Interview mit Thomas Rechlin, Recom »Der Beleuchtungsmarkt ist überreglementiert!«

»Der Beleuchtungsmarkt ist überreglementiert!«
»Der Beleuchtungsmarkt ist überreglementiert!«

Wie finde ich die passende LED-Ansteuerung für meine Anwendung? Was muss ich bei der Entwicklung von LED-Beleuchtungen beachten? Darüber sprach das Fachmedium Elektronik mit Thomas Rechlin von Recom.

Elektronik: LEDs und LED-Ansteuerungen werden überall eingesetzt. In welchen Bereichen bewegen sich Ihre Kunden?

Thomas Rechlin: Ein Großteil der Kunden ist im Bereich Innenbeleuchtung tätig, sprich: alles vom Haus über Büro bis hin zur kommerziellen Beleuchtung; im industriellen Umfeld ist der Anteil relativ gering. Unsere Kunden bewegen sich im Bereich Residential Lighting und teilweise im Street Lighting. Unser Kernmarkt ist also die konventionelle Beleuchtung.

Elektronik: Welche Anforderungen stellen die Kunden?

Rechlin: Natürlich spielt auch hier der Preis eine große Rolle; vor allem in den letzten ein bis zwei Jahren ist der Preisdruck gestiegen. Zwar wird in den Medien und auf Kongressen immer von einer intelligenten Beleuchtung gesprochen, aber was die Kunden wirklich wollen, sind einfache und günstige Lösungen. Momentan versuchen wir unser Produktportfolio dementsprechend etwas anzupassen.

Elektronik: Die Leistungsfaktorkorrektur spielt laut der Elektronik-Studie „LED-Ansteuerung“ bei vielen eine sehr untergeordnete Rolle.

Rechlin: Es gibt gesetzliche Regelungen: Für LED-Beleuchtungen ab 25 W ist eine Leistungsfaktorkorrektur (PFC) vorgeschrieben. Allerdings reichen besonders im konventionellen Beleuchtungsbereich oft geringere Leistungen aus. Dort wird häufig auf eine PFC verzichtet und so auch ein Kostenfaktor ausgeschaltet.

Allerdings wird gemunkelt, dass die gesetzliche Regelung auch bald für niedrigere Leistungsklassen gelten soll. Wir sind gespannt, denn wenn eine PFC wirklich auch für Leistungsklassen bis unter 10 W eingeführt wird, dann wird die Änderung auch Energiesparlampen betreffen. Das ist natürlich ein anderes Marktsegment, welches aber von der Regelung viel massiver betroffen wäre. Ich glaube, dass die übergeordneten Institutionen davor zurückschrecken, den Wert weiter zu senken. Momentan betrifft das primär den LED-Markt.

Elektronik: Unterscheiden sich die gesetzlichen Regularien von Land zu Land oder gelten sie europaweit?

Rechlin: Die Leistungsfaktorkorrektur ist eine EU-Richtlinie. Viele chinesische oder Fernost-Hersteller halten sich aber nicht daran. Wir sehen es auch manchmal am Markt: Wird eine Leuchte zur Zertifizierung eingereicht, ist ein hochwertiges LED-Netzteil verbaut, in der Serienproduktion wird es aber durch ein kostengünstigeres Gerät ersetzt, das die notwendigen Regularien nicht erfüllt. Das wird so gut wie nicht kontrolliert – weder in Deutschland noch in der EU. In Amerika ist das zum Teil anders; dort gibt es den Energy Star und weiterführende Reglementierungen – gerade in Kalifornien ist das ein sehr heikles Thema und wird daher auch sehr streng kontrolliert.

Elektronik: Welche Strafen zieht ein Verstoß nach sich?

Rechlin: Eigentlich ist das relativ unkritisch: Werden Unternehmen erwischt, müssen sie eine Strafe von einigen hundert Euro zahlen und ihr Produkt evtl. einer Folgeprüfung unterziehen. Aber eine durchgehende Kontrolle gibt es nicht. In Deutschland überprüft die Bundesnetzagentur stichprobenartig Produkte, aber ein Fall, bei dem wirklich eine Strafe verhängt wird, kommt selten ans Licht.