Siemens BlitzAtlas 2015 Wo liegt Deutschlands Blitz-Hauptstadt?

2015 hat das BLIDS bundesweit 549.784 Blitze registriert.
2015 hat das BLIDS bundesweit 549.784 Blitze registriert.

2015 registrierte der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS) rund 550.000 Blitzeinschläge in Deutschland – etwa acht Prozent weniger als im Vorjahr. 2014 war Cottbus mit 8,42 Blitzen pro km² die Stadt mit den häufigsten Einschlägen. Nun hat Deutschland eine neue Blitz-Hauptstadt.

»Im Jahr 2015 gab es in Deutschland auffallend wenige Gewitter«, erklärte Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens (BLIDS). Rund 550.000 Blitzeinschlägen hat das BLIDS im letzten Jahr registriert – halb so viele wie 2007, mit etwa 1,1 Millionen Einschlägen eines der unwetterstärksten Jahre. Laut Thern ist die diesjährige Blitz-Hauptstadt Schweinfurt eine Überraschung. Die Stadt gehöre eigentlich nicht zu den blitzreichen Regionen, doch mit 4,53 registrierten Blitzen pro km², landet Schweinfurt auf dem ersten Platz der blitzreichsten Orte Deutschlands. Dahinter folgen das Erzgebirgskreis und der Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

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Siemens BlitzAtlas 2015

Die blitzreichsten Orte in Deutschland.

Im Langzeitvergleich von 1999 bis 2015 liegen der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit durchschnittlich 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer und der Landkreis Berchtesgadener Land mit 4,0 an der Spitze. Besonders in den südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg gibt es viele Blitzeinschläge. Dagegen werden in Schleswig-Holstein eher wenige Einschläge verzeichnet. Blitze sind von der Temperatur und von der Großwetterlage abhängig und lassen sich nicht genau vorhersagen. Zwar lässt sich laut Thern erkennen mit welcher Geschwindigkeit ein ein Gewitter oder eine Gewitterfront sich in eine bestimmte Richtung bewegt, doch gibt es keine Garantie dafür, dass ein Gewitter auch auf einem bestimmten Kurs bleibt.

BLIDS nutzt rund 160 verbundene Messstationen in Europa und betreut das Messnetz in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Polen, Benelux, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. »Aus den Daten der Messstationen können wir bis auf 200 m genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat«, erläutert Thern. Seit 1991 analysiert Siemens zum Schutz von Menschen, Technik und Infrastruktur die registrierten Blitze und sendet umgehend Warnhinweise an Gewitteralarm-Kunden.

Zu den Kunden zählen unter anderem Wetterdienste, Versicherungen, Industrieunternehmen sowie Betreiber von Stromnetzen. Anhand der Informationen können zum Beispiel Betreiber von Überlandleitungen beim Ausfall einer Leitung schnell klären, ob ein Blitz oder ein umgestürzter Baum für den Stromausfall verantwortlich ist. »Falls wir den Blitzeinschlag bestätigen, kann die Leitung schnell wieder ans Netz genommen werden. Bei einem Baum dauert es natürlich länger«, so Thern.

Häufig sind Blitze der Grund für Schäden an elektrischen Geräten. Ob Fernseher, Satellitenempfänger oder Waschmaschine – hochempfindliche Elektronik kann selbst dann beschädigt werden, wenn der Blitz in größerer Entfernung einschlägt.

Davon lässt sich Sebastian Remelé, Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt, jedoch nicht einschüchtern: »Kunst und Kultur, Wohnen und Handeln, Wirtschaft und Soziales, Wissenschaft und Forschung – die Schweinfurterinnen und Schweinfurter bringen in den unterschiedlichsten Bereichen beeindruckend viel Energie auf, um unserem Motto ‚Zukunft findet Stadt‘ gerecht zu werden. Schon seit einigen Jahren befindet sich das Institut für Energie- und Hochspannungstechnik der Hochschule als Teil des Kompetenzzentrums Mainfranken am Standort Schweinfurt – mit Stolz tragen wir daher den Titel Blitz-Hauptstadt und sehen diese Auszeichnung als donnernden Applaus von oben. Denn trotz der scheinbar vielen Blitze über Schweinfurt, bleiben wir von den großen Unwettern ja Gott sei Dank meist verschont!«