Fraunhofer weist nach Neues Recylingverfahren spart Energie

Die Regranulate stammen aus Kunststoffabfällen aus der haushaltsnahen Sammlung in Deutschland.
Die Regranulate stammen aus Kunststoffabfällen aus der haushaltsnahen Sammlung in Deutschland.

Mehr und mehr Plastikabfälle landen in den Meeren und schädigen die Umwelt. Um das zu verhindern, müssen Kunststoffe gesammelt und recycelt werden. Doch das ist teuer und energieintensiv – ein neues Verfahren könnte das ändern.

Das Recyceln von Kunststoffen ist teuer, der Energiebedarf ist hoch. Um ihn zu senken, hat die Recyclingfirma Interseroh ein energiesparendes Verfahren entwickelt. Zum Nachweis der Nachhaltigkeit des Verfahrens, hat das Unternehmen das Fraunhofer Institut Umsicht mit dem Durchführen einer Studie beauftragt. Die Forscher haben darin nachgewiesen, wie viel Treibhausgasemissionen das neue Verfahren namens »Recycled-Resource« im Vergleich zu früheren Verfahren einspart.

Studie bestätigt Einsparpotenzial

Kunststoffe aus Haushaltsabfällen landen im Idealfall in der gelben Tonne. Aus den Kunststoffabfällen stellen die Recyclingfirmen dann Regranulate her, die anschließend wieder der Produktion zugeführt werden. Alte Verfahren nutzten zum Herstellen von Regranulaten Stoffe aus Rohöl, das neue Verfahren nutzt die beiden Regranulate Recythen und Procyclen.

Die Studie von Fraunhofer untersuchte die Energiebilanzen für die beiden Verfahren. Dabei begann die Grenze der Bewertung beim Sammeln und Sortieren der Leichtverpackungen und endete mit dem Bereitstellen des recycelten Polymers. Neben den Treibhausgasemissionen wurde auch der Primärenergiebedarf zur Produktion der Regranulate betrachtet.

Die Ergebnisse zeigen, dass das neue Verfahren im Vergleich zum alten Verfahren wesentlich umweltfreundlicher ist. Zum einen spart es klimaschädliche Emissionen ein, zum anderen liegt der Verbrauch an Primärenergie je Tonne Regranulat rund 21.000 kWh unter dem Vergleichswert. Die Differenz entspricht etwa dem Energieaufwand für 14.000 Waschladungen. Auch der Einsatz des Stoffes Procyclen spart 54 Prozent an Treibhausgasemissionen ein.

Fertigen nach Kundenwunsch

»Die Zahlen bestärken uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind«, sagt Dr. Manica Ulcnik-Krump von Interseroh. »Eine technisch weiter verbesserte, effektive Kreislaufführung von Kunststoffen entlastet das Klima – und erhöht zugleich den Nutzen für unsere Kunden aus der Industrie«.

Recompounds, die mithilfe des neuen Verfahrens hergestellt werden, ersetzen bereits in vielen Bereichen Neuware. Zusammen mit dem Extrusionssystem »Corema«, ist es erstmals möglich, maßgeschneiderte Recycling-Compounds in nur einem statt bisher in zwei Verfahrensschritten herzustellen. Ein Extrusionssystem ist dabei ein System, das aus festen Massen neue Formen herstellt. »Das senkt den Energie- und Ressourcenverbrauch noch einmal spürbar«, sagt Dr.-Ing. Markus Hiebel vom Fraunhofer Umsicht. Zudem lassen sich direkt im Herstellungsprozess Additive, Modifikatoren und anorganische Füllstoffe beimischen. Die Qualitätskontrolle der Materialrheologie und Farbstabilität erfolgt dabei digital in Echtzeit. So kann Interseroh individuelle Recompounds für besonders hochwertige Anwendungen nach Kundenwunsch herstellen – und zugleich das Klima schonen.