Raspberry Pi Maker Kit im neo Test »Make it so«

Kein Maker ohne Minicomputer – das steht fest. Darum haben wir uns dieses Mal für Euch in unserer neo Testwerkstatt das »Maker Kit für Raspberry Pi« des Franzis Verlags näher angeschaut.

»Heute schon experimentiert?« fragt die knallpinke Schachtel und weckt damit sofort den Entdeckergeist. Das »Maker Kit für Raspberry Pi« ist online und im Fachhandel für rund 50 Euro erhältlich und will »computerbegeisterten Bastlern« und »Quereinsteigern« die Welt der Elektronik schmackhaft machen.

Dazu bietet das Lernpaket aus dem Hause Franzis – nach eigener Aussage – alles, was man für den Einstieg in die Welt des bekannten Einplatinen-PCs Raspberry Pi braucht. Klingt gut, da schauen wir doch gleich einmal nach.

It’s unboxing time

Nach dem Öffnen der stabilen Pappschachtel in leidlich geschmackvollem, aber aufmerksamkeitsträchtigem Pink, ist man erst einmal kurz enttäuscht. Der Inhalt erweist sich als erstaunlich überschaubar: Ein – ebenfalls grellpinkes – Handbuch und eine Handvoll Elektronikbauteile in kleinen Plastiktüten. Dieser Eindruck revidiert sich jedoch schnell, beschäftigt man sich näher mit dem Inhalt des Lernsets. So ist das bebilderte Handbuch von Autor Christian Immler nicht nur extrem schick aufgemacht, sondern mit 192 Seiten auch äußerst umfangreich. Hinzu kommen 41 Bauteile mit denen sich, so verspricht es Franzis, 19 verschiedene Projekte mit dem Raspberry Pi umsetzen lassen (Bild 1).

Im Lieferumfang nicht inbegriffen – und bei dem Preis aus durchaus verständlich – ist der Star des Maker Kits: der Raspberry Pi. Ist der Einplatinen-PC im wohlsortierten Haushalt also noch nicht vorhanden, muss er für rund 40 Euro dazugekauft werden. Laut Karton unterstützt das Set »alle aktuellen Modelle« des Raspberry Pi. Wir haben für unseren Test den Raspberry Pi 3B+ verwendet – nicht mehr das neuste Modell, aber mit einem Prozessortakt von 1400 MHz und verbessertem Funkmodul doch ganz ordentlich.

Programmiert werden die Projekte in der bekannten Programmiersprache Python. Wer kein Interesse daran hat, Python zu lernen oder wem das Abtippen aus dem Handbuch zu umständlich ist, kann sich die Python-Skripts, also die Codes für die einzelnen Projekte auch über die Franzis-Website www.buch.cd herunterladen. Aber das wäre ja nur der halbe Spaß, oder?

Zum Test (und zur Sicherheit) tun wir es natürlich trotzdem und sind, wie es die Queen sagen würde, »not amused«. Von der Download-Möglichkeit erfährt der Leser nämlich nicht etwa über das Handbuch, sondern nur beim Stöbern auf der Produktwebseite von Franzis. Zusätzlich braucht man neben dem sogenannten Buch.cd-Code, der sich übrigens aus den letzten sechs Ziffern des ISBN/EAN-Codes des Handbuches – bitte mit Bindestrich – zusammensetzt, sondern auch ein Franzis-Kundenkonto, für das eine Menge Daten abgefragt werden. Ob das tatsächlich notwendig ist, sei dahingestellt. Schön ist allerdings, dass das Lernset regelmäßig aktualisiert wird. So enthält der Download-Ordner eine Datei mit Zusatzinformationen zum aktuellen Raspberry-Modell 4. Jetzt wird es aber langsam Zeit, etwas zu »machen«. Schließlich testen wir hier ein Maker Kit.

Projekte, Projekte, Projekte: Vorbereitung ist alles

Das umfangreiche Handbuch ist nicht nur schick und übersichtlich aufgemacht, sondern auch sehr detailliert und – das ist vor allem für Einsteiger wichtig – verständlich geschrieben. Vorgegangen wird dabei Schritt für Schritt. So gibt es im ersten Kapitel zunächst einmal wichtige Tipps für die Verwendung des Handbuches sowie spannendes Hintergrundwissen, wie etwa die Bedeutung der Farbcodierung von Widerständen. Außerdem erfährt der geneigte Leser, was er neben den elektronischen Bauteilen im Lernpaket noch benötigt, um durchzustarten. Dazu gehört unter anderem der bereits erwähnte Raspberry Pi, eine Speicherkarte, eine Maus, ein Monitor sowie die diversen Anschlusskabel. Nichts also, was sich nicht in jedem technikaffinen Haushalt finden ließe. Das zweite Kapitel widmet sich dem Raspberry Pi. Wir lernen etwas über die Unterschiede zwischen einem normalen PC und einem Raspberry und erfahren, wie man den Minicomputer einrichtet. Die einzelnen Schritte sind dabei gut erklärt und werden mit Bildern, Screenshots und Grafiken unterstützt, so können auch Raspberry-Neulinge problemlos durchstarten.

Ist der Minicomputer einsatzbereit, geht es auch direkt los mit dem ersten Programm mit Python – genauer gesagt Python 3. Nach dem wir als Fingerübung den Klassiker »Hallo Welt« auf dem Bildschirm haben ausgeben lassen, sollen wir als Nächstes ein kleines Spiel in Python schreiben. Bei »Zahlen raten« geht es darum, dass der Spieler eine vom Computer gewählte Zahl in möglichst wenigen Schritten errät. Nicht schlecht, durch die manuelle Eingabe und die Erklärungen im Handbuch haben wir nicht nur einen ersten Erfolg verzeichnet, sondern außerdem die Grundzüge und Besonderheiten der Syntax von Python 3 gelernt. In den darauffolgenden 19 Kapiteln wird im Handbuch nun jeweils ein Projekt beschrieben.

Wir haben uns für den Test drei davon mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausgesucht: das Einstiegsprojekt »Die erste LED leuchtet am Raspberry Pi«, die »Speicherkartenfüllstandsanzeige« und zu guter Letzt das Projekt »Einfaches Klavier«.

Es werde Licht: Die erste LED

Das erste Projekt macht Maker-to-be mit dem Steckboard sowie einem wichtigen Raspberry-Pi-Element vertraut: der GPIO (General Purpose Input Output). Die 40-polige Stiftleiste in der Ecke des Raspberry bietet Bastlern die Möglichkeit, so das Handbuch, »direkt Hardware anzuschließen, um zum Beispiel über Taster Eingaben zu machen oder programmgesteuerte LEDs leuchten zu lassen«. Dazu lassen sich die 22 Pins auf der Leiste verwenden, die nur mit Nummern bezeichnet sind (Bild 2), nach Wunsch als Eingang oder als Ausgang definieren und so für vielfältige Hardwareerweiterungen nutzen. Die übrigen 18 Pins sind fest eingerichtet, etwa für die Stromversorgung.
Zunächst lernen wir – erst einmal noch ohne Programm – wie die LED an den Raspberry Pi angeschlossen und sie über einen Taster zum Leuchten gebracht wird (Bild 3). Hierbei dient der Minicomputer nur als Stromversorgung. Danach soll die LED automatisch ein- und ausgeschaltet werden. Dafür ist das passende Programm erforderlich, durch das das Handbuch den Leser Schritt für Schritt führt. Im Handumdrehen steuert der Raspberry nun die LED an und schaltet sie für zwei Sekunden ein- und danach wieder aus.

Das mag alles sehr einfach klingen, hilft Einsteigern aber ungemein. So erklärt das erste Projekt, wie man die GPIO-Ports über Python-Programme nutzbar macht und sie als Ein- beziehungsweise Ausgang definiert. Als schwierig erwies es sich allerdings, die Platzierung der elektronischen Bauteile auf dem Steckboard nachzuvollziehen. Die Darstellungen im Handbuch sind sehr klein und – vielleicht aufgrund des verwendeten Papiers – leicht verschwommen. Man gewöhnt sich aber mit der Zeit an die Darstellung und kaum etwas ist schöner, als die rote LED das erste Mal leuchten zu sehen.