Ron Nersesian von Keysight Technologies »Regelmäßig werden neue Meilensteine gesetzt und erreicht«

Die IoT-Technologie benötigt dringend schnellere, effektivere Datenübertragungsverfahren.
Die IoT-Technologie benötigt dringend schnellere, effektivere Datenübertragungsverfahren.

Für die Entwicklung des IoT werden schnellere und effektivere Datenübertragungsverfahren benötigt, so wie der Mobilfunkstandard 5G. Welche Rolle spielt die Messtechnik bei der Entwicklung von 5G und welche Schritte sind als nächstes nötig? Die Elektronik sprach dazu mit Ron Nersesian von Keysight.

Elektronik: Welche Fortschritte wurden bei 5G in jüngster Zeit erreicht?

Ron Nersesian: Die 5G-Technik reicht von neuartigen Funkschnittstellen über die Nutzung neuer Millimeterwellenbänder bis zu neuen MIMO-Techniken, neuen Netzwerktopologien, neuen Bauelementen usw. Unsere Teams arbeiten mit Kunden in aller Welt bei Forschungs- und frühen Entwicklungsprojekten zusammen. Dabei werden regelmäßig neue Meilensteine gesetzt und erreicht. Um einige Highlights aus jüngerer Zeit zu nennen: Die University of California San Diego (USA) arbeitet an einer Technik für strahlformende Millimeterwellenantennen. Auch wurden erste Millimeterwellen-Funkschnittstellen mit Datenraten von mehreren Gbit/s und einige hochinteressante Techniken für die Visualisierung von Netzwerken demonstriert.

Elektronik: Welche Entwicklungen in der Messtechnik haben dazu beigetragen?

Ron Nersesian:Die Messtechnik ist voll in die 5G-Entwicklung eingebunden – von grundlegenden Messungen an Hochfrequenzbauteilen und -systemen über Antennenmessungen bis zum Entwurf und zur Software-Simulation erster Prototypen. Wir unterstützen Kunden beispielsweise bei Millimeterwellen-Kanalmessungen und bei der Entwicklung von Kanalmodellen mit Blick auf neue, noch leistungsfähigere mobile Breitbandsysteme. Die Techniken für Kanalcharakterisierung und -modellierung sind nur zwei von vielen Beispielen für Mess-, Test-, Entwurfs- und Simulationslösungen von Keysight, die zur Entwicklung der 5G-Technik beitragen.

Elektronik: Welche Herausforderungen bei 5G müssen als nächstes gelöst werden?

Ron Nersesian:Die 5G-Technik bringt Veränderungen in allen Bereichen des Mobilfunknetzes mit sich. Die vielleicht wichtigste Frage ist, wie man ein verbessertes mobiles Breitbandsystem wirtschaftlich und effizient implementiert – wie man beispielsweise Datenraten von 5 Gbit/s für ein extrem anspruchsvolles Publikum erschwinglich macht und zugleich eine Möglichkeit findet, den Energiebedarf, der derzeit etwa 2 kWh pro übertragenem Gbit beträgt, zu reduzieren.

Elektronik: Wie muss sich dafür die Messtechnik weiter entwickeln?

Ron Nersesian: Wir bieten Lösungen für viele dieser Messungen und können unsere Kunden mit Design-Tools helfen, diese Herausforderungen zu meistern. Allerdings müssen wir noch das Thema angehen, dass einige unserer Testlösungen ursprünglich für die Luft-/Raumfahrt/Wehrtechnik entwickelt wurden – was angesichts des Frequenzbereichs nicht verwunderlich ist. Die kommerzielle Mobilfunkindustrie geht ihr Geschäft jedoch anders an und hat andere Innovationszyklen und Budgetierungsprozesse. Wie immer, wenn wir revolutionäre Techniken eingeführt haben, müssen wir uns auch diesmal überlegen, wie wir diese komplexen, anfangs sehr kostspieligen Testlösungen auf die finanziellen Möglichkeiten der Marktsegmente zuschneiden können, die kommerziellen Bedingungen unterliegen.

Elektronik: Wann kann man mit der Markteinführung von ersten 5G-Geräten rechnen?

Ron Nersesian:Seit 2013 liefert Keysight Design- und Testlösungen, die auch 5G-Anwendungen unterstützen. Unsere ersten 5G-spezifischen Produkte haben wir 2015 vorgestellt: die 5G Libraries für SystemVue sowie zwei Referenzlösungen für Millimeterwellen-Testsysteme – eine für Transceiver-Tests und die andere für Millimeterwellen-Kanalmessungen. Darüber hinaus bieten wir flexible Modulations-/Demodulations- und Analyse-Software an, die den Kunden hilft, ihre ersten Funkschnittstellendesigns zu validieren, bis zu deren Standardisierung es allerdings noch Jahre dauern wird. Wie unsere Kunden tun auch wir die ersten Schritte auf diesem Gebiet. Wir werden mit einem schnell wachsenden Angebot an 5G-Lösungen die Industrie dabei unterstützen, ihre Visionen zu verwirklichen.

Ron Nersesian
kam 2002 zu Agilent Technologies. Er hatte mehrere Führungspositionen bei Agilent inne, unter anderem war er Geschäftsführer der Electronic Measurement Group, aus der 2014 Keysight Technologies hervorging. Seit der Abspaltung ist er CEO von Keysight Technologies.