E-Mobilität »Als ob die Gesetzmäßigkeiten der Physik nicht gelten«

Zweifelhafter Fahrspass

Wer je ein Elektrofahrzeug gefahren hat, wird die ungeheure Beschleunigungskraft bemerkt haben, die der Tatsache zu verdanken ist, dass Elektromotoren mit entsprechender Regelung in einem großen Drehzahlbereich maximales Drehmoment erzeugen können. Was fast überall als positiv gewertet wird (»toller Fahrspass«) sehen die Professoren skeptisch: Hohe Beschleunigung kostet besonders viel Energie. Vor allem aber gefährdet sie Fußgänger und Radfahrer, denen die leisen Fahrzeuge bei schneller Annäherung nicht mehr genug Zeit zum Reagieren geben. Eine geeignete Maßnahme sei hier nur die technisch problemlose Begrenzung des Beschleunigungsvermögens.

Wo kommt die Energie her?

Ein weiteres tabuisiertes Thema ist die Energieerzeugung für Elektrofahrzeuge. Ganz selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass die benötigte Elektrizität aus erneuerbaren Quellen kommen muss – aber ist das realistisch?

Das Positionspapier führt hierzu an, dass Elektrofahrzeuge besonders nachts geladen werden müssen. In dieser Zeit steht keine Solarenergie zur Verfügung. Was passiert dann in einer windstillen Winternacht? Hier müssen dann andere, nicht erneuerbare Energieträger wie Gas und Atomstrom einspringen. Außerdem werden die Autos mit weiteren Nachfragern konkurrieren – nämlich dann, wenn auch Heizenergie klimaneutral erzeugt werden soll und diese ebenfalls elektrisch erzeugt wird. Dann würde der Nachtstrom noch knapper werden.

Auch der Mär, dass Elektroautos als Energiespeicher im Netz dienen könnten, widersprechen die Wissenschaftler: Das würde der zeitliche Energiebedarf höchstwahrscheinlich nicht erlauben. Denn die Fahrzeuge müssen über Nacht geladen werden, damit morgens die volle Akkukapazität zur Verfügung steht. Andernfalls können geplante Fahrten womöglich nicht durchgeführt werden.

Soziale Folgen

Weiterhin geben die Professoren zu Bedenken, dass Verkehrsnachfrage von hohen zeitlichen und räumliche Spitzen geprägt ist. Die Bewältigung der Nachfrage zu diesen Zeiten stellt schon heute ein großes Problem dar. Den Bemühungen, diese Spitzen zu nivellieren, sind enge Grenzen gesetzt: Zeit- und ortsabhängige Gebühren wie eine Innenstadtmaut führen dazu, dass vermögende Menschen fahren oder laden können, wann immer sie wollen, während Haushalte mit geringem Einkommen das nicht können. Ein gleichberechtigter Zugang zur Infrastruktur ist jedoch Teil der Daseinsvorsorge und der sozialen Teilhabe. Daher halten die Wissenschaftler preisliche Maßnahmen nur unter Beachtung sowie Kompensation ihrer sozialen Auswirkungen für vertretbar.

Die Alternative

Die emeritierten Professoren teilen das Ziel einer Umstellung des Kfz-Verkehrs auf Antriebe ohne CO2-Emissionen. Sie drängen aber darauf, dass die Diskussion nicht nur von Autotechnikern und Betriebswirten geführt wird. Stattdessen müsste auch eine verkehrsreduzierende Siedlungs- und Verkehrsinfrastrukturplanung hinzutreten, das sonst jede zukünftige automobile Fortbewegung mit einer global untragbaren Belastung verbunden ist. Die Politik wird aufgerufen, verbesserte Konzepte für den öffentlichen und nicht-motorisierten Verkehr anzubieten und die Kostenwahrheit für die Verkehrsnutzer zu verbessern. Das – so stellen es die Autoren realistisch fest – sei allerdings ein unpopulären Thema und von daher tabu, weil es nur mit Verhaltensänderungen zu erreichen ist.