LCD-Display-Fertigung Übernahme von Sharp macht Foxconn zum führenden LCD-Hersteller

(v.l.n.r.) Jeng-we Tai, Vizepräsident von Foxconn; Terry Gou, Präsident von Foxconn und Kozo Takahashi, Geschäftsführer von Sharp beim Austausch der unterzeichneten Verträge für die Firmenübernahme.
(v.l.n.r.) Jeng-we Tai, Vizepräsident von Foxconn; Terry Gou, Präsident von Foxconn und Kozo Takahashi, Geschäftsführer von Sharp trafen sich am 2. April zur Vertragsunterzeichnung mit dem die Mehrheitsanteile von Sharp an Foxconn übergehen.

Die gemeinsame Erklärung vom 30. März machte es offiziell: zwei Drittel von Sharp gehen an Foxconn. Damit wird der taiwanesische Elektronikfertiger zum führenden LCD-Hersteller. Außerdem gibt es nun einen Präzedenzfall für die Übernahme eines großen japanischen Unternehmens aus dem Ausland.

Als »Strategische Partnerschaft« bezeichneten beide Seiten die Übernahme von 66 Prozent des japanischen Elektronikkonzerns Sharp durch Foxconn. Der taiwanesische Elektronikfertiger zahlte etwa 3 Mrd. Euro und erwarb dafür unter anderem Sharps gesamtes TFT-LCD Geschäft in Form von Vertriebskanälen, Produktion sowie Forschung und Entwicklung.

Damit treibt Foxconn die Steigerung seiner Produktionsleistung für TFT-LCDs weiter massiv voran. Laut Schätzung von IHS wird durch die von Sharp erworbenen Fabriken die Produktionskapazität von Foxconn im Jahr 2016 einen Anteil von 21 % an der gesamten globalen TFT-LCD-Produktion ausmachen und damit die von LG Display, Samsung Display und BOE übersteigen. Innerhalb von zwei Jahren werden weitere vier LCD-Fabriken von Foxconn in China und Taiwan die Produktion von low temperature poly Silicon (LTPS) LCDs aufnehmen, die sich aktuell im Bau befinden. Dabei handelt es sich um drei Fabriken der 6. Generation, in denen Glassubstrate im Format 1500 x 1800 mm² verarbeitet werden und eine Fabrik der Generation 8.6. Hier werden Substrate im Format 2250 x 2500 mm² verarbeitet.

Foxconns Erwerb der Mehrheitsanteile an Sharp ist die größte Übernahme eines japanischen Unternehmens aus dem Ausland und hätte, monetär gesehen, noch größer ausfallen können. Im Laufe der Verhandlungen musste Sharp allerdings eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr ausgeben, die den Forecast vom November 2015 um knapp 1,4 Mrd. Euro nach unten korrigierte. Darauf reduzierte Foxconn sein Angebot von ursprünglich 3,8 Mrd. um 800 Mio. Euro, dem die Sharp Geschäftsführung nach erneuten Verhandlungen nun zugestimmt hat.

Bis zuletzt galt bei den Wirtschaftsexperten in Tokio aber der Mitbieter Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) als Favorit für den Kauf. Hinter dem Fond steht die japanische Regierung, sodass die Übernahmeverhandlungen auch als Test für die Bereitschaft der japanischen Wirtschaft gesehen wurde, sich für ausländische Investoren zu öffnen. Dass Sharp nun durch den Taiwanesen Foxconn übernommen wurde, stellt einen Präzedenzfall dar. Nun können sich die japanischen Unternehmen nicht mehr ohne weiteres darauf verlassen, in wirtschaftlicher Schieflage von der eigenen Regierung mit hohen Krediten gestützt zu werden.