Was treibt die HMI-Entwicklung? »Wir glauben an einen starken Trend zur KI«

»Wir erweitern unsere Systeme in Richtung größerer Bildschirmdiagonalen und höherer Auflösung«, Manfred Garz auf die Frage, in welche Richtung Garz & Fricke sein Sortiment ausrichtet.
»Wir erweitern unsere Systeme in Richtung größerer Bildschirmdiagonalen und höherer Auflösung«, Manfred Garz auf die Frage, in welche Richtung Garz & Fricke sein Sortiment ausrichtet.

Was sich als Eingabesystem im Smartphone durchsetzt, wird früher oder später auch in der Industrie eingeführt. Hinter dieser Formel steht auch Manfred Garz. Laut dem Geschäftsführer von Garz & Fricke werden es industrietaugliche Sprachassisstenten und AR-Systeme trotzdem schwer haben.

Herr Garz, was treibt die technische Weiterentwicklung der HMIs?

Manfred Garz: In erster Linie die Entwicklungen in den Bereichen Konsumelektronik und Automotive. Die Anforderungen aus diesen Bereichen treiben die Leistungsfähigkeit der Rechnerarchitektur und der Software.
Der industrielle Embedded­bereich folgt diesen Trends oft einfach hinterher, weil der langjährige Software-Support für die Betriebssysteme nur für aktuelle CPUs für längere Zeit gewährleistet werden kann. Die Treiber sind hierbei die rasant steigenden Bildauflösungen bei gleicher Bildschirmdiagonale, aber auch der Trend zu immer größeren Displays. Das gilt für das Mobiltelefon wie für das Automobil, aber eben auch in der Indus­trie bzw. Investitionsgüterbranche. Die Anforderungen an die Rechenleistung der CPU wird aber auch durch andere Trends wie Spracherkennung und Machine­ Learning getrieben.

Die Entwicklung der GUI-Software folgt ebenfalls den Trends und Anforderungen aus der Konsumelektronik. Zur Zeit dominiert die Kombination aus Linux mit Qt das industrielle Umfeld, zumindest im Bereich der Arm-CPUs, in dem auch wir tätig sind. Um Android und HTML5 ist es eine Zeitlang etwas ruhiger geworden. Zumindest im Bereich Android haben wir aber wieder verstärkt Nachfrage. Systeme mit Android, HTML5 aber auch Windows 10 IoT stellen in der Regel aber auch wieder höhere Anforderungen an die Systemleistung und treiben die CPU-Entwicklung.

Welche Neuerungen erwarten Sie?

Garz: Wir glauben an einen starken Trend in Richtung KI bzw. Machine Learning in Kombina­tion mit Kamerasensoren. Stellen Sie sich eine Kaffeemaschine vor, die den Becher erkennt und die richtige Menge Kaffee ausgibt. Zudem können die Crema und der Milchschaum überwacht werden und die Parameter der Kaffeemaschine und der Mühle nachgeregelt werden. Dazu benötigen Sie Kamerasensoren, integrierte 4G-Anbindung und irgendwann auch Machine Learning, das bereits in der CPU ohne Cloud oder zumindest ohne dauerhafte Anbindung an die Cloud erfolgt.

Natürlich wird es auch Sprach­eingabe geben, wobei das in indus­triellen Applikationen oft nicht sinnvoll ist. Die PCAP-Touchscreens werden ebenfalls den Trends aus der Konsumelektronik folgen. Force Feedback, 3D-Touch usw. werden zum Standard werden. Zudem wird es gesteigerte Anforderungen im Bereich Security geben. Man geht mit den Thema­tiken bewusster um und erwartet einen höchstmöglichen Schutz gegen Manipulation.

Wie sehen sie die Touch-Ein­gabesysteme im Vergleich zu Sprachassistenten und AR-Systemen?

Garz: Alles hat seine Berechtigung und ist abhängig von der Applikation. In unseren Zielmärkten spielen die Themen Sprachassistenten und AR zur Zeit noch eine eher untergeordnete Rolle. Das wird sich sicherlich auch ändern, aber die Relevanz wie in den Bereichen Consumer und Automotive sehe ich hier nicht. Es wird Applikationen geben, aber die Masse der Systeme wird auf absehbare Zeit ein Touch-Eingabe­system haben. Dies gilt insbesondere für alle sicherheitskritischen Applikationen.