Interview mit Rahman Jamal LabVIEW NXG – so geht es weiter

Rahman Jamal, Business & Technology Fellow, National Instruments
Rahman Jamal, Business & Technology Fellow, National Instruments

Nach über dreißig Jahren erfolgreicher Entwicklung hat National Instruments seine grafische Programmierumgebung Labview neu aufgelegt. Erste Versionen des Nachfolgers gibt es bereits.

Welche Entwicklungsschritte nun folgen und welche Funktionen Anwender erwarten können, erklärt Rahman Jamal, Business & Technology Fellow.

Elektronik: Herr Jamal, Labview NXG ist das größte Entwicklungsprojekt der jüngeren Firmengeschichte und wird schrittweise entwickelt. Wie soll das Endergebnis aussehen und wie unterscheidet es sich von der klassischen Version? 

Rahman Jamal: Vereinfacht gesagt, kann der Anwender davon ausgehen, dass jede neue Version kontinuierlich die Sprachen und die Hardware unterstützt, die er auch von der aktuellen Version des klassischen Labview kennt – und das auf der Basis modernster Software-Engineering-Konzepte. Der erste Wurf von Labview NXG war hauptsächlich auf die Unterstützung unserer Hardwarepalette zur Datenerfassung ausgelegt. Die neue Version ist für automatisierte Tests konzipiert, fokussiert also die PXI-Plattform.

Was die Funktionen anbelangt, wird es den gleichen Umfang wie bei der klassischen Version geben, der allerdings auf neue und innovative Weise zur Verfügung gestellt wird. Hinzu kommen neue Funktionen für die Verwaltung verteilter Systeme und die Entwicklung von über das Web gehosteten Benutzeroberflächen zur Anbindung an bereits bestehende Systeme. 

Die aktuellste Version kam Ende Januar heraus. Welche Funktionen können Anwender bereits nutzen und was fehlt noch? 

Labview NXG wartet mit vielen neuen Funktionen auf! Lassen Sie mich auf eine davon näher eingehen: Nehmen wir ein aktuelles Beispiel aus dem Umfeld des IIoT bzw. Industrie 4.0. Solche Anwendungen bergen einige Herausforderungen. So führt etwa das exponentielle Wachstum an OT-Systemen wie smarten Sensoren oder Überwachungsgeräten zu einem erhöhten Systemverwaltungsaufwand.

Außerdem sind IIoT-Umgebungen dynamisch und befinden sich in einem steten Wandel, denn es gilt, regelmäßig Sicherheits-Updates zu installieren, neue Technologien zu integrieren, IIoT-Netzwerke zu aktualisieren usw. Es kommt also zu einer Konvergenz von IT und OT.

Die Skalierung und Verwaltung großer IIoT-Anwendungen werden also immer wichtiger, sprich Software-Konfigurationsmanagement rückt immer mehr in den Fokus. Das wird sowohl mit dem kürzlich bekanntgegebenen SystemLink als auch mit dem in der neuen NXG-Version enthaltenen SystemDesigner adressiert. Beim SystemDesigner handelt es sich um eine Art ‚Reißbrett‘, auf dem sich die Konfiguration physikalischer Systeme visuell darstellen lässt. Die Anwendungen lassen sich so den unterschiedlichen Hard- und Softwareelemente hinzufügen – der Systemgedanke steht also im Vordergrund. Zudem kann der Anwender damit Programmcode zur Ausführung auf der Hardware erzeugen und seine Ressourcendokumente verwalten. 

Wie viele Anwender nutzen heute das klassische LabVIEW und wie viele LabVIEW NXG? 

Das ist schwer zu sagen, weil jedem Kunden mit dem Kauf von LabVIEW gleich beide Versionen bereitgestellt werden. Die Idee dahinter ist, dass sich Bestandskunden mit der neuen Version erst einmal vertraut machen können und erst dann umsteigen, wenn ihre eigenen Projekzeitpläne und wachsende Anforderungen an das System es erlauben bzw. erfordern. 

Der Support für das klassische LabVIEW soll nicht eingestellt werden, um zu vermeiden, dass Nutzer sich zum Wechsel gezwungen fühlen. Mit welchen Argumenten wollen Sie sie überzeugen? 

Jamal: Wir empfehlen Bestandskuden den Umstieg auf LabVIEW NXG, damit sie ihre bestehenden Systeme vervollständigen können. Mit Funktionen wie den WebVIs oder dem Package Manager lässt sich LabVIEW NXG zusammen mit Labview 201x in bereits bestehenden Applikationen einsetzen. Es ist also keine binäre Entscheidung für das eine oder andere. 

Das Interview führte Markus Haller, Elektronik.
 
National Instruments auf der embedded world 2018:  Halle 4, Stand 108