Vernetzte Beleuchtung Der Leuchtenhersteller wird zum Informationsprovider

Leuchten können deutlich mehr als nur leuchten. Hersteller werden sie zum Sensorhub weiterentwickeln.
Leuchten können deutlich mehr als nur leuchten: Auf der Agenda der Leuchtenhersteller steht die Integration von Sensorik, Rechenleistung und Datenschnittstellen.

Ein Pilotprojekt in Österreich zeigt, welche Informationen ein vernetztes Bürogebäude dem Mieter oder Vermieter bereitstellen kann. Noch sind die Sensoren extern der Leuchte montiert und die Daten werden in einem zentralen Rechner verarbeitet. Schon bald aber soll die Leuchte zum Sensorhub werden.

Unter einem Sensorhub versteht man eine zusätzliche Prozessor-Einheit (z.B. Mikrocontroller, Koprozessor oder digitaler Signalprozessor), die das Auslesen und Verarbeiten von verschiedenen Sensorsignalen übernimmt und damit den Hauptprozessor entlastet.

In einem Gebäude mit modernem Lichtmanagementsystem laufen die Daten von beispielsweise Präsenz-, Temperatur- oder CO2- Sensoren in der Regel in einem leistungsstarken, zentralen Rechner zusammen und werden dort verarbeitet, ausgewertet und gespeichert. Ein Beispiel dafür ist der Life Cycle Tower One (LCT) in Österreich. Das Bürogebäude wurde vor vier Jahren von der Rhomberg Group errichtet und ist nun die Heimat eines Pilotprojekts für vernetzte Beleuchtung. Gemeinsam haben Rhomberg, Bosch Software und der Leuchtenhersteller Zumtobel ein modernes Lichtmanagementsystem entwickelt und im LCT installiert. Bei der offiziellen Vorstellung des Projekts erklärt Dr. Thomas Knoop, Leiter der Abteilung Controls & Systems bei Zumtobel, dass die Sensordatenverarbeitung im nächsten Innovationsschritt in jeder Leuchte selbst geschehen werde. Die Leuchte wird also zum Sensorhub weiterentwickelt, in dem die Sensorik im Idealfall schon gleich mit integriert ist.

Bei der Zumtobel-Tochter Tridonic wird aktuell an der Integration von Präsenzsensoren gearbeitet, verrät der Produktmanager Matthias Burger: »Die Stromversorgung für die Sensoren ist in der Leuchte schon vorhanden. Es sind also keine zusätzlichen Kabel notwendig oder Sensoren mit einer Batterieversorgung, die irgendwann getauscht werden müssen«, sagt Burger. Außerdem sei mit DALI bereits eine Grundlage für die Kommunikation mit den Sensoren vorhanden, die zwar auf IP-Technik angepasst, aber nicht vollständig neu aufgesetzt werden müsse. Ein Innovationsbremse für vernetzte Beleuchtungssysteme sieht er allerdings in der mangelnden Beachtung der Middleware. Mit dem Übersetzen von KNX-Befehlen in DALI-Kommandos sei heute kein Geschäft zu machen, erklärt der Diplomkaufmann. Entsprechend gebe es auch wenig Bemühungen, die nötigen Schnittstellen für die Kommunikation zwischen Gebäudetechnik und den Sensoren in einer Leuchte zu entwickeln.

Neues Geschäftsmodell Informationsprovider

Bei der vernetzten Beleuchtung liegt laut Dr. Knoop der Innovationscharakter für den Leuchtenhersteller nicht primär in der technischen Entwicklung, sondern im Aufstellen eines funktionierenden Geschäftsmodells. Einen vielversprechenden Ansatz sehen die Österreicher im Bereitstellen von Informationen zur tatsächlichen Raumnutzung, die aus den installierten Präsenzsensoren gewonnen werden. Vermieter können bei einer hohen Nachfrage nach Geschäfts- oder Wohnraum beispielsweise Flächen ausmachen, die zwar vermietet, aber vom Vermieter real nicht genutzt werden und auf dieser Basis zusätzliche Mieter gewinnen.

Anders herum können beispielsweise gewerbliche Mieter selten genutzte Räume, beispielsweise Konferenzräume, zur anderweitigen Nutzung umbauen lassen oder ihre Mietfläche an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Auch das Aufstellen einer auf realer Nutzung basierende Raumreinigung wäre möglich – es wird nur noch dort geputzt, wo tatsächlich auch Menschen waren. »Die Bereitstellung von Informationen zur Raumnutzung stößt natürlich dort auf großes Interesse, wo die Mietpreise am höchsten sind«, erklärt Knoop. »Viele Projekte dieser Art führen wir zurzeit in London durch, die trotz Brexit noch immer europaweit die teuerste Stadt ist«.

Einfache Anpassung der Beleuchtung als Mehrwert

Eine vernetzte Beleuchtung in Bürogebäuden macht nur Sinn, wenn sie dem Gebäude einen Mehrwert verleiht. Für Zumtobel besteht dieser in der Einsparung von Beleuchtungskosten – beispielsweise durch die Kopplung von Helligkeitssensoren, Jalousien und Leuchten, um den Tageslichteinfall zu steigern und die Beleuchtung automatisch abzudimmen –, aber auch darin, dass die Beleuchtung deutlich einfacher an die Bedürfnisse der dort arbeitenden Personen angepasst werden kann.

»Mit einer vernetzten Beleuchtung möchten wir den Facility Manager in die Lage versetzen, Beleuchtungsszenen in einem Raum einfach zu verändern, ohne sich einige Stunden in die Funktionsweise des Beleuchtungssystems einarbeiten zu müssen«, fasst Dr. Christian Moormann, Leiter der Abteilung Technolgy Management & Standardization diesen Aspekt zusammen. Die größte Baustelle auf dem Weg zur Vernetzung sieht er in der Anbindung des Lichtmanagementsystems an die KNX-Gebäudetechnik.