Studie zu Kryptowährungen Bitcoin verursacht so viel CO2 wie ganz Hamburg

Bitcoin ist die am häufigsten verwendete Kryptowährung.
Bitcoin ist die am häufigsten verwendete Kryptowährung.

Kryptowährungen sind zwar virtuell, die dafür aufgewendete Energie aber ist real. Mehrere Studien beschäftigten sich bereits mit dem Thema. Neue Erkenntnisse liefert nun die TU München.

Um eine Überweisung für eine Kryptowährung auszuführen, muss eine Rechenaufgabe von einem Computer im Netzwerk gelöst werden. Am internationalen Bitcoin-Netzwerk kann jeder teilnehmen und wird dafür wiederum mit Bitcoins belohnt. Allerdings ist für das sogenannte »Schürfen« oder »Mining« von solchen Währungen eine hohe Rechnerleistung nötig. Für die Rechnerleistung muss wiederum Energie bereitgestellt, also zunächst erzeugt werden. Die eingesetzten Rechnerkapazitäten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Allein im Jahr 2018 haben sie sich vervierfacht.

Wird der Boom um die Kryptowährung zu einer zusätzlichen Klimabelastung? Mehrere Untersuchungen haben versucht den Kohlendioxid-Ausstoß für die Währung Bitcoin zu berechnen. »Diese Studien beruhen allerdings auf zahlreichen Schätzungen«, berichtet Christian Stoll von der technischen Universität München (TUM). Er und sein Team haben jetzt eine neue, detaillierte Kalkulation erarbeitet.

»Detektivarbeit« nötig

Schritt für Schritt analysierte das interdisziplinäre Team der TUM zahlreiche Daten. Zunächst ermittelten sie den Stromverbrauch des Netzwerks, der vor allem von den eingesetzten Geräten abhängt. Heute verwenden die »Schürfer« hauptsächlich sogenannte ASIC-Miner. Die Daten wurden öffentlich, da die Hersteller der Miner einen Börsengang planten und so die Marktanteile der verschiedenen Geräte veröffentlichen mussten. Daraus ließ sich schließlich der Strombedarf ableiten.

Daneben galt es zu berücksichtigen, ob die Miner selbst schürfen oder über riesige »Mining-Farmen«, die in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut wurden. Zusätzlich wird dort auch noch Energie für die Kühlung benötigt. Das Team nutzte Statistiken eines öffentlichen Pools unterschiedler Schürfer, um die Rechenleistung zu ermitteln.

Asien stellt die meisten Rechner

Insgesamt stellten die Forscher einen Stromverbrauch von 46 Terrawattstunden fest. Die CO2-Emissionen sind jedoch von den energieerzeugenden Ländern abhängig. Dazu werteten die Forscher verschiedene IP-Adressen in Statistiken zu sogenannten Mining-Pools, in denen sich mehrere Schürfer zusammenschließen, aus. Das Ergebnis: 68 Prozent der Rechnerkraft des Bitcoin-Netzwerks liegt in asiatischen Ländern, 17 Prozent in Europa und 15 Prozent in Nordamerika. Eine Überprüfung über eine zweite Methode kam zu dem gleichen Ergebnis. Anschließend kombinierten sie die Ergebnisse mit Statistiken zur CO2-Bilanz der einzelnen Länder.

CO2-Abdruck vergleichbar mit Großstadt

Das Ergebnis der Studie: Das Bitcoin-System verursacht zwischen 22 und 23 Megatonnen CO2 pro Jahr. Das ist vergleichbar mit dem Kohlendioxid-Ausstoß von Hamburg, Wien oder Las Vegas.

»Der CO2-Fußabdruck ist so groß, dass er Anlass genug bietet, um über die Regulierung von Krypto-Mining an Standorten mit CO2-intensiver Stromproduktion zu diskutieren«, sagt Christian Stoll. Die Forscher betrachten außerdem die Kopplung von Mining-Farmen mit der Erzeugung von erneuerbaren Energien als sinnvoll.