Personalmanagement Zukunft gemeinsam entwickeln

Leben ist Veränderung – das gilt auch für das Arbeitsleben. Was wollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Was erwarten sie? Wie sich die Anforderungen in der Arbeitswelt der Elektronikbranche verändern, beantwortet Angelika Blaschak, Vice President Human Resources Avnet EMEA.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei Ihrer täglichen Arbeit im Bereich Human Resources? Welche Veränderungen gab und gibt es in Ihrer Tätigkeit?
Angelika Blaschak: Das Rollenbild der Personaler hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Unsere Aufgaben sind vielfältiger geworden und Aspekte wie Employer Branding rücken in den Mittelpunkt. Für die Unternehmen heißt das, sie müssen sich mehr denn je als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Nicht nur monetäre Aspekte machen heutzutage einen Arbeitgeber interessant. Stattdessen spielen flexible Arbeitszeiten, betriebliche Zusatzleistungen, Schulungen und Entwicklungsmöglichkeiten eine immer wichtigere Rolle.

Wenn man eine Hitliste erstellt, worauf Kandidaten heute wertlegen, dann stehen flexible Arbeitszeiten ganz oben. Auf Platz 2 kommt die Frage nach Entwicklungsmöglichkeiten vor allem in horizontaler Richtung – das heißt, nicht nur der Aufstieg in der Hierarchie ist Bewerbern wichtig, sondern wie sie sich in ihrem Bereich und darüber hinaus entwickeln können. Top 3 ist dann wieder ein Klassiker – Trainings und Schulungen. Internationale Zusammenarbeit oder Einsatzmöglichkeiten sind weitere Punkte, die Arbeitnehmer nachfragen.

Wir haben in den letzten Jahren stark an diesen für Arbeitnehmer wichtigen Entscheidungskriterien gearbeitet und entsprechend investiert. Neben verschiedenen Sozialleistungen wie private Zusatzkrankenversicherung oder betriebliche Altersvorsorge haben wir flexible Arbeitszeiten sowie Teilzeit- und Mobile-Working-Konzepte etabliert. Mit unseren flachen Hierarchie-Strukturen können wir auch gerade bei den horizontalen Entwicklungsmöglichkeiten einiges bieten.

Welche Arbeitnehmerprofile, das heißt welche Fertigkeiten und Fähigkeiten, sind für Ihr Unternehmen entscheidend?
Angelika Blaschak: Eine unserer Leitlinien lautet „Avnet – a culture of diversity”. Wir sind global, multikulturell, vielfältig und vielseitig – und das sind auch unsere Mitarbeiter. Als Distributor sind wir dennoch stark im Vertriebs- und Ingenieurbereich angesiedelt. Ingenieure bei uns brauchen neben der technischen Detailkompetenz auch sehr viel kommerzielles Verständnis. Sie müssen die Märkte der Kunden verstehen, um die richtige Empfehlung abgeben zu können. So setzen wir bei FAEs (Field Application Engineers) und technischer Kompetenz zum einen auf Berufserfah­rene, die basierend auf ihrer Erfahrung die Kunden umfangreich beraten können. Zum anderen interessieren wir uns für Absolventen, die ihr Know-how beispielsweise in unseren Teams zur Neukunden-Gewinnung einsetzen.

Avnet besteht aber nicht nur aus Vertriebsleuten und Ingenieuren, sondern bietet Auszubildenden, dualen Studenten, Berufseinsteigern, aber auch Quereinsteigern ein globales Arbeitsumfeld.

Generell erwarten wir von unseren Mitarbeitern eigenständiges Arbeiten und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Unsere Branche ist geprägt von ständigem Wandel und kontinuierlicher Modernisierung der Technologie. Das spiegelt sich auch in unserem Arbeitsumfeld wieder. Ein Beispiel ist, dass wir unsere Business-Bereiche „Speedboats“ nennen. Warum? Weil wir jeden Tag in unserem gesamten Tun eine hohe Geschwindigkeit sowie die ständige Bereitschaft leben, uns Neuem anzupassen. Dementsprechend suchen wir Kollegen, die offen und bereit sind, auch mal die „Extra Mile“ gemeinsam mit uns zu gehen.

Fachkräftemangel ist ein ewiges Thema. Wie sehen Sie die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt?
Angelika Blaschak: Natürlich ist Fachkräftemangel nach wie vor ein Thema, denn das Elektrotechnikstudium ist sehr hart im Vergleich zu anderen Disziplinen. Zwar sind die Millen­nials mit ihrem Smartphone geradezu verwachsen, für sie zählen Apps jedoch mehr als die Elektronik im Inneren. Der demografische und strukturelle Wandel in Deutschland sorgt zudem dafür, dass viele qualifizierte Fachkräfte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden.

Die Branche hat inzwischen reagiert und investiert massiv in Programme, die Unternehmen als Arbeitgeber interessant und attraktiv machen. Neben entsprechenden Vergütungsaspekten sind die bereits aufgeführten Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance wie flexible Arbeitszeiten, Teilzeitkonzepte, betrieb­liche Zusatzleistungen und Entwicklungsmöglichkeiten das Resultat. Mit diversen Universitätsprogrammen wie Stipendien, Kooperationen zwischen Unternehmen und Universitäten wird zusätzlich Unterstützung geleistet.

Auch bundesweite Initiativen wie der Girls‘ Day helfen langfristig dabei, Frauen für technische Berufe zu gewinnen. In der Tat sehe ich in der Motivierung von Frauen für technische Berufe den möglicherweise größten Hebel, um den Fachkräftemangel zu lindern. Natürlich werden wir den Fachkräftemangel in unsere Branche nicht alleine mit Aktionen wie dem Girls‘ Day ändern. Aber wenn auch nur einige Teilnehmerinnen später einen technischen Beruf ergreifen, die das sonst nicht getan hätten, haben sich solche Initiativen schon gelohnt.

Weiterbildung, Trainings und Weiterentwicklung stehen auch im Fokus, wenn sich Bewerber für ein Unternehmen interessieren? Ein wesentliches Entscheidungskriterium für viele. Was bietet Avnet?
Angelika Blaschak: In Europa verfügt Avnet über mehr als 100 Niederlassungen in mehr als 27 Ländern. Mit unseren verschiedenen, selbststän­digen Geschäftsbereichen und unternehmensübergreifenden Abteilungen bieten wir ein breites Arbeitsumfeld, das diverse Einsatz- und Karrierechancen ermöglicht. Ob im Halbleiterbereich bei EBV Elektronik und Avnet Silica oder bei Avnet Abacus im IP&E-Bereich oder übergreifend als Supply-Chain-Experten, Logistikfachleute oder in den Abteilungen von HR, IT und Marketing: Die Möglichkeiten für eine Karriere bei Avnet sind vielfältig.

Unabhängig von der traditionellen vertikalen Karriere sehen wir in den letzten Jahren einen deutlichen horizontalen Trend. Dem Streben z. B. nach »wann werde ich Teamleiter« und »wann Chef« steht vermehrt das Streben nach horizontaler Weiterentwicklung, wie Kompetenzausbau und Vertiefung von Fertigkeiten gegenüber. Wir profitieren davon, da wir eine eher flache Hierarchie-Struktur verfolgen. Unser Ziel ist es, unsere Mitarbeiter zu entwickeln und zu fördern. Daher stellen wir sicher, dass unsere Mitarbeiter Zugriff auf alle Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen haben, die sie benötigen, um erfolgreich in ihren Funktionen zu agieren.

Um den Nachwuchs für Elektronik zu begeistern und Young Profes­sionals anzusprechen, präsentiert sich Avnet im November auf der Electronica Experience in Halle C6 des Münchner Messegeländes. Was ist geplant?
Angelika Blaschak:
Avnet ist ein interessanter Arbeitgeber, für viele aber noch ein unbekannter Riese im Markt. Somit nutzen wir die Electronica Experience für unser Employer Branding. Wir haben im Rahmen der Electronica Experience einen Stand einschließlich Demofläche, auf der wir Technik zeigen und erlebbar machen. Beispielsweise eignet sich das Anwendungsgebiet Robotik gut, Technologie zu begreifen, weil es bereits viele Anwendungsfälle gibt, die nicht so abstrakt sind wie beim IoT, wo Use-Case-Theorien noch dominieren.

 

 

 

Angelika Blaschak
beschreibt sich als leidenschafliche Personalerin, die nahe am Busines ist und Veränderungen aktiv mitgestaltet und begleitet. Die 48-jährige hat Betriebswirtschaftslehre studiert. Seit 2002 ist sie durchgehend im Bereich Human Resources tätig – in den Branchen Tourismus, produzierendes Gewerbe sowie Distribution. Aktuell arbeitet sie als Vice President Human Resources bei Avnet EMEA.