Fahrerloses Transportsystem im Test Roboter Hubert erkundet Logistikzentrum

Christoph Allmacher, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Werkzeugmaschinenkonstruktion und Umformtechnik der TU Chemnitz, testet in einem Logistik-Umfeld das fahrerlose Transportsystem.
Christoph Allmacher, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Werkzeugmaschinenkonstruktion und Umformtechnik der TU Chemnitz, testet in einem Logistik-Umfeld das fahrerlose Transportsystem.

Die Technische Universität Chemnitz hat im Rahmen eines Forschungsprojekts gemeinsam mit drei deutschen Unternehmen ein fahrerloses Transportsystem entwickelt. Die Testläufe dazu finden in einem Logistikzentrum statt und gehen nun in die heiße Phase.

„Hubert“ – so heißt das kleine, vierrädrige Gefährt, das wie ein Wagen aussieht und dafür konzipiert ist, Mitarbeiter in einer Logistik zu entlasten und ihnen unnötige Wege abzunehmen. Der Prototyp des fahrerlosen Transportsystems wurde in einem dreijährigen Forschungsprojekt in Kooperation mit der Sick AG aus Waldkirch, der iFD GmbH aus Chemnitz und der Livingsolids GmbH aus Magdeburg entwickelt. Während der Testphase stellt Komsa in Hartmannsdorf sein neues Logistikzentrum als Testumgebung zur Verfügung. 

In mehreren eintägigen Testläufen hat Hubert in den vergangenen Wochen bereits die Komsa -Logistik erkundet. Dabei musste sich der Roboter nicht nur an die Umgebung gewöhnen, sondern zugleich lernen, auch auf dynamische Hindernisse, also Menschen, die sich in der Logistikhalle aufhalten und bewegen, zu achten und entsprechend seine Position zu wechseln.

3D-Sensor erkennt den Menschen

Was Hubert von bisherigen Entwicklungen unterscheidet: Ein 3D-Sensor erkennt den Menschen und ermöglicht eine Kollaboration über den üblichen autonomen Fahrmodus hinaus. Das macht den Einsatz in Umgebungen, in denen sich Menschen aufhalten, nicht bloß möglich, sondern wünschenswert. »Der Wagen wurde bewusst für die Zusammenarbeit mit Menschen konzipiert«, erklärt Christoph Allmacher von der Professur Werkzeugmaschinenkonstruktion und Umformtechnik der TU Chemnitz, der das Forschungsprojekt in seiner Schlussphase hauptverantwortlich betreut. 

 

Ziel ist, die Einsetzbarkeit des entwickelten fahrerlosen Transportsystems im industriellen Umfeld zu prüfen. Auf der Grundlage der Testergebnisse könnte ein Hersteller von Logistiksystemen dann nach Abschluss des Forschungsprojekts eine Serienproduktion starten und Hubert weltweit zum Einsatz bringen, um Logistikabläufe zu optimieren. Komsa wurde jüngst mit dem Deutschen Logistik-Preis der Bundesvereinigung Logistik und dem Europäischen Logistik-Preis der European Logistics Association ausgezeichnet. »Die Komsa -Logistik ist auf einen guten Mix manueller und automatisierter Abläufe ausgelegt, ist dadurch hochdynamisch und zugleich aufgrund unterschiedlicher Kartongrößen und Auftragsvolumen sehr komplex. Das sind die besten Voraussetzungen, um unter realen Bedingungen zu testen,« sagt Allmacher.

Hubert packt an

In der Komsa -Logistik werden verschiedene Szenarien getestet. So soll das Transportsystem autonom leere Kartons zu einem der Logistik-Mitarbeiter bringen und ihm dadurch Zeit für andere Aufgaben verschaffen. Während des Packvorgangs soll Hubert dem Mitarbeiter, der die Kartons mit Artikeln bestückt, folgen. Sind alle Kartons gepackt, fährt der beladene Wagen eigenständig zur Packstrecke. 

»Klassischerweise legen Mitarbeiter in einem Lager am Tag viele Kilometer zurück«, erklärt Komsa -Produktionsvorstand Sven Mohaupt. Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung der Logistik hat Komsa in den vergangenen Jahren bereits viel dafür getan, Mitarbeiter hier zu entlasten und ihnen Wege abzunehmen. »Der autonome Wagen, den wir jetzt testen, könnte eine weitere Arbeitserleichterung sein und uns zugleich dabei helfen, unsere Logistikleistungen noch schneller und flexibler aufzustellen.« Denn das Unternehmen beliefert sowohl kleine Händler als auch große Märkte, Unternehmen oder Privatkunden. Unterschiedliche Auftragsvolumen kommen so zustande. Jeder Kunde benötigt die Waren, die er bestellt, in der Regel in möglichst kurzer Zeit.

Am 30. Juni 2019 endet das Forschungsprojekt nach einer Laufzeit von drei Jahren. Es wurde mit rund 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.