Teleskop der JMU Würzburg Blitze auf dem Mond

Warum blitzt es auf dem Mond?
Warum blitzt es auf dem Mond?

Immer wieder werden auf dem Mond rätselhafte Lichtblitze beobachtet. Mit einem neuen Teleskop will ein Professor der Uni Würzburg den lunaren Leuchterscheinungen auf den Grund gehen.

1969 machte Neil Armstrong einen gewaltigen Schritt für die Menschheit und ging als erster Mensch auf dem Mond in die Geschichte ein. Dem Mysterium Mond konnte die Mondlandung jedoch nichts anhaben. Noch immer sind wir von unserem ständigen Begleiter fasziniert. Auch die Forschung hat noch lange nicht genug vom Erdtrabanten und seinen Geheimnissen. Eines davon sind Lichtblitze, die seit einigen Jahren beobachtet werden. Mehre Male in der Woche blitzt es auf dem Mond; manchmal sind es nur kurze Lichtblitze, die an der Oberfläche des Mondes aufscheinen. Andere Leuchtphänomene können länger dauern. Dazu kommen Stellen der Mondoberfläche, die sich vorübergehend verdunkeln.

Niemand weiß genau, wie die Phänomene zustande kommen. Allerdings gibt es Erklärungsversuche: Das kurzzeitige Aufleuchten wird demnach von Meteoriten ausgelöst, die auf der Mondoberfläche einschlagen. Bei einer anderen Erklärung sind elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes, die mit Partikeln aus Mondstaub reagieren, verantwortlich.

»Auf dem Mond wurden auch seismische Aktivitäten beobachtet. Bei Bewegungen der Oberfläche könnten aus dem Mondinneren Gase austreten, die das Sonnenlicht reflektieren. Das würde die Leuchterscheinungen erklären, die teils über Stunden anhalten«, erläutert Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Mondteleskop in Spanien

Kayal ist an den Lichtblitzen höchst interessiert. »Man kennt die sogenannten transienten lunaren Phänomene schon seit den 1950er-Jahren, aber sie wurden nicht ausreichend systematisch und langfristig beobachtet.« Das ändert sich zurzeit, und der JMU-Professor will seinen Beitrag dazu leisten.

Als ersten Schritt baute Kayals Team ein Mondteleskop und nahm es im April 2019 in Betrieb. Es steht in einem privaten Observatorium in Spanien, etwa 100 km nördlich von Sevilla in einer ländlichen Gegend. Spanien ist laut Kayal aufgrund der Wetterbedinungen für die Mondbeobachtung besser geeignet als ein Standpunkt Deutschland.

Vom JMU-Campus aus wird das Teleskop ferngesteuert. Es besteht aus zwei Kameras, die Nacht für Nacht den Mond im Blick behalten. Nur wenn beide Kameras gleichzeitig eine Leuchterscheinung registrieren, löst das Teleskop weitere Aktionen aus. Es speichert Fotos und Videosequenzen von dem Ereignis und schickt via E-Mail eine Nachricht an Kayals Team.

Intelligente Software

Die Arbeit an der Software, die Blitze und andere Leuchtphänomene automatisch und zuverlässig erkennen soll, ist noch nicht abgeschlossen. Für die Weiterentwicklung will Kayal unter anderem Methoden der künstlichen Intelligenz einsetzen: Neuronale Netzwerke sorgen dafür, dass das System nach und nach lernt, einen Mondblitz von technischen Störungen oder von vorbeifliegenden Objekten wie Vögeln und Flugzeugen zu unterscheiden. Die Rate der Fehlalarme soll dadurch reduziert werden.

In Zukunft soll das System auf einer Satellitenmission zum Einsatz kommen. Die Kameras könnten zum Beispiel im Erd- oder Mondorbit arbeiten – Störungen durch die Erdatmosphäre würden dadurch wegfallen.

Sobald das Teleskop eine Leuchterscheinung dokumentiert, würde Kayals Team das Ergebnis mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA abgleichen, die ebenfalls den Mond beobachtet. »Wenn dort das Gleiche gesehen wurde, kann das Ereignis als bestätigt gelten.«

Wettlauf zum Mond 2.0

Wie schon in den 1960er-Jahren ist erneut ein »Wettlauf zum Mond« im Gange: China hat ein umfassendes Mondprogramm aufgelegt und Anfang Januar 2019 eine Sonde zur erdabgewandten Seite des Mondes geschickt. Indien plant eine ähnliche Mission. Als Reaktion auf diese Initiativen hat US-Präsident Donald Trump im Mai von einer Rückkehr der USA zum Mond angekündigt.

Hinter diesen Aktivitäten stecken zum einen Prestigegründe und ein Streben nach der technologischen »Vorherrschaft« im All. Doch einige – zum Beispiel China und Akteure wie die Firma Space X – sehen auf der Mondoberfläche einen neuen Lebensraum für Menschen. Zusätzlich gibt es auf dem Trabanten Rohstoffe, die für Smartphones und andere Geräte nötig sind.

Mit diesen großen Plänen sind auch die lunaren Leuchterscheinungen von großem Interesse. »Wer irgendwann eine Mondbasis bauen will, muss die Gegebenheiten vor Ort natürlich bestens kennen«, sagt Professor Kayal.