Mit Schnelltest zum Weltmeistertitel Studententeam bringt Krebs zum Leuchten

Die Teilnehmer von iCAN 2019 beim Finale in Berlin. Nächstes Jahr findet das Finale in Nanjing statt.

Ein Studententeam der TU München belegte mit »Heatshocker« den 1. Platz beim internationalen Mikrosystemtechnik-Wettbewerb iCAN. Zum 10. Mal in Folge holte sich damit ein deutsches Studententeam den Weltmeistertitel in der Mikrosystemtechnik.

Der Schnelltest »Heatshocker« detektiert Biomarkern im Blutplasma und liefert im Gegensatz zu herkömmlichen Tests innerhalb kurzer Zeit Ergebnisse, ob die Therapie bei einem Krebspatienten anschlägt. Das Team aus sieben Studierenden der Elektro- und Informationstechnik (Martin Aicher, Johann Brenner, Philip Dachs, Magdalena Frey, Maximilian Haase, Michael Heiß und Daniel Milz) und einem Studierenden der BWL (Jan Hendrik Heihoff) setzte sich mit ihrer Erfindung gegen 18 weitere Studententeams aus China, Taiwan, Thailand, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Japan, Hongkong, UK, Polen und Belgien durch.

Das lange Warten hat ein Ende

Allein in Deutschland erkrankt jede Minute ein Mensch an Krebs. Die Diagnose ist für die Betroffenen ein Schicksalsschlag. Nach der Hiobsbotschaft folgt meist eine langwierige Therapie, die mit ständigen Verlaufskontrollen der Krankheit einhergeht.

»Das tagelange Warten auf das Ergebnis, ob und wie gut die Therapie anschlägt oder ob der Krebs zurückkehrt, belastet die Patienten psychisch stark. Unser handliches Gerät liefert innerhalb von wenigen Minuten Ergebnisse. Dafür wird lediglich eine kleine Blutprobe benötigt«, erklären die Gewinner. Dadurch könnten unabhängig von großen Laboren Untersuchungen auch in kleineren, patientennahen Arztpraxen durchgeführt werden.

»Da es sich um ein Point-of-Care Device handelt, eignet es sich auch für die Anwendung in Entwicklungsländern. In einem mikrofluidischen Workflow wird mit Hilfe von Silizium-Photomultipliern eine Sensitivität erreicht, die eine Detektion der Marker im klinischen relevanten Konzentrationsbereich in wenigen Minuten erlaubt«, erklären das Gewinnerteam.

Drink Mate: Platz 2 geht an Team aus Freiburg

Platz 2 holte sich – wie im Vorjahr auch – Studierende des Masterstudiengangs Mikrosystemtechnik von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Anne, Kutsch, Kathrin König, Tim Cammerer und Valentin Czisch entwickelten den Drink Mate, einen intelligenten Untersetzer für Trinkgefäße, der den Füllstand erkennt und die Sensordaten an einen Empfänger sendet.

Via Computer oder Smartphone kann der Nutzer von Drink Mate diese Daten auswerten. Das System funktioniert energieautark, keine Batterie oder Netzkabel stört den Einsatz. »Unser Drink Mate erleichtert den täglichen Umgang mit dem eigenen Wasserhaushalt und hilft damit dem Anwender, einen gesunden Lebensstil zu führen«, erklärt das Team.

So kommt Ihr zu iCAN 2020

Der Wettbewerb iCAN ist eine chinesische Initiative, die bereits zum zehnten Mal ausgerichtet wurde. Für die Teilnahme am Wettbewerb müssen die Studententeams mit einem funktionstüchtigen Prototypen den praktischen Nutzen von mikrosystemtechnischen Sensoren und Aktoren für Anwendungen des Alltags zeigen. Als Teilnahmevorentscheid dienen nationale Wettbewerbe – in Deutschland der Wettbewerb COSIMA, der vom VDE mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) betreut wird.

Auch in diesem Jahr besteht die Möglichkeit, an COSIMA teilzunehmen und sich damit für iCAN 2020 in Nanjing zu qualifizieren. »Jedes Jahr räumen die deutschen Teams ab und belegen die vorderen Plätze. Das zeigt, dass die Ausbildung in der Mikrosystemtechnik in Deutschland zu den besten der Welt gehört«, freut sich Dr. Ronald Schnabel, Geschäftsführer von VDE/VDI-GMM und Organisator von COSIMA.

Nach Xiamen 2010, Beijing 2011 und 2012, Barcelona 2013, Sendai 2014, Alaska 2015, Paris 2016, Beijing 2017 und Hongkong 2018 traf sich die internationale Elite der Mikrosystemtechnikstudenten in diesem Jahr in Berlin.