Fragen an Maria Heriz von Tektronix »Woher wissen Sie, was der Entwickler braucht?«

Maria Heriz: „Seit einiger Zeit reden wir deutlich intensiver mit den Entwicklungsingenieuren.“
Maria Heriz: »Seit einiger Zeit reden wir deutlich intensiver mit den Entwicklungsingenieuren.«

Oszilloskop-Hersteller wollen Entwicklern die Arbeit erleichtern. Dafür müssen sie das Gespräch mit ihnen suchen. Bei Tektronix geschieht das nun deutlich intensiver, verriet Maria Heriz.

Frau Heriz, welche drei Märkte sind für Tektronix die wichtigsten?

Maria Heriz: In Europa sind das der Automobilmarkt, der Bereich Stromversorgung und Forschung. Bei der Forschung entwickeln wir vor allem Messtechnik für Rechenzentren und Quantencomputer. Der Bereich der Stromversorgung ist etwas schwerer zu fassen, weil es ja kein scharf abgegrenzter Markt ist, sondern in so gut wie allen Bereichen steckt. Hier geht es vor allem darum, den Entwicklern Messtechnik zu bieten, mit denen er Stromversorgungen optimieren kann. Meist müssen dafür sehr kleine Signale mit hoher Auflösung erfasst werden.

Sie werben mit dem Slogan »for the engineer«. Woher wissen Sie, was der Entwicklungsingenieur braucht?

Heriz: Wir reden mit ihnen. Und das tun wir seit einiger Zeit deutlich intensiver als früher. Das geschieht in erster Linie über unsere Vertriebsmitarbeiter und durch unser Distributionsnetzwerk. Aus dem verstärkten Austausch ist auch ein anwendungsorientierter Ansatz entstanden. Wir wollen nicht mehr Messgeräte mit bestimmten Messfunktionen liefern, sondern Geräte, die auf die Messaufgaben des Ingenieurs zugeschnitten sind und ihn dabei unterstützen. Das betrifft die Hardware des Messgeräts, die Software und den Tastkopf. Dafür entwickeln wir jetzt nicht mehr top-down, sondern bottom-up.

Was verstehen Sie unter einem Bottom-up-Ansatz? Völlig unabhängig vom eigenen Firmeninteresse kann ja niemand agieren.

Heriz: Es ist nicht mehr so, dass wir etwas entwickeln und dann hoffen müssen, dass unsere Ideen auch Anklang finden, sondern wir richten unsere Entwicklung stärker entlang von Kundengesprächen aus. In unsere neuesten Oszilloskope ist zum Beispiel das Wissen aus einigen hundert Gesprächen geflossen. Sie sind für uns auch Indikatoren für strategische Entscheidungen. Als wir zum Beispiel entschieden haben, stärker in die Entwicklung von grafischen Benutzeroberflächen zu investierten und unsere Entwicklungsaktivitäten bei den Tastköpfen so intensiv wie bisher fortzuführen, haben wir darüber viel mit Entwicklern und Ingenieuren gesprochen.

Bei den Tastköpfen sind wir Technologieführer und wollen das auch bleiben. Sie sind das Differenzierungsmerkmal schlechthin, weil sich an diesem Punkt entscheidet, wie viele Signaldetails mit einem Oszilloskop überhaupt auflösbar sind. Das hat sich im Austausch mit unseren Kunden auch bestätigt. Wir haben auch gemerkt, dass Entwickler häufig mehrere Messkurven auf einmal betrachten müssen und das wollen wir mit einer übersichtlichen Darstellung auf der Benutzeroberfläche ermöglichen. Deshalb investieren wir heute mehr in die GUI-Entwicklung.

Schaut man auf die Karriereseite von Tektronix, sieht man vergleichsweise wenig Stellenausschreibungen für Software-Entwickler.

Heriz: Auch für uns ist die Software das Herz von unserer gesamten Messtechnik. Sie steuert nicht nur die Hardware, sondern über sie stellen wir auch die Analysewerkzeuge für die Messdaten zur Verfügung. Wir haben große Software-Entwicklungsabteilungen in China, Indien und den USA und sie stellen eine der Kernkompetenzen im Unternehmen dar.

Wie reagieren Sie auf 5G?

Heriz: 5G ist sicherlich ein großer Wendepunkt der technischen Entwicklung. Und das gilt nicht nur für die Infrastruktur, mit der sich Mobilfunkanbieter beschäftigen und messtechnische Lösungen brauchen. Jedes 5G-Endgerät ist eigentlich ein Embedded-System, das heißt, dass die Embedded-Designer davon betroffen sind und messtechnisch nachrüsten müssen. Diesen Markt adressieren wir bereits mit Oszilloskopen und auch mit Echtzeit-Spektrumanalysatoren.

Viele Unternehmen kämpfen mit massiv gestiegenem Testaufwand. 5G schlägt in die gleiche Kerbe.

Heriz: Mit komplexeren technischen Verfahren und zunehmendem Einsatz von Simulationen ist der Testaufwand seit Jahren gestiegen. Das gilt auch für den Aufwand für eine vernünftige Datenverwaltung und Datenanalyse. Wir erschließen dafür gerade das Cloud-Computing für Testabteilungen, um diesen Aufwand beherrschbarer zu machen. Details dazu kann ich im Moment leider noch nicht mitteilen.