HMI-Entwicklung AR und Sprachassistenten im Kommen

Prof. Karlheinz Blankenbach ist Vorsitzender im Konferenzbeirat der electronic displays Conference und Vorstandsmitglied des Deutschen Flachdisplay-Forums (DFF). Seit 1995 forscht und lehrt er an der Hochschule Pforzheim.
Prof. Karlheinz Blankenbach ist Vorsitzender im Konferenzbeirat der electronic displays Conference und Vorstandsmitglied des Deutschen Flachdisplay-Forums (DFF). Seit 1995 forscht und lehrt er an der Hochschule Pforzheim.

Augmented Reality und Sprachassisstenten werden bald auch im industriellen Bereich Einzug halten, meint der Vorsitzende des Deutschen Flachdisplay-Forums Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach. In vielen Bereichen sei mit Touch-Displays aber schon das optimale Eingabesystem gefunden.

Prof. Dr. Blankenbach, was treibt derzeit die technische Weiterentwicklung der HMIs?

Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach: Innovationen bei HMIs finden quasi in allen Bereichen der Hard- und Softwarekomponenten statt. Es gibt neben HMIs nur wenige Beispiele, bei denen das Nutzererlebnis so unmittelbar durch die oft zitierte Summe aller Einzelteile bestimmt wird. Beispielsweise bringt die beste HMI-Oberfläche mit einer Vielzahl von Animationen wenig, wenn ein LCD mit langer Schaltzeit verwendet wird oder der Hauptprozessor mit dem Bildschirmaufbau kaum nachkommt. Ebenso bringt die brillanteste Bildwiedergabe wenig, wenn die grafische Oberfläche des HMI wie aus den 1990-Jahren wirkt oder statt Touch-Bedienung ein Keypad mit mechanischen Tasten zum Einsatz kommt. Diese Liste lässt sich noch deutlich verlängern.

Welche Neuerungen erwarten Sie?

Blankenbach: Touchbedienungen mit haptischer Rückmeldung werden sicherlich verstärkt in professionelle Anwendungen integriert. Bei den Displays sehe ich ein zunehmendes Interesse an OLEDs, um einen echten Black-Panel Effekt zu erzielen. Das gilt besonders dann, wenn die Lebensdauer-Thematik gelöst ist.

Weitere Trends sind eine effizientere Visualisierung durch autostereoskopische 3D-Displays. Für viele Anwendungen wird die Spracheingabe analog zur Consumer Electronic eine effiziente Alternative zur Tastatureingabe werden. Im Bereich Toolchain zur HMI-Software-Entwicklung sehe ich eine verbesserte Unterstützung des HMI-Designers und Software-Entwicklers. Das alles funktioniert natürlich nur mit einer deutlich performanteren Hardware in Form von Mikroprozessoren und Grafikprozessoren. Hinzu kommen noch alle Anwendungsaspekte von AR, VR, MR, die an der Schwelle zu einem weitverbreiteten industriellen Einsatz stehen.

Wie sehen Sie die Touch- Ein­gabesysteme im Vergleich zu Sprachassistenten und AR-Systemen?

Blankenbach: Analog zum Durchbruch bei Touchscreens in der CE-Welt, maßgeblich bestimmt durch das erste Apple-iPhone, wird das bei Sprachassistenten und AR, VR, MR, um gleich alle Möglichkeiten aufzuzählen, ebenso passieren.
Allerdings wird es auch weiterhin viele Bereiche, z.B. in der Maschinen- und Anlagenbedienung geben, bei denen Touchscreens die optimale Lösung darstellen. Wenn wir Autos zu den professionellen Anwendungen eingruppieren, ist der Nutzen der Spracheingabe unbestritten. AR, VR, MR sehe ich für industrielle Anwendungen eher im Bereich Visualisierung wie in Konstruktion und Schulung, aber weniger im Sinne einer klassischen Dateneingabe und Bedienung.