Elektronik-Interview mit Hy-Line »PCAPs lassen sich einfach am vielfältigsten einsetzen«

Deshalb kann Hy-Lines Service nicht einfach kopiert werden

Elektronik:  Mit dem Inhouse Finetuning wollen Sie sich von ihren Marktbegleitern differenzieren. Aber was hindert diese daran, Ihr Konzept im Erfolgsfall zu kopieren?

Rainer Konzelmann:  Zum einen benötigt man eine Lernphase von mehreren Jahren, um diesen Service anbieten zu können. Unsere Erfahrung mit PCAP-Touch-Sensoren beträgt mittlerweile acht Jahre, mit resistiven Sensoren sogar mehr als 15 Jahre. Zum anderen sind wir der Master-Distributor und bevorzugte Partner unseres Con­trol­ler-Herstellers EETI, mit dem wir seit 15 Jahren eine enge Kooperation unterhalten. Das Know-how für diesen Service gibt EETI nicht an andere heraus und hat auch kein Interesse daran, dieses Wissen öffentlich zu machen.

Elektronik:  Aber es gibt ja noch andere Controller-Hersteller, z.B. Atmel oder Cypress.

Rainer Konzelmann:  Diese Hersteller fokussieren sich nicht so sehr auf den Industriemarkt wie EETI, die nur Industrie-Touch-Controller herstellen. Soweit wir wissen, gibt es von anderen Controller-Anbietern auch keine Programme für einen entsprechenden Wissenstransfer an die Anwender. Es gibt zwar viele Dokumentationen, aus denen sich ein Anwender das Wissen herausfiltern könnte, aber das ist viel aufwändiger, als Schulungen durch den Hersteller zu bekommen.

Elektronik:  Einige Hersteller glauben nicht, dass sich OLED-Displays durchsetzen, und warten bereits auf die nächste Display-Generation. Tun Sie das auch?

Rudolf Sosnowsky:  Aus meiner Sicht ist die LCD-TFT-Technik noch lange nicht am Ende. Es wurden in der letzten Zeit neue Materialien entwickelt wie LTPS zur besseren Leitfähigkeit oder IGZO, um ITO abzulösen. Im Farbbereich tut sich einiges mit den Quantum Dots und jetzt geht gerade »High Dynamic Range« (HDR) durch aller Munde. All das zeigt, dass bei den TFTs das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Die OLEDs sind durch ihren hohen Kontrast sehr interessant, aber sie  altern selektiv, haben eine begrenzte Lebensdauer und sind sehr teuer. Für den Industriebereich, wo die Display-Größen typischerweise zwischen 7 und 24 Zoll liegen, hohe Lebenszeiten und überschaubare Kosten erwartet werden, haben wir es auch in Zukunft mit LCDs zu tun. Sie erhalten bei geringen Kosten große Bildschirme, die auch im erweiterten Temperaturbereich funktionieren.  Die OLED-Displays sind für den Endverbrauchermarkt interessant: Für Fernseher sowie für Smartphones und Wearables, für die kleine Bildschirme in hohen Stückzahlen produziert werden können.

 

Über die Interviewpartner

Rudolf Sosnowsky

schloss das Studium der Elek­trotechnik an der Hochschule in Darmstadt mit dem Diplom ab. Er arbeitete in der Entwicklung für Automobil-Elektronik und bei einem Hersteller von LCDs. Später wechselte er zu Hy-Line Computer Components und beschäftigt sich mit der Einführung neuer Technologien und der Auswahl von Lieferanten.

 

Jens Dorwarth

leitet seit 2006 die Abteilung E&C (Environment & Compliance) Distribution der Hy-Line- Firmengruppe und ist Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt & Compliance des FBDI. Er studierte Elektrotechnik sowie europäisches Umweltrecht und hat eine Ausbildung als Außenhandelskaufmann mit dem Schwerpunkt Import / Export von Elektronik. Mit seiner Erfahrung gilt er als Experte für die gesetzlichen Bestimmungen der Elektronikbranche.

 

Rainer Konzelmann

studierte nach seiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker Kommunikation und Softwaretechnik an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Er ist seit 2012 bei Hy-Line Computer Components als FAE beschäftigt und betreut Kunden in den Bereichen Chips, HDMI/DisplayPort-Messinstrumente sowie bei der PCAP-Integration und Firmware-Erstellung. 

 

Clemens Mache

studierte Betriebswirtschaftslehre an der TU Freiberg und der LMU München. Er arbeitet seit 2008 bei Hy-Line Computer Components und ist dort seit 2012 Produktmanager für Touchscreens. Hier hat er den Bereich PCAP mit dem Ziel aufgebaut, den Kompetenzbereich über das Maß des klassischen Distributors zu erweitern.