LED-Beleuchtungstechnik »Straßenbeleuchtung ist so etwas wie die Königsdisziplin der LED«

Für Alexander Romanschtschak, Produktmanager bei Toshiba New Lighting Systems, hat die LED mit der Light+Building den Durchbruch in den Massenmarkt geschafft.
Für Alexander Romanschtschak, Produktmanager bei Toshiba New Lighting Systems, hat die LED mit der Light+Building den Durchbruch in den Massenmarkt geschafft.

Das Zeitalter der LED ist seit einiger Zeit angebrochen. Die Elektronik-Redaktion sprach mit Alexander Romanschtschak, Produktmanager bei Toshiba New Lighting Systems in Deutschland, über den Durchbruch der LED-Beleuchtungstechnik, Toshibas Strategie und die anstehenden Veränderungen am Leuchtenmarkt.

Elektronik: Herr Romanschtschak, warum engagiert sich Toshiba neuerdings so stark auf dem europäischen Markt in der LED-Beleuchtungstechnik?

Alexander Romanschtschak: Hier in Europa ist Toshiba vordergründig als Elektronikkonzern bekannt, der TV-Geräte und Laptops herstellt. Dass Toshiba aber seit 120 Jahren erfolgreich in der Lichtbranche tätig ist, ist hier leider noch nicht so geläufig. Toshiba ist, neben Panasonic, in Japan Marktführer in der Beleuchtungstechnologie. Für den japanischen Markt wurden verschiedenste Lampentypen produziert: Glühlampen, HID-Lampen, Fluoreszenz-Lampen.

In Zukunft setzt Toshiba konsequent auf LED-Beleuchtung. Darum wurde 2010 die Produktion von Glühlampen eingestellt. Ziel war es, ein Signal zu setzen, das deutlich zeigt: Wir wollen weg von ineffizienten Technologien. Wir haben natürlich den Vorteil, dass sich Toshiba in Japan einen sehr großen Erfahrungsschatz in diesem Bereich erworben hat. Dort ist das Thema LED schon deutlich weiter als in Europa. Hier gehen wir von einem LED-Marktanteil bei Lampen von ungefähr zehn Prozent aus, während er in Japan mit 50 bis 60 Prozent schon deutlich höher liegt.

Vor diesem Hintergrund ist es nur verständlich, dass Toshiba seine LED-Produkte auch nach Europa bringt. Auf der Light+Building haben wir gesehen, dass in Europa die ersten Berührungsängste nach und nach wegbrechen. Die Technologie ist jetzt ausgereifter, man hat verstanden, worin der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten LED-Lampe liegt. Man hat Vertrauen in die Produkte gefunden, die Preise sind auf ein Niveau abgesunken, bei dem man von einem interessanten Massenmarkt sprechen kann. Diesen Markt wollen wir weiter mit beeinflussen.

Elektronik: Was sind denn die nächsten Schritte von Toshiba in Europa?

Alexander Romanschtschak: In Zukunft wird Toshiba in Europa verstärkt auf den Markt der Beleuchtungstechnik setzen, obwohl wir zunächst mit Retrofit-Lampen gestartet sind. Wir bauen gerade ein Portfolio für Innen- und Außenbeleuchtung wie Spot-Beleuchtungen, Downlights und Bürobeleuchtungen auf. Langfristig wollen wir ein umfassendes Leuchtenangebot vorweisen. Und die schönen Lampen natürlich weiterhin für Endkonsumenten anbieten.

Elektronik: Die LED hat ja das besondere Problem, dass der Chip sehr heiß wird. Ein Lösungsweg besteht sicher darin, die Lichtausbeute weiter zu steigern. Arbeiten Sie bei Toshiba in dieser Richtung oder nehmen Sie LEDs von anderen Herstellern zum Ausgangpunkt Ihrer Produkte?

Alexander Romanschtschak: Wir haben natürlich unsere eigenen Entwicklungen, um die Effizienz weiter zu steigern, nutzen aber auch Ausgangsprodukte von Drittherstellern. Wenn wir über Wärmemanagement sprechen, dann sind unsere Produkte entsprechend ausgelegt, damit ein sicherer und langlebiger Betrieb garantiert wird.

Beispielsweise unsere neue LED-Retrofit-Lampe als Ersatz für eine 60-W-Glühlampe benötigt nur noch 10 W für einen Lichtstrom von 806 lm. Die 10 W kann man thermisch sehr gut abführen, selbst in der typischen Glühlampenform. Der Anwender muss sich also keine Gedanken machen, ob es zu thermischen Problemen kommen kann.

Bei Produkten etwa, die wir den Leuchtenherstellern anbieten, setzen wir auf unsere Light Engine, die nach dem Zhaga-Standard spezifiziert ist. Dort ist auch definiert, welche Temperaturen an welchen Punkten auftreten dürfen. Wir geben dem Kunden entsprechende Dokumentationen an die Hand, damit er ein ansprechendes und technisch richtiges Design entwickeln kann.

Elektronik: Aber so ganz unproblematisch ist das mit der Wärmeabfuhr ja nicht. Es gibt z.B. Hersteller, die für die Straßenbeleuchtung Leiterplatten mit Kupferkern anbieten, bei denen es nicht so sehr auf die elektrische Verbindung als vielmehr auf die Wärmeableitung ankommt.

Alexander Romanschtschak: Straßenbeleuchtung ist natürlich so etwas wie die Königsdisziplin für LEDs. Man braucht wirklich Leistung und sehr viel Lichtstrom. Da gibt es verschiedenste An-sätze, wie man das Wärmemanagement in den Griff bekommt. Dazu gehört neben guten Materialien auch ein gut angebundener und entsprechend dimensionierter Kühlkörper. Bei Leuchten im Innenbereich stößt man durchaus schnell auf Anforderungen und Grenzen, die nicht so einfach zu erfüllen bzw. überwinden sind. Da ist die Effizienzverbesserung von LEDs langfristig der richtige Weg, um die Wärmelast weiter zu verringern. Das bringt dann auch zusätzliche Vorteile für das Design und für die Akzeptanz der LED-Leuchten.

Elektronik: Auf der Light+Building hat Toshiba eine LED-Leuchte mit RGB-LED-Modulen gezeigt. Welche Idee steckt dahinter?

Alexander Romanschtschak: Das Konzept der RGB-Leuchte wurde in Japan entwickelt. An unserem Stand haben wir gezeigt, wie Licht das Wohlbefinden und die Stimmung des Menschen beeinflussen kann. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Leuchten der Zukunft. Eine Leuchte kann durch ein warmweißes Licht eine sehr angenehme Atmosphäre erzeugen. Wechselt man in den kaltweißen Bereich, aktiviert man den Menschen. Kurz: So lässt sich besser und konzentrierter arbeiten.

Weiterhin kann man die Leuchte von direktem Licht auf indirektes Licht umstellen, um eine entspannte Stimmung zu schaffen. Oder man kann ein bläuliches Licht erzeugen, bei dem sich der Mensch am Wohlsten fühlt. Genau diese psychologischen Aspekte sind in die Konstruktion der Leuchte eingeflossen. Ein interessantes Anwendungsgebiet wäre der Klinikalltag: Patienten, die den ganzen Tag im Zimmer liegen müssen, kann man den Tagesverlauf ins Zimmer bringen. Meiner Meinung nach werden genau diese weiterführenden Elemente, diese „Features", die mit LEDs sehr gut umzusetzen sind, in Zukunft immer wichtiger werden.