Smart Grid Europa und USA wetteifern um China

Bis 2020 will China, eines der Länder mit dem größtem Energiebedarf, seinen CO2-Ausstoß um bis zu 40 % reduzieren - mit massivem Ausbau von regenerativen Energien und mit Smart Grid.

In drei Stufen will China ein Smart Grid bis 2020 etablieren und sich damit zugeich eine internationale Führungsrolle in diesem Bereich sichern. Dies verkündete Baoquan Shi, Vice Administrator von der Standardization Administration of the Peoples Republic of China (SAC) während des ersten Sino-EU Smart Grid Technology and Standardization Forums Ende Mai 2010 in Peking, China. Ziel des Forums war es, die Zusammenarbeit zwischen der EU/Deutschland und China im Bereich Smart Grid zu fördern und eine Harmonisierung von Normen und Standards zu erreichen. Organisiert wurde das Forum mit rund 400 Teilnehmern aus China und Europa unter anderem von EuropElectro, der DKE Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE (VDE|DKE) und dem Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) mit Unterstützung der Standardization Administration of the People´s Republic of China (SAC).

Bislang ist der Bereich Smart Grid ein neues Terrain für China. Für den Exportweltmeister ist ein funktionierendes und zuverlässiges Stromnetz unerlässlich. Für die deutsche Industrie birgt das Land der Mitte, das sich zu einem der größten Energieproduzenten der Welt entwickeln möchte, großes wirtschaftliches Potential. "Allerdings nur, wenn wir uns frühzeitig mit China bezüglich der Architektur und Standardisierung von Smart Grid abstimmen können," betont Dipl.-Ing. Roland Bent, Geschäftsführer Marketing und Entwicklung bei Phoenix Contact. Eine frühzeitige Berücksichtigung von Normungsaspekten im Forschungsprozess und bei der Umsetzung schafft Wettbewerbsvorteile für Deutschland. "Was wir brauchen sind einheitliche internationale Standards, die den Informationsaustausch für Grid Automation, Industry Automation und Home Automation beschreiben", fordert auch Dr.-Ing. Bernhard Thies, Sprecher der Geschäftsführung von VDE|DKE.

Aufgrund der rasanten Entwicklung im Bereich Smart Grid, muss schnell gehandelt werden. Denn auch die USA haben China als Zukunftsmarkt für Smart Grid im Visier und bereits einige Anstrengungen unternommen, das Land in Sachen Normung und Standardisierung auf ihre Seite zu ziehen. "Wir stehen im Wettbewerb mit den USA, was Standardisierungskonzepte und Definitionen von Smart Grid betrifft. China denkt in Monaten, nicht in Jahren. Deshalb kommt es jetzt darauf an, dass die Ergebnisse der deutschen Normung rasch implementiert werden", sagt VDE|DKE-Chef Thies. Um den IKT-Sektor mit dem Energie-Sektor in Einklang zu bringen, sollten alle Akteure auf die schon bestehenden Standards zurückgreifen. Zahlreiche international anerkannte IEC-Standards in den Bereichen Power, Industrial and Building Automation existieren bereits. Lin Xianyu, Leiter des Smart Grid Departments der State Grid Corporation of China, erklärte in Peking, dass China auf bereits erprobte Standards aufbauen möchte und sowohl die amerikanischen Standards des National Institute of Standards and Technology (NIST) wie auch die internationalen IEC-Standards auf Adaptierbarkeit prüfe. China lege dabei großen Wert auf die Kooperation mit Europa und vor allem mit Deutschland.

Unterschiedliche regionale Standards behindern den Weltmarkt. Normen sind daher so wichtig wie Patente. Die starke Stellung Deutschlands und der Erfolg deutscher Produkte auf den Weltmärkten - gerade im Energiebereich - ist auf die offensive Normungsstrategie Deutschlands zurückzuführen. Die europäischen Normungsorganisationen, allen voran VDE|DKE, setzen auf internationale Harmonisierung. Rund 90 % der europäischen Normen in der Elektrotechnik sind bereits international vereinheitlicht. Entsprechend groß ist der Einfluss der Europäer und der Deutschen in der IEC. Auch die asiatischen Länder haben die Bedeutung der Normung erkannt. Vor allem China unternimmt große Anstrengungen, um bei der Normsetzung an Einfluss zu gewinnen und damit seine Innovationskraft zu stärken. Thies fordert daher deutsche Firmen auf, sich noch stärker in der europäischen und internationalen Standardisierung einzubringen.