Volkswagenstiftung finanziert Forschung Wie menschlich dürfen Roboter sein?

Künstliche Intelligenz ethisch hinterfragt: Darf ein Roboter menschlich wirken?
Künstliche Intelligenz ethisch hinterfragt: Darf ein Roboter menschlich wirken?

Welche Auswirkungen hat künstliche Intelligenz auf die Gesellschaft von morgen? Welche Regulierung muss es für technologische Innovationen geben? Dieser Frage sollen Projekte nachgehen, die von der Volkswagenstiftung finanziert werden.

Man kann sich einmal den Spaß machen, in Google den Suchbegriff »künstliche Intelligenz« (KI) einzugeben. Ganze 31 Millionen Treffer vermeldet die Suchmaschine zu diesem Begriff. Eine Einschränkung nur auf Nachrichten zu diesem Thema listet immer noch 1,4 Millionen Meldungen auf. Allein die Vielfalt der Überschriften für die ersten Treffer spiegelt die Bedeutung der KI gut wider: Künstliche Intelligenz »killt nicht zwingend Arbeitsplätze«, »verändert alles«, »hilft Krankheiten zu bekämpfen« und »darf nie Selbstzweck sein« – so oder so ähnlich formuliert – ist dort zu lesen.

»Nicht alle technischen Möglichkeiten zulassen«

Kein Wunder, dass KI und Robotik derzeit in aller Munde sind. Den technischen Fortschritten stehen allerdings viele ethische und auch rechtliche Fragen gegenüber. Um diese zu klären, hat die Volkswagenstiftung vor einiger Zeit die Förderlinie »Künstliche Intelligenz – Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen« ins Leben gerufen. Rechtswissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) waren dabei jetzt mit ihrem Antrag erfolgreich. Für ihr Projekt erhalten sie für den Zeitraum von einem Jahr 150.000 Euro.

»Contextualizing Robot Behavior – Should Robots become Human Again?«: So lautet der Titel des Würzburger Forschungsprojekts. Die Leitung hat Professor Eric Hilgendorf, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht und Strafprozessrecht, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der JMU und Gründer der Forschungsstelle Robotrecht. »Fest steht, dass nicht alles zulässig sein darf, was technisch möglich ist. Andererseits wäre es voreilig, die oft populistisch formulierten Bedenken ohne Weiteres unkritisch zu übernehmen und Regulierungen anzustreben, die ohne Grund Innovation hemmen oder gar verhindern«, sagt Hilgendorf.

Ob und wie sich Befürchtungen möglicherweise auflösen lassen, sodass alle Seiten zufrieden sein können, wollen Hilgendorf und sein Team jetzt untersuchen. Mit von der Partie sind Forschergruppen der Hebrew University in Jerusalem und der Technischen Universität Wien sowie der Informatiker und Robotik-Experte Professor Klaus Schilling von der JMU. Das neue Würzburger Projekt soll außerdem von den Kontakten der Würzburgern nach Ostasien in Länder wie China, Japan und Südkorea profitieren. Für den Sommer ist eine größere Tagung zum Thema in Würzburg geplant.

Neue Sichtweisen

Die Laufzeit von einem Jahr bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Forschungsprojekt dann auch beendet ist. Das Angebot der Volkswagenstiftung sieht vor, dass die jeweiligen Gruppen für die längerfristige Bearbeitung ihrer Themen einen Folgeantrag stellen können. Dann beträgt die Fördersumme maximal 1,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von bis zu vier Jahren. Ob die Würzburger Gruppe diesen Schritt gehen wird, entscheidet sich nach Hilgendorfs Worten im Herbst 2020.

Die Anforderungen der Volkswagenstiftung an das Projekt sind klar: Neuartige Projektkonstellationen und interdisziplinäre Zusammenarbeit in einem wissenschaftlich wie gesellschaftlich hoch relevanten und aktuellen Themenfeld sollen »durch die entsprechenden Perspektivenwechsel zu neuen Sichtweisen und Lösungsansätzen« führen, wie es auf der Homepage der Stiftung heißt.

Eric Hilgendorf leitet nicht nur die Würzburger Forschungsstelle Robotrecht. Er ist außerdem Mitglied der »EU High Level Expert Group on AI« und einer der Direktoren am neuen bayerischen Forschungsinstitut für digitale Transformation (bidt) in München. Zusammen mit dem früheren Kulturstaatsminister Professor Julian Nida-Rümelin betreut er dort mehrere Projekte zum Themenfeld künstliche Intelligenz, Ethik, und Recht.