Qualcomm Einstieg bei Sharp perfekt

Der Chiphersteller Qualcomm wird beim hoch verschuldeten japanische Elektronik-Konzern Sharp investieren. Zusammen mit der Qualcomm-Tochter Pixtronix sollen Bildschirme der nächsten Generation entwickelt werden.

Qualcomm wird insgesamt bis zu 9,9 Milliarden Yen (rund 92,3 Mio Euro) investieren. Der Flachbild-TV-Pionier Sharp generiert fortlaufend hohe Verluste und musste bereits eine Warung herausgeben, dass die schlechte Finanzlage seinen Fortbestand gefährde. Die Rettung soll vor allem durch neue Displays mit IGZO-Technologie erfolgen (Indium Gallium Zinc Oxide), die zu einer besseren Bildqualität bei niedrigerer Leistungsaufnahme und dünneren Paneln führen soll.

In der Gen-8.5-Fabrik Kameyama II laufen bereits seit April 2012 die Bänder. Dabei handelt es sich um Panels mit Pixeltransistoren, deren Kanal aus einer Verbindung aus Indium Gallium und Zink besteht. Weil diese bis zu 50-mal besser leiten als TFTs aus herkömmlichem amorphen Silizium, liefern sie mehr Strom und können zugleich deutlich kompakter ausfallen. In der Folge bedecken sie viel weniger Fläche innerhalb der Pixel, was die Lichtdurchlässigkeit der Panels insgesamt erhöht, was für Mobilgeräte ideal ist. Wenn mehr Licht vom Backlight an die Displayoberfläche gelangt, spart das bei gleicher Leuchtdichte Energie, oder das Display kann bei gleichem Energiebedarf heller leuchten. Beim neuen iPad, das derzeit offenbar noch Panels mit herkömmlicher a-Si-Technik nutzt, liegt der Energiebedarf signifikant über dem des iPad 2 – trotz gleicher Diagonale, aber eben höherer Auflösung.

Auf seiner Webseite kündigt Sharp zunächst drei Panelvarianten mit IGZO-Technik an: Ein 10-Zoll-LCD mit 2560 × 1600 Pixeln (300 dpi) für Ultrabooks, ein 7-zölliges Panel mit 1280 × 800 Pixeln (217 dpi) für Tablets sowie ein deutlich größeres 32-Zoll-Panel mit 3840 × 2160 Pixeln (140 dpi, vierfach Full-HD), das für hochauflösende Monitore gedacht ist.

Ursprünglich hatte sich Sharp den Apple-Auftragsfertiger Foxconn als Partner ausgesucht. Geplant war, dass Foxconn respektive dessen Mutterkonzern Hon Hai rund 10 Prozent an Sharp übernehmen, und Hon Hais Gründer Terry Tai-Ming Gou rund 46 Prozent an der Sharp-Tochter SDP (Sharp Display Products Corp.) übernimmt. Doch die Gespräche stecken seit Monaten fest. Nach dem drastischen Kurseinbruch der Sharp-Aktie sind die ursprünglichen Konditionen nicht mehr zu halten. Nach der Vereinbarung von März wollte Hon Hai 550 Yen pro Aktie zahlen, was Sharp gut 66 Milliarden Yen (derzeit 623 Mio Euro) in die Kassen gespült hätte. Die Aktie notiert aber nur noch rund 170 Yen.