Fraunhofer LBF »Maker-Community« wird der Weg in die Photonik gebahnt

Adaptronische Systeme zur Ausregelung von Schwingungen werden bislang von großen und finanzstarken Unternehmen entwickelt - das soll sich durch das Projekt »Open Adaptronik« nun ändern.
Adaptronische Systeme zur Ausregelung von Schwingungen werden bislang von großen und finanzstarken Unternehmen entwickelt - das soll sich durch das Projekt »Open Adaptronik« nun ändern.

Die Bundesregierung fördert ein Projekt zum Aufbau einer deutschen »Maker-Community« für einen Teilbereich der Schlüsseltechnologie Photonik. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts erstellen dafür Konzepte, um teure Messtechnik auch für Einzelpersonen erschwinglich zu machen.

Neue Innovationspfade. Darum geht es beim Projekt »Open Adaptronik«. Der Bereich Adaptronik – ein Kofferwort aus adaptiv und Elektronik – umfasst tragende, mechanische Systeme mit aktiver Regelung zur Unterdrückung von störenden Einflüssen. Sie werden beispielsweise zur schwingungsarmen Lagerung von Fertigungsmaschinen genutzt oder auch als optische Bildstabilisatoren in Kameras.

Bei Adaptronik muss es nicht allein um die Ausregelung von störenden Schwingungen gehen, aberi »Open Adaptronik« zielt in der Hauptsache auf genau solche Systeme ab. Für die notwendige Analyse eines Schwingungsproblems, für das ein adaptronisches System entworfen und gefertigt wird, ist Messtechnik im Wert von mehreren tausend Euro nötig. Entsprechend sind die Brutkästen für Innovationen auf diesem Gebiet in der Regel nur die großen Wirtschaftsunternehmen und Forschungsinstitute. Und diese Barriere will das  Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt einreißen. Das Innovationspotenzial einer deutschen »Maker-Bewegung« soll über die Adaptronik in die Schlüsseltechnologie Photonik einziehen.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF) entwickeln dazu im Laufe des »Open Adaptronik«-Projekts Konzepte für kostengünstige Messtechnik zur Schwingungsanalyse, Open-Source Simulations-Software und eine Online-Plattform zum Wissensaustausch, über die die entwickelten Konzepte, die Software-Bibliotheken und Anleitungen zur Auslegung eines adaptronischen Systems veröffentlicht werden. Über die Plattform gibt es auch Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Sensoren und Aktoren, die für eine Privatperson oder ein kleines Unternehmen erschwinglich sind und bei der Auslegung von mechanischen Komponenten, die nicht nur innerhalb der nötigen Spezifikationen arbeiten, sondern auch preiseffizient in 3D-Druckern oder in öffentlich zugänglichen FabLabs hergestellt werden können.

Das BMBF unterstützt das Vorhaben finanziell im Rahmen der Fördermaßnahme »Open Photonik« für drei Jahre, das damit Teil der High-Tech-Strategie der Bundesregierung wird. Diese will anhand der Photonik ausloten, wie kleine Unternehmen und einzelne Bürger in den Innovationsprozess in Wissenschaft und Wirtschaft eingebunden werden können. Entsprechend fördert die Bundesregierung zunächst den Aufbau einer Maker-Community für die Entwicklung von Adaptronik für photonische Systeme.