Internet der Dinge IoT in der Praxis

Das Internet der Dinge (IoT) ist längst mehr als ein Medien-Hype, sondern steht kurz davor, ganze Geschäftsmodelle zu revolutionieren. Jedoch fehlen bei der Umsetzung von IoT-Vorhaben häufig noch die nötigen Praxiserfahrungen. Jan Rodig, CEO von Tresmo, erläutert die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

IoT hat disruptives Potenzial – viele Unternehmen arbeiten daher mit Hochdruck an einer IoT-Strategie und ersten Pilotprojekten. Und genau jetzt ist auch der richtige Moment dafür, obwohl vielen Unternehmen noch die relevante Erfahrung fehlt und sie sich damit auf unsicheres Terrain begeben.

»IoT ist kein exotisches Hightech-Thema, sondern etwas, mit dem Unternehmen ihre Produkte wirkungsvoll vom Wettbewerb abheben können«, erläutert Jan Rodig, CEO des anbieterunabhän­gigen IoT-Dienstleisters Tresmo. »Viele Branchen sehen sich einem globalen Wettbewerb gegenüber. Gleichzeitig ähneln sich die reinen Produkte, wie etwa Maschinen oder Produktionsanlagen, in ihren klassischen Funktionen meist so stark, dass sie kaum noch voneinander zu unterscheiden sind.« Laut Rodig werden deshalb ergänzende digitale Angebote rund um das physische Kernprodukt zunehmend den Unterschied ausmachen.

Der IoT-Experte räumt in diesem Zusammenhang gleich mit einem Irrglauben auf, mit dem viele Unternehmen an IoT-Projekte herangehen würden: »Die Erwartungen an IoT-Projekte sind zum Teil sehr hoch – ganz neue Produkte sollen kreiert und Umsätze deutlich gesteigert werden, das ist oft überzogen«, sagt Rodig. »Meiner Meinung nach ist IoT viel geschäftskritischer, weil smarte Produkte und Dienstleistungen künftig entscheidend dafür sein werden, ob ein Unternehmen seine Marktanteile überhaupt verteidigen kann. Es geht also um die grundsätzliche Zukunftsfähigkeit von Industrieunternehmen, nicht um etwas mehr Umsatz mit innovativen Themen.«

Zwischen Pragmatismus und Strategie

Dabei wird bereits das Dilemma deutlich: Einerseits kann das Internet der Dinge ganze Geschäftsmodelle verändern, was strategische Weitsicht, visionäres Denken und kundenzentrierte, agile Prozesse erfordert. Andererseits sollten Unternehmen zeitnah mit kleinen, klar definierten Projekten und einer pragmatischen Herangehensweise starten. Rodig bestätigt das, sieht aber keineswegs Nachteile darin: »Wie andere Projekte auch, dienen IoT-Initiativen nicht dem Selbstzweck, sondern brauchen reale Use Cases, die einen klaren Mehrwert für den Nutzer schaffen. Erst danach lohnt es sich, über Geschäftspoten­ziale und -modelle nachzudenken.«

Die Verbindung zwischen Pragmatismus und Strategie lässt sich durch eine konsequente »Customer Centricity« herstellen. Obwohl das eigentlich bei der Produktentwicklung selbstverständlich sein sollte, stehen laut Rodig bei den meisten IoT-Projekten anfangs vor allem die technischen Möglichkeiten und eine strategische Unternehmensplanung im Mittelpunkt. So entstünden bisweilen Produkte und Services, die sich zwar harmonisch ins bestehende Portfolio einfügen, aber an den Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt wurden.

Alles wird individuell

Bei der Konzeption einer eigenen IoT-Lösung zeichnet sich schnell ab, wie komplex das Ganze werden kann. Zum einen geht es um den konkreten Use Case, der sich zugleich in die langfristige Unternehmensplanung einpasst oder dieser gar die entscheidende digitale Wendung gibt. Zum anderen sind Entscheidungen hinsichtlich unterstützender Tools und Plattformen zu treffen. Fertige Standardlösungen können den Prozess – von den ersten Überlegungen bis zum Go Live – beschleunigen und die Entwicklungskosten überschaubar halten.

Rodig jedoch mahnt zur Vorsicht: »Nachhaltige Wettbewerbsvorteile gibt es nicht von der Stange«, sagt er. »Produkte oder Dienstleistungen, die ausschließlich auf Standardlösungen beruhen, werden schnell austauschbar. Das kann kaum die Strategie eines Unternehmens sein.«

Es komme darauf an, die richtigen Bausteine intelligent zu kombinieren und mit eigener Entwicklung zu individualisieren. Einer der wichtigsten Punkte dabei: die Wahl der passenden IoT-Plattform.

Das wahre Herzstück

Sie ist die Basis, der Dreh- und Angelpunkt eines IoT-Service: die IoT-Plattform. Sie bringt idealerweise die meisten grundlegenden Funktionen mit sich, wie etwa die Konnektivität, die Datenstandardisierung, Datenvisualisierung, stellt externe Schnittstellen und Sicherheits-Features bereit und sorgt für das Management der zahlreichen angeschlossenen Geräte. Wenn der IoT-Plattform derart strategische Bedeutung zukommt und die entstehende IoT-Lösung gleichzeitig so individuell gestrickt sein sollte, ist es dann sinnvoll, eine eigene IoT-Plattform zu entwickeln? »Das würde ich nur in Ausnahmefällen empfehlen«, sagt Jan Rodig. »Nämlich dann, wenn die Plattform selbst das Geschäftsmodell sein soll und geplant ist, ein ganzes Ökosystem mit Partnern darauf bereitzustellen. Bei allen anderen IoT-Zielen, wie etwa die Optimierung des eigenen Product Life Cycle oder die Ergänzung vorhandener Produkte durch smarte Dienstleistungen, würde ich davon abraten. Die Auswahl am Markt ist bereits riesig, inklusive Spezialisierungen für jede Branche. Da muss niemand das Rad neu erfinden, wohl aber den Aufwand für eigene, aufsetzende Entwicklungen einkalkulieren.«

 

Aber Vorsicht!

Ein riesiger Markt ist grundsätzlich vorteilhaft für Kunden, impliziert aber auch eine schwierige Auswahl der passenden Lösung. Denn es liegt auf der Hand: Eine Fehlentscheidung treibt die Kosten in die Höhe, macht unter Umständen einen Plattformwechsel mitten im Projekt notwendig oder lässt schlimmstenfalls die ganze Initiative scheitern. Es ist deshalb sinnvoll, sich die IoT-Plattform systematisch anhand mehrerer Kriterien vorzunehmen. Dafür müssen vorab nicht nur die Ziele der künftigen IoT-Lösung klar definiert sein, sondern auch deren technische Spezifikationen. So ist es beispielsweise wichtig, welche Geräte- und Gateway-Implementierung die Plattform unterstützt und wie die serverseitige Interaktion mit den angeschlossenen IoT-Geräten praktisch umgesetzt wird. Nicht nur bei diesen Punkten hängt natürlich alles vom Use Case ab, denn es ist ein Unterschied, ob wenige Maschinen einer Produktionskette per IoT angesprochen werden sollen oder tausende mit kleinen Sensoren bestückte Geräte Signale senden.

Weitere wichtige Auswahlkriterien sind etwa die Cloud-Konnektivität und die möglichen Skalierungsmechanismen, die auch eine besondere Rolle für die Datenstandardisierung spielen. Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen Software-Updates für die IoT-Devices und die Integration weiterer Geräte immer mit einkalkuliert werden – das muss mit einer IoT-Plattform möglich sein. Nicht zuletzt sind IT-Sicherheits-Features, Tools für die Administration und die gebotenen Supportleistungen von Bedeutung.

»Der richtige Zeitpunkt, sich ausführlicher mit IoT zu beschäftigen, ist jetzt«, fasst Rodig zusammen. »Erfolgreiche IoT-Projekte entstehen in der Regel dort, wo das Top-Management klar hinter der IoT-Strategie steht und kleine, agile Teams mutig innovative Dinge ausprobieren können. Wird zu früh nach einem Business Case verlangt, können keine disruptiven Ergebnisse kreiert werden.«

Was ist Disruption?

Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation »zerschlagen« wird.

Was ist IoT?

Das Internet der Dinge – engl. Internet of Things und abgekürzt mit IoT – bezeichnet Alltagsgegenstände, die über das Internet vernetzt und selbstständig mit uns und anderen Geräten kommunizieren. Zum Beispiel gehört der smarte Kühlschrank, der selbstständig meldet, dass bald die Milch ausgeht, zum Internet der Dinge, genauso wie die Smartwatch, die gezählte Schritte direkt an das Smartphone und das jeweilige Nutzerprofil sendet. Häufig genutzte Anwendungen sind zum Beispiel die Versorgung mit Informationen, automatische Bestellungen oder Warn- und Notfallfunktionen.

Über Tresmo

Tresmo ist ein unabhängiger deutscher IoT-Dienstleister mit Hauptsitz in Augsburg. Gegründet 2012, entwickelt das Unternehmen anspruchsvolle digitale Individuallösungen für mittelständische und international agierende Unternehmen wie BMW, Vorwerk, Wilo, Viessmann, Trumpf Werkzeugmaschinen und Velux. Dank des ganzheitlichen Ansatzes, der die strategische Beratung sowie die technische Umsetzung umfasst, schafft Tresmo maßgeschneiderte IoT-Lösungen und erfolgreiche neue Geschäftsmodelle für seine Kunden.