E-Mobilität Formel-E im Kleinformat

Im Konstruktionswettbewerb Formula Student konstruieren Studententeams E-Rennwagen größtenteils in Eigenregie. Doch hier und da greifen Industriepartner unter die Arme.

Jedes Jahr treten Hochschulteams mit ihren einsitzigen und selbstentwickelten Rennwagen – elektrisch oder selbstfahrend – beim internationalen Konstruktionswettbewerb Formula Student gegeneinander an. Dabei müssen sie sich in unterschiedlichen Kategorien den Juroren aus Industrie und Wirtschaft beweisen und ihr Können und Planungsgeschick demonstrieren.
Das Regelwerk ist in sicherheitsrelevanten Bereichen sehr eng gestrickt, lässt jedoch auch einige Freiheiten: In puncto Gleichstrom, Wechselstrom oder Anzahl der Motoren haben die Teams freie Hand – nur die maximale Spannung und Leistung sind auf 600 V (DC) und 80 kW begrenzt. Der Rest bleibt der Kreativität der Studenten überlassen.

Anhand der technischen Daten wird schnell klar, dass der Wettbewerb nicht auf die höchste Geschwindigkeit ausgelegt ist. Stattdessen treten die Teams in Kategorien wie Fahreigenschaften, Konstruktionskonzept und bester Business-Plan gegeneinander an – ganz nach dem Motto der Formula Student: »It’s not only about going faster, it’s about getting smarter!« Die Teams müssen Talente rekrutieren, mit jeder neuen Saison ein neues Fahrzeug entwerfen und für die Materialkosten und die weltweiten Wettbewerbe die nötigen Gelder beschaffen.

Hand in Hand mit Industriepartnern

Bei der Entwicklung und Konstruktion sind die Hochschulteams jedoch nicht auf sich allein gestellt, sondern können auf die Unterstützung von Industriepartnern wie TDK zurückgreifen. Das Unternehmen fördert bereits in der dritten Saison »E-Motion«, das Formula-Student-Team der Hochschule Aalen. »Wir verfolgen diese Zusammenarbeit auch mit einem gewissen Eigeninteresse«, erläutert Johannes Peltzer, Personalleiter des TDK Standorts Heidenheim. »Das Formula-Student-Umfeld ist für uns als Entwickler und Hersteller von elektronischen Bauelementen für die Automotive-Branche sehr interessant. Unsere Bauelemente können sich in schwierigen Bedingungen beweisen und wir schätzen den kreativen Austausch rund um die innovativen Ansätze der Studenten sehr.«

Genauso wichtig ist für Peltzer das Thema Recruiting. Als Unternehmen setzt man hier neben dem dualen Studium, wie es schon in Heidenheim und München verwirklicht wurde, zunehmend auf kreative Formen der Zusammenarbeit und erweitert damit das Hochschulengagement.
Dass die Arbeit in interdisziplinären Teams und das Durchleben von Produktentwicklungsprozessen für die eigene Karriere von Vorteil sind, zeigen die Werdegänge ehemaliger Teilnehmer. Einige haben nach ihrer Formula-Student-Zeit zum Beispiel in der Raumfahrtindustrie bei SpaceX angefangen, ihr eigenes Unternehmen gegründet oder in der Automobil- und Zulieferindustrie verschiedene Posten besetzt. »Es ist nicht einfach, sich neben einem herausfordernden Ingenieurstudium noch intensiv um eine zeitintensive Aufgabe zu kümmern. Wer aus einer solchen Schmiede kommt, ist für uns als Berufsanfänger interessant und wir sind stolz, uns in der Formula Student als möglicher Arbeitgeber präsentieren zu können«, betont Peltzer.

Ein bunt gemischtes Team

Das Rennteam „E-Motion“ setzt sich aus rund 50 Studenten aus verschiedenen Fachbereichen – insbesondere aus der Fahrzeugtechnik und dem Maschinenbau – zusammen. Über ein Jahr haben die Studenten geplant, gebaut und nachjustiert. »Der Wettbewerb ist super spannend. Die Erfahrung, die wir hier im Team mitnehmen, bekommt man in einer Uni nicht so einfach. Wir haben viel mehr Praxisbezug, da wir in unserer Designphase etwas konstruieren und am Ende auch testen – sowas sieht der normale Unterricht an der Uni nicht vor. Das gibt es nur bei uns«, sagt Jonas Bareiß, IoT-Student und im Konstruktionsteam für die Elektronik zuständig.

Bei der Entwicklung stieß das Team allerdings auf für sie allein unüberwindbare Hindernisse. »Wir hatten teilweise Probleme bei der Datenübertragung zwischen den verschiedenen elektronischen Steuerkomponenten«, führt Bareiß weiter aus, doch die Zusammenarbeit mit den Industriepartnern konnte Abhilfe schaffen: »TDK hat uns angeboten, auf Equipment und EMV-Ausrüstung aus dem Labor in Regensburg zuzugreifen.«

Da in dem Wettbewerb zunehmend HF-Standards, Radare und Hochgeschwindigkeits-Datenbusse integriert werden, müssen unerwünschte Aussendungen innerhalb spezifizierter Grenzen bleiben, und gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Elektronik immun gegen externe Störquellen ist. »Die Hilfe des Laborteams hat uns sehr dabei geholfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und Fehler zu beheben«, führt Jonas Bareiß aus. Peltzer sieht auch Potenzial für die Zukunft: »Bei TDK glauben wir, dass die mutigen und innovativen Ideen dieses Wettbewerbs eines Tages dazu führen, dass das Konzept von selbstfahrenden Autos und der Elektromobilität die nächste evolutionäre Hürde nehmen kann. Unser Engagement in der Formula Student ist für uns eine Investition sowohl in die Zukunft der Mobilität als auch in das Know-how von morgen, an dem wir gerne in den kommenden Jahren festhalten wollen.«