Studie zu Business Angels Zeig mir wie du twitterst, und ich sag dir wie du investierst

Investoren mit einem technischen oder naturwissenschaftlichen Hintergrund gehen lieber nur ein kleines Risiko ein und schließen sich häufiger mit anderen Geldgebern zusammen.
Investoren mit einem technischen oder naturwissenschaftlichen Hintergrund gehen lieber nur ein kleines Risiko ein und schließen sich häufiger mit anderen Geldgebern zusammen.

Wissenschaftler an der Uni Trier haben das Verhalten von Erstinvestoren von Start-ups, so genannte Business Angel, untersucht. Dazu analysierten sie die Tweets der Buseiness Angels und verglichen sie mit ihrem Investitionsentscheidungen.

Viele Gründer sind auf die finanzielle Unterstützung von sogenannten Business Angels angewiesen, die sich nicht nur mit dem nötigen Startkapital sondern auch ihrem wirtschaftlichen Know-How unterstützen. Diese Erstinvestoren tragen dabei ein hohes Risiko, denn im Schnitt schaffen es nur 3 von 10 Start-ups sich erfolgreich zu etablieren. Manche Erstinvestoren schließen sich zu so genannten Syndikaten zusammen um das Risiko, und die Geldbeträge, auf mehrere Bankkonten zu verteilen. Das ist vorteilhaft für die Start-ups, da die Investitionsbeträge von Syndikaten im Schnitt höher sind als von Einzelinvestoren.

Doch nicht alle Business Angel sind bereit einem Syndikat beizutreten, meist aus persönlichen Gründen, denn zwischen den Partnern kann es zu Reibereien kommen. Ein Team um Professor Jörn Block an der Uni Trier hat die Investitionen von knapp 1.400 Business Angels ausgewertet und diese mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen verglichen. Wie die Business Angel ticken, analysierten die Wissenschaftler anhand deren Twitter-Accounts.

Die Twitter-Nachrichten wurden mit Hilfe einer Sprachanalyse-Software ausgewertet und fünf Merkmalen zugeordnet: Offenheit, Extroversion, Pflichtbewusstsein, Verträglichkeit mit Anderen, emotionale Labilität. Anschließend verglich das Team um Professor Brock die getätigten Investitionen mit den Persönlichkeitsmerkmalen der einzelnen Angel Investoren – und fanden einige voraussehbare aber auch überraschende Überschneidungen. Wie bei jeder Studie ist auch hier zu bedenken, dass eine Korrelation keine Kausalität bedeutet.

Nach den Erkenntnissen der Forscher sind es die extrovertierten Typen, mit vielen Followern und Tweets, die stärker dazu neigen, mit weiteren Partnern zu investieren. Introvertierte, pflichtbewusste und selbstsichere Menschen bevorzugen dagegen Solo-Investments. Darüber hinaus scheint die Syndizierung deutlich häufiger bei Business Angels zu sein, die jünger, US-amerikanischer Herkunft sind oder promoviert haben. Darüber hinaus zeigen die Daten, dass die Syndizierung häufiger bei Unternehmen mit einer höheren Anzahl von Gründern und bei Unternehmen im Seed-stadium stattfindet. Auch Investoren aus Länder mit einer großen Machtdistanz (wie etwa China) oder einem hohen Niveau an Individualismus (Bsp.: USA) neigen weniger dazu, sich einem Syndikat anzuschließen, während höhere Werte der Männlichkeit (Bsp.: Deutschland) die Wahrscheinlichkeit einer Syndizierung erhöhen. Auch neigen Business Angels die bereits häufiger investiert haben dazu, sich mit anderen zusammenzuschließen.

Generell scheint die Syndizierung eher für Investitionen geeignet zu sein, bei denen das Zielunternehmen bereits Geld gesammelt hat, mehr Mitarbeiter und Gründer hat, jünger ist und in den USA ansässig ist. Im Gegensatz dazu ist die Syndizierung für Unternehmen mit Sitz in Europa weniger wahrscheinlich

Da es für ein neu gegründetes Unternehmen Sinn macht, auch nach einem passenden Investor zu suchen, kann es also hilfreich sein, sich einmal die Twitter-Nachrichten anzusehen, Denn auch die Chemie zwischen Gründer und Business Angel sollte stimmen.