Fraunhofer-Barometer So weit ist die Energiewende in Deutschland

Die Energiewende in Deutschland ist in vollem Gang. Doch wie weit ist sie wirklich?
Die Energiewende in Deutschland ist in vollem Gang. Doch wie weit ist sie wirklich?

Im Jahr 2050 soll der Strom in Deutschland fast ausschließlich durch erneuerbare Energiequellen erzeugt werden. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch wie ist der aktuelle Stand?

»Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet voran, aber zu langsam. Wir sind nicht auf Kurs, um den Zielen des Klimaabkommens von Paris gerecht zu werden und die Energiewende in allen Sektoren tatsächlich zu schaffen«. Das stellen Fraunhofer-Forscher im »Barometer der Energiewende« fest. Jedes Jahr gibt das Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE in Kassel zusammen mit dem Fraunhofer ISE und dem Fraunhofer ISI eine Einschätzung, wie die Energiewende vorankommt.

Das Energiesystem in Deutschland soll auf Dauer CO2-frei werden. Dazu ist vor allem der Einsatz von Windenergie- und Photovoltaikanlagen geplant. Doch der Ausbau gerät gerade ins Stocken. Die Neuinstallation von erneuerbaren Energieanlagen wird in absehbarer Zeit nicht mehr den Verlust von altersbedingt ausscheidenden Anlagen kompensieren können. Im Barometer der Energiewende werden auf Basis der Ist-Werte des Vorjahres mithilfe von Szenarien die Zielwerte für 2050 errechnet.

Zubau bei Wind- und Solarenergie zu gering

Bei der Windenergie lag der Neubau im Jahr 2018 bei 3,82 GW Leistung für Onshore und Offshore zusammen. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste der Bau nach aktuellen Berechnungen auf 11 GW pro Jahr gesteigert werden. Ähnlich das Szenario bei der Versorgung mit Photovoltaik-Strom: Der Zubau in 2018 lag bei 2,3 GW, benötigt werden aber 8,5 GW. Die Zielsetzung ist nun eine direkte Stromnutzung aus der Erzeugung von Wind- und Sonnenenergie, um die Effizienz zu steigern.

Nicht nur auf Stromversorgung fokussieren

Bisher hatte die Bundesregierung vor allem die Stromerzeugung im Blick, Verkehr und Wärmeerzeugung hinken dagegen hinterher. Die Bereiche müssen nun ebenfalls ausgebaut werden. Gerade Wärmepumpen sind ein zentrales Bindeglied für die Kopplung von Strom- und Wärmesektor. Auch der Aufbau von Verbünden durch Nahwärmenetze und Wärmespeicher auf Siedlungsebene bietet Optimierungspotenziale.

Bei der Mobilität ist einiges in Bewegung: Alternative Antriebssysteme wie batterie-elektrische Fahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge sowie Hybridfahrzeuge sind auf dem Vormarsch. Ein weiterer Aspekt ist die Herstellung von transportierbaren synthetischen Energieträgern in Regionen mit einer Überschusserzeugung von erneuerbarem Strom  – zum Beispiel die elektrolytische Herstellung von Wasserstoff.

Hohe Ambitionen

Die Forscher der Fraunhofer-Institute sehen auch ein Potenzial in der Entwicklung der Randbedingungen für die Energiemärkte. Technologien, die an der Schwelle zur Markreife sind und den CO2-Ausstoß weiter reduzieren können, müssen unterstützt und gefördert werden. Auch die Schlüsseltechnologien müssen auf die Ziele der Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Dazu zählen momentan die Photovoltaik, Windenergie, Batterietechnik, Wärmpumpen, Wasserstofftechnik, synthetische Energieträger und Techniken wie die CO2-Abscheidung und -Speicherung. Im Energiebereich kommen außerdem die Themen Netztechnik und Digitalisierung hinzu. Als Nächstes müssen unbedingt die Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie in den Transformationsprozess des Energiesystems einbezogen werden, fordern die Forscher.