Forschungsergebnisse vorgestellt Lichtverschmutzung reduzieren – aber wie?

So sollte eine Straßenbeleuchtung aussehen: Eine Full-cut-off-Leuchte mit warmer Lichtfarbe.
So sollte eine Straßenbeleuchtung aussehen: Eine Full-cut-off-Leuchte mit warmer Lichtfarbe.

Jährlich nimmt die Erhellung der Nachtlandschaften durch künstliche Beleuchtung global im Jahr um etwa zwei bis sechs Prozent zu – mit Auswirkungen auf Mensch und Natur. Wie es Kommunen gelingen kann, die Lichtverschmutzung zu reduzieren, beschreibt ein neuer Handlungsleitfaden.

Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Universität Münster haben gemeinsam einen neuen Leitfaden für den Kampf gegen Lichtverschmutzung veröffentlicht. Von Lichtverschmutzung spricht man, wenn künstliches Licht bei Nacht den Menschen und lichtsensitive Lebewesen negativ beeinflusst.

Konkrete Empfehlungen

Mit dem »Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung der Außenbeleuchtung« geben die Wissenschaftler Verantwortlichen in Kommunen sowie Licht-, Stadt- und Regionalplanern eine Entscheidungshilfe zur Neugestaltung und Umrüstung der Außenbeleuchtung an die Hand. Mit dem Dokument wollen die Forscher den bewussten Umgang mit künstlichem Licht aktiv fördern. Er enthält konkrete Handlungsempfehlungen und Praxistipps für Außenbeleuchtungen.

In der Einleitung des Handlungsleitfadens beschreiben die Autoren wie Lichtverschmutzung gemessen wird und geben Regelungen bekannt. Im Teil 2 folgen Erklärungen zu den Auswirkungen von künstlichem Licht auf Mensch und Tier. Es folgen im Teil 3 rechtliche Anforderungen, die gerade beim Planen von Außenbeleuchtungen für Mitarbeiter von Kommunen hilfreich sind. Mit klaren Handlungsempfehlungen wartet der Leitfaden im Teil 4 auf, beispielsweise wie die niedrigste Beleuchtungsklasse zu wählen ist oder wie eine zeitliche Beleuchtungssteuerung sinnvoll umzusetzen ist. Ebenso die Abstrahlungsgeometrie, Auswahl der richtigen Lichtfarbe sowie das Verhalten in Konfliktfällen sind Thema des Leitfadens.

Auswirkungen auf Mensch und Natur

»Etwa 30 Prozent der Wirbeltiere und sogar über 60 Prozent der Wirbellosen sind nachtaktiv und können von künstlichem Licht in der Nacht beeinträchtigt werden. Der Schutz der Nacht muss daher stärker als bisher als eine grundlegende Aufgabe des Natur- und Landschaftsschutzes begriffen werden«, sagt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des BfN.

Mangels expliziter Regelungen für Außenbeleuchtungen behandeln Firmen Industrienormen zur Beleuchtung in der Praxis oft wie Rechtsvorschriften. Vielfach überschreiten Kommunen oder Unternehmen sogar die Mindestanforderungen der technischen Normen, um eventuelle Schadensersatzansprüche – beispielsweise bei Verkehrsunfällen – auszuschließen und dem Vorwurf vorzubeugen, dass die Straßenbeleuchtung nicht dem Stand der Technik genügt. Das führt dazu, dass der Außenraum oft viel stärker beleuchtet wird als nötig, mit möglichen negativen Auswirkungen für Mensch und Natur. Jedoch kann es gelingen, die ökologischen Beeinträchtigungen von künstlicher Beleuchtung zu minimieren und dabei zugleich gesellschaftlichen Anforderungen wie Sicherheit und Ästhetik gerecht zu werden.

Blaues Licht besonders schädlich

Erstautorin Dr. Sibylle Schroer vom IGB nennt konkrete Lösungsbeispiele: Kommunen sollten Leuchten verwenden, welche kein Licht nach oben abstrahlen. Die Beleuchtungsstärke ist möglichst niedrig zu wählen und kaltweißes Licht mit einem hohen Blaulichtanteil zu vermeiden. Denn die innere Uhr, das sogenannte zirkadiane System, von höheren Wirbeltieren und Menschen reagiert auf blaues Licht besonders empfindlich. Ein Verwenden von warmweißem Licht kann die negativen Auswirkungen auf viele Organismen abmildern und wird von Menschen oft als angenehmer wahrgenommen. Das Einschränken von Lichtverschmutzung bringt weitere Vorteile etwa hinsichtlich Energieeinsparung und damit des Klimaschutzes sowie für die menschliche Gesundheit mit sich.