Smart Meter Ab morgen sind intelligente Strom-Messer Pflicht

Intelligente Messgeräte für Strom können auch den Verbrauch von Erdgas, Wasser oder Wärme weitergegeben.

Die digitale Infrastruktur soll die Energiewende bringen: Morgen startet der verpflichtende Einbau von Smart Metern ab einem Stromverbauch von 6000 kWh im Jahr. Der Bitkom sieht große Chancen für die Sicherheit, mahnt aber auch hisichtlich noch offenen Standards und der Elektromobilität.

Was lange währt, wird vielleicht gut: Auch wenn die Bitkom den morgigen Startschuss für die Smart Meter mit der Einführung des Smartphones vergleicht, bleiben für den neuen Übertragungsdienst viele Fragen offen.

Privathaushalte sind per se noch nicht betroffen, ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt braucht rund 4.000 kWh im Jahr. Der Einbau von Intelligenten Messsystemen ist erst ab einem Jahresstromverbrauch von mehr als 6.000 kWh oder beim Einsatz steuerbarer Verbrauchseinrichtungen und Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz oder dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz mit mehr als 7 kW Leistung verpflichtend, also etwa Solaranlagen.

Bereits 2016 wurde das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende und die darin verankerte Pflicht zum Einbau der Smart Meter verabschiedet, doch das Bundesamt für Informationssicherheit (BSI) musste zunächst mindestens drei Smart Meter Gateways zertifizieren, für eine gesicherte Kommunikation und hohen Datenschutz. Mit dem Smart Meter Gateway könnten die Smart Meter nicht nur den Stromverbrauch übermitteln, auch den Verbrauch von Erdgas, Wasser oder Wärme weitergegeben. Die Zertfizierung dieser Geräte stellte die Hersteller lange vor Herausforderungen, mittlweile sind rund 40 Hersteller zertifiziert und 10 Zertifizerungsdienstleister registriert.

Chancen und offene Fragen

»Mit der Hardware entwickeln sich völlig neue Anwendungen«, sagt Robert Spanheimer, Energieexperte beim Bitkom. Bereits seit Beginn der Intitiative sollten die intelligenten Messsysteme die zunehmend dezentrale Stromerzeugung und den Verbrauch flexibel miteinander verknüpfen. Großverbraucher und Netzbetreiber hoffen auf mehr und genauere Daten als Basis für einen reduzierten Verbrauch und exakte Vorhersagen des Strombedarfs. Bisher blieb der große Wurf aus.

Der Bitkom sieht nun vorallem Chancen für die digitale Infrastruktur, insbesondere das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen soll erhebliche Kosten für einen sonst benötigten Netzausbau in Wohngebieten verhinden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrswende leisten.

Aus Sicht des Bitkom kommt es darauf an, die möglichen Funktionen und Geschäftsmodelle der Smart Meter Gateways schnell weiterzuentwicklen. Momentan werden immer noch Standards definiert - unter anderem eben für das Laden von Elektroautos, wenn gerade günstiger Windstrom zur Verfügung steht, oder die Direktvermarktung von Strom aus Blockheizkraftwerken. »Die Digitalisierung im Verteilnetz kommt nicht auf einen Schlag, sie ist ein Prozess. Dienste und Vertriebsangebote können erst entstehen, wenn ausreichend viele Kunden erreicht werden«, so die Bitkom. Wie schnell die Integration in der Industrie jetzt tatsächlich voranschreitet und welche konkreten Verbesserungen eintreten, bleibt abzuwarten. Die Bitkom drängt: »Nach der langen Anlaufphase bis zum Smart-Meter-Rollout können wir uns jetzt nicht schon wieder eine Pause gönnen«.