Berufswahl Perspektive Messtechnik

Arbeiten in der Messtechnik-Branche: Für wen ist das interessant? Welche Möglichkeiten gibt es?
Arbeiten in der Messtechnik-Branche: Für wen ist das interessant? Welche Möglichkeiten gibt es?

Die Messtechnik eröffnet Berufsanfängern ein abwechlungsreiches Arbeitsumfeld – und zwar nicht nur in Deutschland. Rahman Jamal von National Instruments sieht darüber hinaus die Chance, als Ingenieur Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ausüben zu können. Ein Kommentar.

Die Relevanz der Messtechnik entlang der Wertschöpfungskette ist unumstritten. Denn gemessen und getestet wird immer, sei es in der Designphase, der Entwicklung oder Produktion – Tendenz steigend. Richtigen Rückenwind gewinnt die Mess- und Prüftechnik durch das Internet der Dinge. Denn im IoT geht es letztlich darum, die Flut an Daten, die von der physikalischen Welt geliefert werden, zu sammeln, zu filtern, auszuwerten und zu verwalten. Dabei muss die Messtechnik die Daten nicht nur erfassen, sondern die richtigen Informationen am richtigen Ort zur Verfügung stellen.

Mich persönlich haben bei der Berufswahl die unglaublichen technologischen Fortschritte inspiriert, die unseren Alltag verbessern. Ursprünglich aus einem Entwicklungsland stammend, kam ich mit zehn Jahren nach Deutschland und war sehr überrascht über die Diskrepanz der Lebensbedingungen in den verschiedenen Ländern. Ich wusste, dass die Bevölkerung in einigen Staaten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung hat, während dies hierzulande als selbstverständlich angesehen wird.

Daher entschied ich mich bewusst nicht für ein theoretisches, sondern für ein praxisnahes Studium, mit dem man zur Lösung solcher Probleme beitragen kann: Elektrotechnik. Ich bin fest davon überzeugt, dass es die Technologien sind, die Änderungen vorantreiben und die zwischen den Ländern klaffenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lücken schmälern können. Wir Ingenieure sind es, die dazu beitragen können, die größten gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Groß angelegte länderübergreifende Initiativen dazu gibt es bereits.

Ist Deutschland attraktiv für Absolventen?

Ob man sich nun mehr Richtung USA oder Deutschland orientiert, hängt vom eigenen Studienschwerpunkt ab. Der Begriff »Internet der Dinge« macht schon deutlich, dass es sich um eine Konvergenz zwischen IT-Technologien (dem Internet) und »Dingen« handelt. Im Bereich IT sind die USA ganz vorne mit dabei. Bei den miteinander vernetzten »großen Dingen« jedoch – sprich bei Maschinen und beim Maschinenbau – ist Deutschland mit an der Spitze. Beim Thema Industrie 4.0 gehört Deutschland sogar zu den weltweiten Vorreitern.

Digitale und komplett vernetzte Industrieanwendungen müssen immer intensiver mit ihrer Umwelt interagieren. Dafür benötigen sie detaillierte Kenntnisse über eine Vielzahl physischer Bedingungen in ihrer Umgebung, die es maschinell zu erfassen und auszuwerten gilt. Hierfür kommen Sensoren zum Einsatz – quasi als die Sinnesorgane der Anwendung. Auch im Bereich der Industrie-Sensorik und -Aktorik spielt Deutschland schon heute eine weltweit führende Rolle und ist damit für Absolventen eines Messtechnikstudiums ein attraktiver Standort.

Was ist von China zu erwarten?

Aber man darf China nicht außer Acht lassen. Das Reich der Mitte, für das Deutschland übrigens als Vorbild gilt, ist nicht zu unterschätzen. Vor einigen Jahren noch als Plagiat-Weltmeister bekannt, hat sich das Land zu einem der Spitzenreiter in der Digitalisierung gemausert. Befeuert wird das nicht zuletzt durch die von der chinesischen Regierung ins Leben gerufene Strategie »Made in China 2025«, deren Fokus auf der Automatisierung und Digitalisierung der Industrie liegt und für die die hiesige Industrie-4.0-Initiative Pate stand.

Erklärtes Ziel des asiatischen Landes ist es, aus »Made in China 2025« als Produzent hochwertiger Waren hervorzugehen – ein ernsthafter Wettbewerb für westliche Unternehmen. Anvisierte Branchen sind etwa die Luft- und Raumfahrt, Hochgeschwindigkeitszüge, der Ausbau der Energienetze und die Elektromobilität.

In meiner Funktion als Gastprofessor der Chinesisch-Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW) an der Tongji-Universität in Shanghai konnte ich einen persönlichen Einblick gewinnen. Meine Auftaktvorlesung zum Thema »Plattformen für das IIoT« hielt ich auf Deutsch. Die Studierenden des CDHAW beherrschen nicht nur alle unsere Sprache, sondern verbringen sogar das vierte Studienjahr in Deutschland oder in der Schweiz. Doch viele planen, nach dem Studium wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Im Gepäck: deutsches Know-how, durch das die Abhängigkeit von ausländischem Technologiewissen sinken soll. Deutsches Fachwissen ist also nach wie vor gefragt – eine Chance für hiesige Studenten.

 

 

 

 

Die gesellschaftlichen Herausforderungen lösen

Mehrere groß angelegte, länderübergreifende Initiativen wollen die gesellschaft­lichen Herausforderungen dieses Jahrhunderts lösen. Zwei davon sind:
Die National Academy of Engineering mit ihren „Grand Challenges“ und die EU-Initiative Horizont 2020.