Oszilloskope Noch präziser durch höhere Auflösung

Albert Hanselmann, Europa-Vertriebs-Chef von Teledyne-LeCroy, zeigt die Touchscreen-Bedienoberfläche der neuen High-Definition-Oszilloskope.
Albert Hanselmann, Europa-Vertriebs-Chef von Teledyne-LeCroy, zeigt die Touchscreen-Bedienoberfläche der neuen High-Definition-Oszilloskope.

Nach der Übernahme gleich eine neue Scope-Reihe: Teledyne-LeCroy (früher: LeCroy) bringt mit den HDO-Geräten (High Definition Oscilloscopes) eine Gerätefamilie auf den Markt, die weniger durch Höchstgeschwindigkeits-Abtastraten oder Super-GHz-Bandbreiten auffällt, wohl aber durch gesteigerte Amplitudenauflösung in Form von 12-bit-A/D-Wandlern in den Eingangsstufen.

Wie berichtet, hat der hauptsächlich im gehobenen Software-, Messtechnik- und Industrie- sowie Militär-/Raumfahrtelektronik-Bereich tätige Konzern Teledyne den Scope- und Analysator-Hersteller LeCroy übernommen. Dieser nennt sich nun "Teledyne-LeCroy" (www.teledynelecroy.com). Bezüglich Personal, Vertrieb und Produktspektrum hat sich durch die Übernahme nichts verändert, die Labors und Fertigungen bei LeCroy arbeiten unverändert weiter.

Synergie-Effekt durch die Übernahme

Letztlich war von vorneherein klar, dass ein gewisser Synergie-Effekt durch die Übernahme eintritt: Teledyne stärkt sein Portfolio im Bereich der Oszilloskop- und Analysator-Messtechnik um ein Angebots-Spektrum, das (bei den Scopes) neben Tektronix und Agilent zum Spitzen-Trio in diesem Industriesegment zählt. Und: Mit LeCroy kann (was zu vermuten ist) der Aufbau einer hochwertigen Test-Division im Hause Teledyne durchaus rasch und erfolgversprechend gelingen.

Andererseits erhält LeCroy die Möglichkeit, das Know-how von Teledyne ebenso zu nutzen wie dessen weltweite Corporate Identity, die ja im gehobenen Industrieelektronik-Sektor und auch im Militär- sowie Aerospace-Bereich eine sehr gute Reputation hat. Und schließlich dürfte das erklärte Ziel von  LeCroy-CEO Thomas Reslewic sein, möglichst rasch die 100-GHz-Echtzeit-Bandbreiten-Grenze bei den Scopes zu überwinden (derzeit ist man bei 65 GHz), was durch Synergie- und Finanzierungs-Effekte aus dem übernehmenden Konzern in nähere Reichweite rücken sollte.

Die neueste Oszilloskop-Entwicklung, die auch genau jetzt dem Markt vorgestellt wurde, zielt allerdings nicht auf den High-speed-Echtzeit-Sektor ab, sondern auf den von Anwendern sehr gefragten 1-GHz-Bandbreiten-Bereich, und hier mit einer höheren Amplituden-Auflösung in den Eingangsstufen, nämlich 12 bit. Die zwei neuen Geräteserien nennen sich deshalb auch "High Definition Oscilloscopes" (HDO), und zwar HDO4000 und HDO6000. Technische Basis beider Serien ist die "HD4096"-Architektur, wobei mit der Ziffer 4096 nichts anderes gemeint ist als die Anzahl der erfassbaren Amplituden-Quantisierungsstufen. Damit erfolgt die Anzeige der Signale natürlich präziser und detailreicher - letztlich mit einer 16-fach höheren Auflösung als mit herkömmlichen 8-Bit Oszilloskopen.

Die HDO4000- und HDO6000-Oszilloskope bieten Bandbreiten von 200 MHz bis 1 GHz. Alle Geräte verfügen über einen 12,1-Zoll-Touchscreen-Bildschirm und eine intuitive Bedienoberfläche, die auch per Finger beispielsweise das Ziehen und Zoomen erlaubt. Außerdem sind praxisgerechte Debugging-Werkzeuge, eine große Anzahl an automatisch arbeitenden Messroutinen sowie umfangreiche Mathematikfunktionen vorhanden. Zu diesen Werkzeugen gehört zum Beispiel WaveScan, die automatische Online-Überwachung von Signalen, ein History-Modus für erfasste Kurven, ein Sequenz-Modus zur intelligenten Nutzung des großen Erfassungsspeichers sowie LabNotebook, womit die automatische Dokumentation, Speicherung aller Daten und Erstellung von Berichten erledigt werden kann. Zwei neue Optionen, die Spektrumanalysator-Funktion und die Leistungsmessung und -analyse, erweitern den Funktionsumfang und nutzen dabei sehr gut die 12-bit-Architektur mit ihrem größeren Dynamikbereich und ihren präziseren Messergebnissen.

Zusätzlich zu der HD4096-Architektur verfügen die HDO-Scopes über das "Teledyne LeCroys ERES"- (Enhanced RESolution) Filter (eigentlich ein bandbreitenbeschränkender Tiefpass), was dem Anwender im Endeffekt bis zu drei zusätzliche Bits für eine vertikale Auflösung von insgesamt 15 bit bietet, eben unter der genannten Bandbreiten-Einschränkung.

Die HDO4000-Oszilloskop-Serie verfügt über eine Abtastrate von 2,5 GS/s bei einem Erfassungsspeicher von 25 MPunkten (50 MPunkte kaskadiert bei halbierter Kanalzahl). Es gibt zwei- und vierkanalige Instrumente mit den genannten Bandbreiten von 200 MHz bis 1 GHz. Die HDO6000 Serie bietet ausschließlich vierkanalige Instrument mit 2,5 GS/s Abtastrate, einer Bandbreite von 350 MHz, 500 MHz und 1 GHz bei einem maximalen Erfassungsspeicher von 250 MPunkten (500 MPunkten kaskadiert).