Der Beginn der bemannten Raumfahrt Zwei kleine Affen auf großer Mission

Rhesusäffchen Able wird nach seinem erfolgreichen Ausflug ins All wohlbehalten aus seiner Kapsel geborgen.
Rhesusäffchen Able wird nach seinem erfolgreichen Ausflug ins All wohlbehalten aus seiner Kapsel geborgen.

Zwei Jahre vor Juri Gagarin waren Miss Able und Miss Baker im All. Die zwei Affen überlebten einen rund 15-minütigen Flug und lieferten der Forschung damit wichtige Daten. Heute fliegen noch immer ab und zu Tiere ins All.

An einem Grabstein am Eingang des Raumfahrtzentrums in Huntsville im US-Bundesstaat Alabama finden sich immer mal wieder Bananen. »Da liegt oft eine Banane, oder auch zwei«, sagte Ed Buckbee, ein früherer Leiter des Zentrums, dem US-Radiosender NPR. »Dann wissen wir, dass jemand vorbeigekommen ist, der vielleicht die Geschichte gehört hat, und etwas zum Andenken dalassen wollte, so wie man auf dem Grab eines Menschen Blumen hinterlässt.« Die Inschrift auf dem Grabstein lautet: »Miss Baker, Totenkopfaffe, erstes US-Tier, das ins All geflogen und lebend wieder zurückgekommen ist.«

Gemeinsam mit Able, einer Rhesusaffen-Dame, war Baker am Dienstag (28. Mai) vor 60 Jahren von der US-Raumfahrtbehörde Nasa mit einer Jupiter-Rakete etwa 580 Kilometer ins All geschossen worden. Nach einem 15-minütigen Weltraumflug, davon rund neun Minuten in der Schwerelosigkeit, wurden sie lebend in der Nähe der Karibikinsel Antigua geborgen. Baker und Able waren die ersten beiden Tiere, die von den USA ins All geschickt worden waren und den Flug überlebt hatten. Ihre Aufgabe: Stellvertretend für die Menschheit die damals noch weitgehend unbekannten Auswirkungen der Schwerelosigkeit testen.

Baker stammte aus Peru und war über einen Haustierladen in Florida zur Nasa gekommen, Able war im US-Bundesstaat Kansas geboren. An ihrem großen Tag wurden die beiden etwa katzengroßen Tiere in der Spitze der Rakete festgeschnallt, verkabelt und vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus in den Weltraum geschossen. Ein Boot der US-Marine fischte die beiden Affen-Astronauten dann aus dem Meer und funkte: »Able, Baker perfekt. Keine Verletzungen oder anderen Schwierigkeiten.«

Baker sei ganz einfach zu halten gewesen, erinnerte sich der Kapitän des Marinebootes, Joseph Guion, später. »Sie war wie eine kleine Puppe. Aber Able war genau das Gegenteil. Man konnte sich ihr nicht nähern.« Die unversehrten Affen werden zu Stars, erscheinen auf Pressekonferenzen und Magazintitelseiten. Viele Raumfahrtwissenschaftler sind begeistert, Tierschützer empört.

Able stirbt wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus dem All, weil sich eine unter ihrer Haut eingepflanzte Elektrode entzündet. Eine Operation in einer Klinik überlebt das Affenweibchen nicht. Ausgestopft erinnert Able bis heute im Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington an den historischen Raumflug, festgezurrt in eben jener Röhre, in der sie vor 60 Jahren ins All flog. Baker lebt dagegen noch 25 Jahre weiter, wird sogar ins Weiße Haus eingeladen und bekommt wäschekörbeweise Fanpost. 1984 stirbt sie, mit 27 Jahren, an Nierenversagen. Zu ihrer Beerdigung am Raumfahrtzentrum in Alabama kommen mehr als 300 Menschen.

In der Anfangsphase der Raumfahrt spielten Tierversuche eine ganz zentrale Rolle – und Able und Baker waren nicht die ersten. Schon zwei Jahre zuvor hatte die Sowjetunion die Mischlingshündin Laika ins All geschickt, sie starb allerdings schon nach wenigen Stunden. Bis 1962 schickte die Sowjetunion insgesamt 29 Hunde bis an die Grenzen des Weltraums, neben Laika starben 17 weitere. Es folgten Katzen, Mäuse, Insekten, Mikroben, Pflanzen und Schildkröten. Die Amerikaner schickten unterdessen Fruchtfliegen, Affen und Mäuse. Auch Kaninchen, Quallen und Spinnen flogen ins All – und letztere sponnen in der Schwerelosigkeit erfolgreich Netze. Auf der Internationalen Raumstation ISS waren unter anderem schon Würmer, Schmetterlinge und Frösche zu Gast.

All die kosmischen Tierversuche lieferten Daten für die bemannte Raumfahrt. »Die Tiere haben ihren Ländern Dienste erwiesen, die kein Mensch übernommen hätte«, heißt es bei der Nasa. Immer wieder gab es aber auch heftige Proteste von Tierschützern. Heute sind Tiere im All seltener geworden und die Sorge über ihr Wohlergehen größer. »Es gibt so wenig Flugmöglichkeiten für eine Mission mit Tieren, dass das Forschungsprojekt schon ziemlich wichtig sein muss, um einen Platz zu bekommen«, sagt Laura Lewis von der Nasa. »Und wenn sie mitreisen, dann ist ihr Wohlergehen ein zentraler Punkt.«