TUM Institut für Ethik in der KI Ethik trifft künstliche Intelligenz

Cobalt Industries stellt mit YouX ein  Betriebssystem für Personalisierung in Fahrzeugen auf Basis künstlicher Intelligenz vor.

Die Technische Universität München (TUM) hat das »TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence« eröffnet. Die Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Ethik und künstlicher Intelligenz (KI) sind vielfältig – von KI in autonomen Fahrzeugen bis hin zu Fragen der Regulation.

Seit 2012 erforscht die TUM mit dem im Rahmen der Exzellenzinitiative 2012 eingerichteten Munich Center for Technology in Society (MCTS) bereits die Wechselwirkungen von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft. Als Teil des MCTS konzentriert sich das TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence (IEAI) fortan auf die ethischen Implikationen künstlicher Intelligenz. Dabei unterstützt das US-amerikanische Unternehmen Facebook die TUM-Initiative mit 6,5 Millionen Euro.

Beim Symposium zu Eröffnung des Instituts für Ethik in der KI an der TUM sagte Staatsministerin Dorothee Bär, die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung: »Machine-Learning-Algorithmen bestimmen schon heute in Teilen, welche Nachrichten wir lesen – die Möglichkeiten gehen aber noch viel weiter wie etwa in der medizinischen Diagnostik. Aus diesen weitgreifenden technologischen Veränderungen ergeben sich auch viele ethische Fragen. Es ist gut, dass die TU München dazu beiträgt, diese zu beantworten.«

Mit dem IEAI will die TUM ihre Wissenschafts- und Technikdisziplinen mit den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verbinden, um KI-basierte Technologien vertrauenswürdig und gesellschaftsfähig zu machen. »Als Technische Universität können wir nur dann wirksam zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen, wenn wir unsere technologischen Innovationen auf die Werte, Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen ausrichten«, sagte Prof. Thomas F. Hofmann, Präsident der TUM. »Dieser Leitgedanke eines Human-Centered Engineering durchdringt die künftige Handlungsagenda der TUM in Forschung, Innovation und der Ausbildung unserer Studierenden.« Deshalb kooperieren im IEAI Forscher aus Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften mit den Sozial- und Ethikwissenschaften in interdisziplinären Teams.

Mit einer Förderhöhe von insgesamt rund 2,3 Millionen Euro gibt die TUM nun den Startschuss für folgende Forschungsprojekte:

  • Ethik des autonomen Fahrens: Theorien aus der Ethik sollen in Algorithmen übersetzt und in Programme integriert werden, die die Fahrtrichtung und die Geschwindigkeit autonomer Fahrzeuge an aktuelle Situationen anpassen, um zum Beispiel bei unvermeidbaren Kollision mit Menschen ethisch vertretbare Entscheidungen zu treffen. Die erweiterten Programme werden anhand von bekannten und neuen Szenarien im Simulator getestet und evaluiert.
  • KI-basierte Entscheidungshilfe bei ethischen Fragen im Klinikalltag: Dieses Projekt untersucht, ob es möglich und sinnvoll ist, mit Ansätzen des maschinellen Lernens Ärztinnen und Ärzten Hilfestellung bei wichtigen Entscheidungen im Klinikalltag zu bieten, etwa bei der Entscheidung für oder gegen ein Medikament.
  • Die Dynamik von Hasskommentaren und Fake News verstehen: Negative Informationen wie »Hate Speech« oder »Fake News« breiten sich in den sozialen Medien oft wie ein Flächenbrand aus. Dabei spielen vermutlich die jeweiligen KI-Algorithmen der Plattformen eine Rolle. Deshalb sollen nun die Dynamiken solcher Meinungsbildung mathematisch modelliert werden, um diese besser zu verstehen und Fragen der Verantwortung für solche »Flächenbrände« und mögliche Kontrollmechanismen zu erforschen.
  • KI-gestützte Ansprache von Täterinnen und Tätern in Sozialen Medien: Das Projekt erforscht, ob sich mithilfe von KI-automatisierten, personalisierten Interventionen Täterinnen und Täter dazu bewegen lassen, ihr Verhalten beim Verbreiten von »Fake News« zu ändern. Untersucht werden ethische und psychologische Fragen sowie Themen des Datenschutzes und der Privatsphäre der Betroffenen.
  • Vertrauen in KI durch Regulation: Das Projekt untersucht Lösungsvorschläge für die Regulierung und die Zertifizierung von KI-basierten Programmen anhand ihrer gesellschaftlichen und technischen Handhabbarkeit. Daraus sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Gesellschaft und Politik sowie Anforderungen an die Technik entwickelt werden.
  • KI für am Menschen orientierte Industrie 4.0: Die beim Betrieb vernetzter Fertigungsanlagen erfassten Daten können dabei helfen, Prozessabläufen in Echtzeit zu verbessern. Für Arbeitskräfte kann daraus jedoch ein Gefühl permanenter Überwachung entstehen. Das Projekt untersucht ethisch problematische Aspekte der Verwendung von KI und versucht, Algorithmen zu entwickeln, die die Produktionsprozesse für den arbeitenden Menschen mit seinen Stärken, Schwächen und Bedürfnissen optimieren.