Digitalisierung im Einkauf »Automatisierung ersetzt nicht die gute Planung«

Einkäufer, Distributoren und Systemhersteller trafen sich aus aktuellem Anlass zum Markt&Technik-Breakfast-Talk „Lieferverfügbarkeit und Supply-Chain“.
Einkäufer, Distributoren und Systemhersteller trafen sich aus aktuellem Anlass zum Markt&Technik-Breakfast-Talk »Lieferverfügbarkeit und Supply-Chain«.

Die digitale Transformation und das B2C-Einkaufserlebnis wird auch die smarte Vernetzung des B2B-Einkaufs bzw. der Lieferkette forcieren. Wie stellen sich die Firmen der Elektronikindustrie darauf ein? Der Roundtable »Lieferverfügbarkeit & Supply-Chain« der Markt&Technik brachte Aufschluss.

Die Lieferkette zwischen Lieferanten und Kunden ist getrieben durch das eigene Konsumverhalten aus dem B2C-Geschäft nach dem Prinzip „Easy to do business with“«, gibt Hermann Reiter, Geschäftsführer von Digi-Key Deutschland, zu bedenken. Diese Anspruchshaltung infiltriert zunehmend auch das B2B-Geschäft ganz nach dem Motto „ein Klick und die Ware kommt“. »Die Kunden fordern zunehmend „Verfügbarkeit on the finger tip“ – darüber muss man sich im Einkauf klar werden. Das ist der Zeitgeist«, so Reiter. »Wir müssen daher weg kommen von „Copy und Paste“ und hin zur M2M-Konnektivität, sodass sich Verfügbarkeit und Bedarfe sofort abrufen lassen.«

Nach den Worten von Reiter wird es auch im Einkauf in Zukunft Trusted Computer-Alliances und Smart Contracting geben, um wichtige Teile der Lieferkette automatisieren zu können. Das, so Reiter, sei insbesondere für das Kerngeschäft Europas mit seinem „High Mix/Low Volume“ essenziell. Das Gros der Kunden in Europa brauche keine Massenstückzahlen, sondern müsse flexibel mit kleinen und mittleren Stückzahlen bedient werden. Um diese Anforderungen adäquat zu erfüllen, könne eine weitreichende Digitalisierung hilfreich sein.

Ohne EDI geht nichts?

Ein probater Weg, um die Ströme der Lieferkette zu automatisieren, ist der elektronische Datenaustausch (Electronic Data Interchange; kurz: EDI). EDI ist der Sammelbegriff für elektronische Transferverfahren, die direkt zwischen den Systemen der beteiligten Firmen stattfinden. Das Manko: EDI ist insgesamt betrachtet teuer, wird aber von großen Firmen in der Zusammenarbeit oft gefordert. Daher ist EDI für Volumendistributoren und die großen Auftragsfertiger/Elektronikdienstleister am runden Tisch Obligo. Für Rutronik, Asteelflash und Zollner Elektronik gehört nach Auskunft ihrer Teilnehmer am Roundtable der Markt&Technik EDI zur Standard-Ausstattung sowohl zwischen Kunde und Lieferant als auch zwischen Lieferant und EMS/Distributor.

Bei mittelständischen Systemherstellern dagegen ist EDI nicht selbstverständlich. So berichtet Bettina Kunzmann, Category Manager von Puls, dass man bei Puls die Möglichkeit von EDI-Anbindungen zum Kunden evaluiert habe und dabei sei, entsprechende Projekte zu starten. » Eine automatisierte Anbindung zum Lieferanten haben wir aber noch nicht. Hier stehen natürlich auch Kosten-Nutzen-Faktoren im Vordergrund.« Damit spricht die Vertreterin von Puls eine wichtige Hemmschwelle an: EDI erfordert großen IT-Aufwand und macht es daher für den Mittelstand nicht unbedingt attraktiv.

Bei Digi-Key hat man auf dieses Manko bereits reagiert und stellt APIs zur Verfügung, die sich individuell implementieren lassen – und das laut Reiter relativ einfach. »Der Kunde kann sich dann alle Informationen über die API ziehen: Datenblätter, Produktinfos usw.« Zumindest für den Prototyping-Bedarf sind solche API-Lösungen praktisch, aber fürs Volumengeschäft bleibe EDI das Mittel der Wahl, meint Jörg Schloder, Procurement Director Germany & Eastern Division von Asteelflash, und verweist auf entsprechende Projekte in der Asteelflash-Gruppe.