Interview Die Automobilbranche besser verstehen

Der Steckverbinderhersteller TE Connectivity hat eine eigene Akademie gegründet, um den voranschreitenden Wandel der Automobilbranche und die dahinter stehenden Technologien jungen Experten zu vermitteln. Im Interview erzählt Uwe Hauck, Mitbegründer der »TEchknowlogy Academy«, was die Inhalte sind.

Herr Hauck, bitte erklären Sie, was die »TEchknowlogy Academy« ist und worum es dabei geht?

Uwe Hauck: Um jungen aber auch erfahreneren Interessenten die Technologien hinter den aktuellen Automobiltrends näher zu bringen, hat TE Connectivity 2019 die »TEchknowlogy Academy« ins Leben gerufen. Gegründet wurde sie innerhalb der Firma in Zusammenarbeit des Seniormanagements, des Marketings, des Produktmanagements und engagierten Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens. Die jungen Mitarbeiter übernehmen die Planung, Organisation und Leitung der Academy und werden bei der Durchführung der Seminare von Experten, die auch für die Inhalte und deren Vermittlung verantwortlich sind, unterstützt. Diese Arbeitsteilung ist geeignet, mit Motivation und funktionsübergreifend Angebote für unterschiedliche Interessentengruppen zu entwickeln. Die Academy bietet einige detaillierte Fachseminare zu verschiedenen Themen.


Welche Themen sind das genau?

So vielfältig die Automobilindustrie ist, sind auch die Themen, die unsere Experten aus ihren Kompetenzbereichen vermitteln. Wer bisher nur wenig mit der eher nicht sichtbaren elektrischen Architektur und deren Aufbau- und Verbindungstechnik zu tun hatte, kann in einem Kurs Fachwissen zu Steckverbindern und Kontaktsystemen im automobilen Bordnetz aufbauen und bis zum Expertenwissen vertiefen. E-Mobilität und Datenkonnektivität werden in getrennten Seminaren behandelt, welche sowohl einen Anteil an Basiswissen als auch komplexere technologische Zusammenhänge anschaulich und leicht verständlich vermitteln. Immer häufiger ist auch das Thema Thermomanagement gefragt, da es zum Beispiel durch die steigende Elektrifizierung des Autos mit seinen neuen Anforderungen des schnellen Ladens an Bedeutung gewonnen hat. Wir wollen aber auch Kurse zu industrieübergreifenden Trends anbieten, da wir überzeugt sind, dass leicht verständliche Informationen über die komplexen Zusammenhänge zwischen sehr unterschiedlichen Industrien hilfreich sein können, den schnell voranschreitenden Wandel der Automobilbranche besser zu verstehen und sich darauf einstellen zu können. Mithilfe unserer Experten werden in Zukunft weitere Seminarthemen folgen. 


Was macht dieses Seminarangebot so besonders?

Die Seminare sind jeweils in einem dreiteiligen Kursmodell aufgebaut. Der wichtigste Teil ist natürlich das Training an sich. Ebenfalls angeboten wird ein Networking, das die Möglichkeit für die Seminarteilnehmer bietet, sich auch außerhalb des 
Seminarraumes über die aktuellen Technologien auszutauschen. Die dritte Säule bietet einen Einblick ins Labor oder ein Werk 
von TE Connectivity, je nachdem, wo das Seminar stattfindet. 

Welche Schwerpunkte setzen Sie in den Seminaren und welche Sprachkenntnisse sind gefragt?

Angefangen hat die Academy im Jahr 2019 in Deutschland mit den Seminaren in deutscher Sprache. Im Jahr 2020 werden bereits einige ausgewählte Seminare auch in Englisch angeboten. Die Themengebiete reichen von Hochvolttechnologien, über Datenkonnektivität und thermisches Management. Praktische Übungen, etwa das Crimpen* von Kontakten untermauern das Gelernte im Bereich der Kontaktphysik. Die Themen werden jeweils an die aktuellen Bedürfnisse der Industrie und die Markttrends angepasst, sodass immer wieder neue Themen hinzukommen. Es lohnt sich in regelmäßigen Abständen einen Blick auf die Webseite zu werfen. Zukünftig werden die Themen­gebiete auch über die Automobilindustrie hinaus erweitert, 
wie im Gebiet der Sensorik.

Welches Feedback haben Sie von den Teilnehmern zu den bisherigen Seminaren erhalten?

Im vergangenen Jahr fanden bereits fünf Seminare statt, zu denen Feedback der Teilnehmer eingeholt wurde, um die Academy weiter zu verbessern. Bei den ersten beiden Seminaren hatte die Academy 30 externe Teilnehmer von zwölf verschiedenen Unternehmen. Unter anderem wurden Aktualität der Themen und der Austausch unter den Teilnehmern positiv wahrgenommen. Die Teilnehmer sind oft auch TE-Mitarbeiter, die ihr Wissen auf­frischen oder erweitern wollen. Für diese Mischung haben wir Lob bekommen, weil es den Teilnehmern anderer Firmen zeigt, dass wir kein Wissen zurückhalten und keinen Unterschied zwischen externen und internen Kunden machen.

Was ist der Nutzen der »TEchknowlogy Academy«?

Unsere Welt wird zukünftig durch Wissensökonomie geprägt sein. Daher steht die Vermittlung von Wissen bei den Seminaren definitiv im Vordergrund. Es ist dem Organisationsteam ein großes Anliegen, dass die angebotenen Seminare nicht als Plattform für das Produktmarketing verstanden werden, sondern definitiv die Technologien, welche hinter den Produkten stehen, und das notwendige Fachwissen für deren Entwicklung, die Herstellung oder die Applikation erläutert werden. Das soll insbesondere jungen Ingenieuren dabei helfen, sich in Themengebiete wie dem der Elektromechanik tiefer einzuarbeiten und mehr Hintergrundwissen zu erlangen. Denn gerade in diesem Bereich haben sich die Ausbildungsangebote in den letzten Jahren reduziert oder waren zugunsten anderer Themengebiete weniger gefragt. Wie notwendig diese Aus- und Weiterbildung ist, zeigt die Unterstützung für Hochschulen von TE bei der Ausbildung von Jungingenieuren. Im letzten Wintersemester haben gerade vier Studenten den Kurs „physikalisches Bordnetz in Automobilen“ belegt. Im Nachbarraum, wo die Software thematisiert wurde, ging die Tür kaum zu. Aber es gibt eben keine softwaredominierten Produkte und Dienstleistungen ohne das entsprechende Hardwareangebot und auch keine Elektrofahrzeuge ohne qualifizierte Mitarbeiter. Womit wir wieder bei gut ausgebildeten Fachkräften in der Elektromechanik angekommen sind.


Gibt es einen praktischen Bezug oder ist das Seminar theoretisch gehalten?

Durchaus werden innerhalb der Kurse einige praktische Beispiele gezeigt und anhand kleiner Versuche teilweise erklärt. Die Führungen durch Fertigung oder Labor untermauern das Gehörte und bieten eine Abwechslung zu der fachlichen Erläuterung in Präsentationsform.


Wie groß sind die Gruppen und wann muss ein Interessent sich anmelden?

Die Gruppen sind auf maximal 20 Personen begrenzt, um individuell auf Fragen eingehen zu können und eine gute Lern­atmosphäre zu schaffen. Anmeldungen können jeweils bis eine Woche vor der Veranstaltung angenommen werden. Die Kurstermine und weitere Informationen zu den Seminaren sind auf unserer Homepage zu finden.

 

Wird es in Zukunft möglich sein, die »TEchknowlogy Academy« für firmeninterne Kurse zu buchen?

Im Moment werden lediglich Seminare in den Räumen der TE Connectivity angeboten. Jedoch ist bereits eine Expansion in Planung, die Seminare bei genügend Teilnehmern auch direkt bei den Interessenten anzubieten. Dazu wird momentan ein Konzept erarbeitet, welches dann ebenfalls auf der Webseite beworben wird.


Welches Thema finden Sie zurzeit besonders interessant?

In erster Linie sind das aus der Sicht der Automobilindustrie die Trends der Elektromobilität und der Digitalisierung. Mit diesen Trends geht auch ein hoher Bedarf an Aus- und Weiterbildung einher. Beide Themen haben miteinander zu tun, beeinflussen sich gegenseitig und verändern eine ganze Industrie. Wir haben daher ein Seminar strukturiert, das die Zusammenhänge darstellt.

Was kann ein Dozent für sich selbst aus diesen Seminaren mitnehmen?

Für mich, und ich bin sicher, auch die Meinung meiner Mitreferenten widerzuspiegeln, ist es eine Menge, was wir mitnehmen. Zum einem bekommen wir in den Seminaren und beim Networken wertvolles Feedback, welche Themen unseren Teilnehmern und Gästen wichtig sind, was sie beschäftigt und umtreibt. Eine in den Medien gelesene Trendinformation hat einen anderen Wert, als erlebte und diskutierte Problemstellungen, die sich aus den Trends ergeben. Das ist extrem wertvoll und gerade in den Gesprächen während der Abendveranstaltungen zeigt sich, was wir gut gemacht haben und wo vielleicht Themen noch nicht richtig vermittelt wurden. Durch das 1,5-Tage-Format haben wir dann die Chance, am nächsten Tag sofort zu reagieren.


Vielen Dank für das Gespräch.