National Instruments Traditionelle Box-Messgeräte sterben langsam aus

Mit dem neu realisierten Ansatz, per grafischer Systemdesign-Software die Firm- und Hardware in einem PXI-Messgerät individuell vom Anwender modifizierbar zu machen, sieht sich National Instruments in der Position, die Messtechnik-Landschaft zu verändern: hin zum völlig flexibel anwenderkonfigurierbaren Messinstrument, das den Platz mancher traditioneller Stand-alone-Box-Messgeräte einnehmen wird.

Auf der jährlichen Entwicklerkonferenz „Ni Week“ von National Instruments am Hauptsitz in Austin betonten Firmen-Mitbegründer und CEO Dr. James Truchard sowie Marketing-Vizepräsident Eric Starkloff, dass mit dem jetzt erst vorgestellten PXI-Vektor-Signal-Transceiver VST eine neue Ära in der Grundphilosophie der Messtechnik allgemein und in der Architektur von PXI-Systembus-Messgeräten im Speziellen eingeläutet sei.

Das Gerät, ein universelles PXI-HF-Messgerät bis 6 GHz, das einen Vektorsignalgenerator, einen Vektorsignalanalysator, Digital-I/Os und einen FPGA-Coprozessor kombiniert, ist nicht nur bezüglich der Auswertesoftware frei programmierbar. Die dazu genutzte Systemdesign-Softwareumbgebung LabVIEW in ihrer neuen Version 2012 ist vielmehr in der Lage, Firmware- und im FPGA damit auch ganze Hardware-Funktionsblöcke frei nach Anwender-Anforderung umzuprogrammieren. Der Nutzer eines solchen Instruments kann damit  ohne Zutun des Herstellers per Software sein HF-Analyse-Instrument völlig frei gestalten. Und das zusätzlich in der Hardware, und nicht nur wie bisher bezüglich der Software-Auswerteroutinen.

Ausmaße noch nicht allen bewusst: andere Produktkategorien im Visier

Das wirklich Entscheidende ist aber: Diese Philosophie der Umprogrammierbarkeit von Hardware via LabVIEW und FPGA wird sich auch in andere Messtechnik- und Automatisierungstechnik-Produktkategorien hinein übertragen lassen: Eine Tatsache, die vielen Anwendern noch gar nicht bewusst sein dürfte.

Und wie Firmen-Mitbegründer und CEO Dr. James Truchard im Interview betonte, ist damit eine neue Ära der Messtechnik eingeläutet, die gekennzeichnet ist durch eine völlig freie Anwender-Definierbarkeit sämtlicher Funktions-Strukturen eines Messgerätes per Software: „Bisher war zwar ein großer Teil von Auswerte-Algorithmen sowohl in Systembus- wie auch in traditionellen Box-Stand-alone-Messgeräten schon ganz oder teilweise frei modifizierbar. Dass nun aber funktionsentscheidende Strukturen der Firm- und Hardware sozusagen umprogrammierbar sind, ist ein völlig neuer Ansatz, dessen Realisierung uns durch den Einsatz neuester FPGA-Bauelemente und die neue Version 2012 der Systemdesign-Softwareumgebung LabVIEW möglich geworden ist.“

Mit diesem weltweit neuen Messgeräte-Konzept agiert der US-Konzern National Instruments nicht nur technologisch einen Meilenstein setzend, sondern wirtschaftlich auch u.a. gegen Markt-Mitbewerber Agilent Technologies, der einerseits auch im PXI-Systembus-Sektor mit über 50 Modulen vertreten ist, der aber andererseits gerade im HF-Messtechnik-Sektor eine markante Vorbild-Position einnimmt: Denn schließlich bilden HF-Messplätze auf Basis des Agilent-Signalanalysators PXA einen Standard für diesen Sektor der Messtechnik.

NI: „Langsames Aussterben von traditionellen Box-Messgeräten“

Für wesentliche Aufgaben der HF-Kommmunikations-Messtechnik, beispielsweise bei der Entwicklung von 802.11ac- oder LTE-Wireless-Netzen, reklamiert National Instruments bei Anwendung des neuen VST nämlich Messzeiten, die radikal kürzer sind als mit einem herkömmlichen Messplatz.

Eric Starkloff, Marketing-Vizepräsident von National Instruments, sieht durch den neuen PXI-Geräte-Ansatz sicher das traditionelle Box-Messgerät „vor einem langsamen Aussterben, wobei allerdings einschränkend zu berücksichtigen ist, dass für spezielle Anwendungen in Entwicklungslabors nach wie vor herkömmliche Messgeräte benötigt würden: „Das herkömmliche Box-Instrument ist eben ohne von außen kommende Software-Programmierung mit einigen Tastendrücken rasch einstellbar, wenngleich gegenüber unserem neuen Ansatz dadurch aber auch Funktionseinschränkungen zu verzeichnen sind. Letztlich aber gehört die Zukunft dem Systembus-Messgeräte-Einschub, der für viele Aufgaben eben deutlich flexibler und in den meisten Parametern auch schneller ist.“