Mathias Leutiger, Rohde & Schwarz »Im Labor und Feldeinsatz gibt es immer komplexere Messaufgaben«

R&S RTO2000
R&S RTO2000

Vor wenigen Jahren ist Rohde & Schwarz in den Oszilloskop-Markt eingestiegen. Ein schnell wachsendes Portfolio addressierte die Bedürfnisse von Entwicklern. Die Elektronik hat den Leiter des Produktmanagements für Oszilloskope, Mathias Leutiger, nach den aktuellen und den zukünftigen Trends befragt.

Die neuesten Produkte der Oszilloskop-Sparte von Rohde & Schwarz sind der mobile R&S ScopeRider und das R&S RTO2000 (siehe Bild und Kasten unten) mit Touchscreen. Sehen Sie in diesen beiden Themen – Mobilität und intuitive Bedienung – die aktuellen Oszilloskop-Trends? Wie werden sich diese beiden Themen in zukünftigen Produkten von Rohde & Schwarz äußern?

Mathias Leutiger: In mobilen Oszilloskop-Anwendungen im Labor und auch im Feldeinsatz gibt es immer komplexere Messaufgaben zu bewältigen. Auch an Maschinen, wie sie in Produktionshallen stehen, nimmt die Komplexität der Elektronik zu. Daher werden für elektronische Service- und Installationsaufgaben verstärkt Geräte nachgefragt, die unabhängig vom Stromnetz, also akkubetrieben, einen großen Umfang an Messmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig soll diese Vielfältigkeit jedoch einfach und intuitiv benutzbar sein, um die Messtechnikhürden möglichst niedrig zu halten und die Aufgaben effizient abwickeln zu können. Der portable R&S Scope Rider erfüllt schon heute die beiden Zukunftsthemen Mobilität und intuitive Bedienung. Die Forderung nach intuitiver Bedienung trotz komplexer Mess­aufgaben stellt sich natürlich auch bei Laboranwendungen mit Tischgeräten. Hier bieten große Touch-Bildschirme gepaart mit einem intelligenten Be­dienkonzept wie beim neuen R&S RTO2000 eine gute Voraussetzung, dem Anwender das Leben leicht zu machen – sowohl heute als auch in Zukunft.

Der R&S RTO2000 hat einen 8-bit-A/D-Umsetzer. Mit der HD-Option kommt man digital auf 16 bit. Der R&S ScopeRider hat einen neu entwickelten 10-bit-A/D-Umsetzer (natürlich bei deutlich kleinerer Abtastrate). Wird sich die Auflösung der A/D-Umsetzer in nächster Zeit auch bei den größeren Geräten erhöhen?

Leutiger: Bei Oszilloskopen wird die tatsächlich zur Verfügung stehende vertikale Auflösung durch das Gesamtsystem bestehend aus A/D-Umsetzer, analogem Front-End, Filtern und Verstärkerkomponenten bestimmt. Damit muss mit steigender Auflösung des A/D-Umsetzers auch die Qualität des Gesamtsystems wachsen, sonst ist die erhöhte Auflösung in der Applikation des Anwenders nicht nutzbar. Ein gutes Beispiel stellen hier die 16-bit-HD-Optionen der Oszilloskope R&S RTE und R&S RTO dar. Diese ermöglichen es, Signale mit einer bis dahin nicht erreichten Auflösung und Dynamik darzustellen, zu analysieren und darauf zu triggern. Das ist für Anwendungen wie beispielsweise Spannungsversorgungsmessungen oder Messungen an Sensorik im industriellen oder im medizintechnischen Umfeld erforderlich.

Das Bandbreitenangebot bei Rohde & Schwarz geht bisher bis in den einstelligen GHz-Bereich. Beispielsweise im Hinblick auf 5G und das Internet der Dinge mit steigenden Datenraten bei drahtlosen Übertragungen werden auch deutlich höhere Bandbreiten benötigt. Wie wird das Thema bei Rohde & Schwarz behandelt?

Leutiger: Eine Messlösung für 5G-Anwendungen bis 85 GHz liefern wir bereits heute in der Kombination aus dem Spektrumanalysator R&S FSW und dem R&S RTO. Darüber hinaus ist es uns wichtig, unseren Kunden Komplettlösungen bestehend aus Oszilloskop-Grundgeräten mit darauf abgestimmten Tastköpfen und den entsprechenden Applikationen inklusive des nötigen Zubehörs anzubieten. Im vergangenen Jahr haben wir zehn Produkte neu in den Markt eingeführt. Selbstverständlich arbeiten wir am weiteren Ausbau des Oszilloskop-Produktportfolios – hierzu zählen auch höhere Bandbreiten.

Welche allgemeinen Trends sehen Sie am Oszilloskop-Markt?

Leutiger: Sie haben das Thema Internet der Dinge angesprochen. Dieses kann man exemplarisch für den allgemeinen Trend im Oszilloskop-Markt sehen. Hier treffen Analog-, Digital- und Funktechnik innerhalb eines elektronischen Systems zusammen. Oszilloskope, die umfassende Messungen von der Energieversorgung über Kommunikations- und Datenschnittstellen zwischen Prozessoren, Speichern, Sensoren bis hin zur Funkschnittstelle meistern, stehen hoch im Kurs. Unsere Oszilloskope sind für diese Aufgaben gut gerüstet, weil sie souverän mit schwachen Signalen umgehen und sehr schnell im Auffinden von Fehlern sind. Außerdem bieten sie ein umfangreiches Angebot im Bereich der Protokollanalyse und leistungsfähige HF-Analyse-Werkzeuge an.