Imec-Campus Mit Imec zur eigenen Forschungsgruppe

Tenure Track ermöglicht es Forschern ihr eigenes Labor auf dem Imec-Campus zu gründen. Professor Guido Groenseneken, Fellow und Leiter des Bereichs »PhD Research and Academic Relations« sprach mit uns über die Idee, die hinter der Initiative steckt.

Herr Groeseneken, Sie sind einer der Initiatoren von Tenure Track. Um was für eine Initiative handelt es sich dabei?

Guido Groeseneken: Tenure Track ist eine Art akademische Karriere, die an amerikanischen und kanadischen Universitäten durchaus bekannt ist. Mit Tenure Track erhalten Forscher oder Professoren für mehrere Jahre quasi einen Freibrief, um ein bestimmtes Forschungsthema mit einem von ihm zusammengestellten Forschungsteam zu bearbeiten.

Warum startet das Imec Tenure Track?

Groeseneken: Wir sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, unsere führende Position in der Welt der Forschung und Entwicklung zu stärken. Da Forscher unser wichtigstes Kapital sind, wollen wir die besten Leute auf unseren Campus bringen. Tenure Track ist eine Möglichkeit, Spitzenforscher von renommierten Universitäten hier her zu bringen. Darüber können wir durch die Initiative unser Portfolio mit neuen Ideen ausbauen.

Wie sieht der ideale Kandidat für Sie aus?

Groeseneken: Der perfekte Kandidat hat an einer Spitzenuniversität studiert und gearbeitet und kann bereits auf eine beeindruckende wissenschaftliche Karriere verweisen mit mehreren Publikationen von hohem Einfluss und möglicherweise sogar bereits erteilten Patenten. Er verfügt über eine spezielle Expertise oder spielt mit einer bestimmten revolutionären Idee, die er in einer eigenen Forschungsgruppe entwickeln möchte. Außerdem findet der fragliche Forscher es nicht problematisch – er sieht sogar die Vorteile –, dass er in einem Umfeld arbeitet, in dem sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung in Zusammenarbeit mit der Industrie betrieben wird.

Worum sollte es bei der Forschung thematisch gehen?

Groeseneken: Alle Ideen, die im weitesten Sinne im Zusammenhang mit Nanoelektronik und digitalen Technologien stehen, können berücksichtigt werden. Und die aktuellen Forschungsthemen, an denen Imec arbeitet, belegen, dass dieser Zusammenhang wirklich breit ausgelegt werden kann. Als Imec vor rund 20 Jahren mit einigen Doktorarbeiten im Bereich der Biowissenschaften begann, konnte sich niemand vorstellen, dass daraus eine so große Forschungsgruppe werden würde, einschließlich einiger Spin-offs und vielen industriellen Kooperationen. Unser kürzlich gegründetes OnePlanet Research Center, das sich auf die Bereiche Ernährung, Gesundheit und Landwirtschaft konzentriert, zeigt ebenfalls, dass Nanoelektronik und digitale Technologien in jedem Bereich unseres Lebens etwas bewirken können. Je mehr sich die Idee außerhalb alter Denkmuster befindet und je innovativer sie ist, desto besser.

Warum sollte ein Spitzenforscher Imec wählen, anstatt eine akademische Karriere an einer Top-Universität anzustreben?

Groeseneken: Erstens, weil an dieser Spitzenuniversität vielleicht kein Platz mehr ist. Schließlich sind die Plätze dort begrenzt. Aber das ist sicherlich nicht der Grund, warum man sich für Imec entscheiden sollte. Ein Vorteil vom besteht darin, dass alle Disziplinen unter einem Dach vereint sind. Aus diesem Grund ist eine gegenseitige Befruchtung zwischen den verschiedenen Gruppen möglich. An den Universitäten sind die verschiedenen Bereiche oft in Abteilungen und Fakultäten unterteilt, die sich in der Regel sogar an verschiedenen Standorten befinden. Der Imec-Campus hingegen ist ein sehr kompakter Campus, was die Interaktion zwischen den verschiedenen Bereichen stimuliert – zum Beispiel mit einer hauseigenen Kaffeebar, mehreren Terrassen und einer dynamischen Essecke.

Ein zweiter Vorteil liegt in der Zusammenarbeit mit der Industrie. Dadurch findet die die Forschung nicht nur im Labormaßstab, sondern im Industrie-Maßstab statt. Zum Beispiel verfügt das Imec über einen 200- und 300-mm-Reinraum, der rund um die Uhr läuft. Zusätzlich können die Forscher durch die Kooperation an der Forschungs-Roadmap führender Unternehmen mitwirken und vielleicht sogar ihre Technologien potenziell auf den Markt bringen. Die Forscher können sich aber auch für die Grundlagenforschung ohne Bezug zur Industrie entscheiden. Schließlich sind es diese explorativen Ideen, die die Grundlage für das zukünftige Portfolio vom Imec bilden.

Doch was ist, wenn für den Forscher eine akademische Karriere wichtig ist?

Groeseneken: Auch das ist kein Problem, denn dank der engen Zusammenarbeit mit Universitäten auf der ganzen Welt kann das Imec auch in diesem Fall unterstützen. Viele Spitzenforscher vom Imec sind Teilzeitprofessoren, betreuen Doktoranden und nehmen an Konferenzen teil.

Zum Schluss möchte ich noch auf unseren Standort Leuven in Belgien hinweisen. Leuven ist eine sehr angenehme, nicht zu große, aber multikulturelle Studentenstadt. Die meisten Einwohner sprechen perfekt Englisch und es gibt eine großes kulturelles Angebot sowie eine historische Umgebung. Außerdem ist Belgien der perfekte Ausgangspunkt, um den Rest Europas zu erkunden.

Vielen Dank für das Gespräch.