauteilen die
Kosten senken zu können. Der Geschäftsführer sieht deshalb Aufklärungsbedarf: »Der Kostenfaktor für die Bauteile wird hier meist zu hoch bewertet. Betrachtet man die Gesamtkosten, überwiegt der interne
Aufwand für Einkauf, Handling und Lagerung der Bauteile, die Terminkoordination und das Sicherstellen der Nachverfolgbarkeit (Traceability) oft den Kostenvorteil des Auftraggebers beim Einkauf.«

Splitten der Materialbeschaffung verursacht hohen Aufwand

Noch aufwändiger wird die Beschaffung, wenn sie zwischen
Auftraggeber und -nehmer aufgeteilt wird (siehe Infografik). »Die Fixkosten
steigen durch den doppelten Beschaffungsprozess, die Koordination wird
schwieriger, es besteht ständiger Abstimmungsbedarf«, betont Holsten. Hinzu kommt, dass Prozesse unnötigerweise redundant bei Auftrageber und -nehmer ablaufen, beispielsweise die Wareneingangsprüfung. Hinzu kommt die Unsicherheit bei Reklamationen: Wer ist bei Fehlern am fertigen Produkt verantwortlich: Lieferant, Auftraggeber oder Dienstleister? Holsten empfiehlt deshalb, die Beschaffung der Komponenten für die Fertigung dem EMS-Anbieter zu überlassen. Plath EFT hat damit gute Erfahrungen gemacht. »Zu unseren Kunden gehören renommierte Hersteller der Luftfahrtindustrie, die direkt Airbus und Boeing mit elektronischen Baugruppen beliefern«, berichtet Holsten. »Während sie bei den ersten Aufträgen noch auf einem Splitting der Beistellungen bestanden, konnten wir sie später davon überzeugen, die Beschaffung ganz in unsere Hände zu geben.« Das Resultat: Der kundenseitige Aufwand für Einkauf, Wareneingangsprüfung und Dokumentation entfiel, die Handlingkosten für die Bauteile reduzierten sich laut Holsten um dreißig Prozent. Zudem ist die Rückverfolgbarkeit eindeutig dokumentiert und bei Reklamationen ist die Zuständigkeit leicht nachzuvollziehen.

Als weiteren Vorteil nennt Holsten, dass ein guter EMS-Dienstleister den Markt für elektronische Bauteile sehr genau kennt. »Wir sondieren ständig den Markt. Bei kurzfristigen Produktänderungen oder Bauteilabkündigungen können wir schnell und flexibel reagieren und alternative Bauteile
und Lieferanten anbieten.«