Deutsche Elektroexporte China und Polen als Hoffnungsträger

Die deutschen Elektroexporte sind laut ZVEI im April um 20 % eingebrochen. Besonders in die USA und Frankreich wurde weniger geliefert. Gegen den Negativtrend stemmen sich Polen und vor allem China.

Das erste Quartal hatte die deutsche Elektroindustrie noch glimpflich überstanden, danach aber brach die »volle Wucht« des Lockdowns herein. Im zweiten Quartal 2020 gingen die Exporte um 20 % gegenüber dem Vorjahr zurück und spülten insgesamt magere 13,5 Mrd. Euro in die Kassen. »Einen derart schweren Rückschlag hatten wir zuletzt als Folge der Finanzkrise im ersten Halbjahr 2009«, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. Auch die Importe nach Deutschland wurden an die flache Wirtschaftslage angepasst und ging im April um 16,7 % gegenüber Vorjahr zurück auf 12,9 Mrd. Euro.

Auf die ersten vier Monate betrachtet, entspannt sich das Bild ein wenig: Die Exporte liegen mit insgesamt 66,7 Mrd. Euro um 6,2 % unter dem Vorjahreszeitraum. Durch die rückläufigen Importe (6,7 % unter Vorjahreszeitraum, insgesamt 60,9 Mrd. Euro) beläuft sich der Exportüberschuss auf 5,8 Mrd. Euro.

Erholung in China wirkt sich auch auf deutsche Elektroindustrie aus

Die Exportrückgänge in Länder der Eurozone waren im April mit 29,5 % etwa doppelt so hoch wie die in die Länder außerhalb des Euroraums (15,7 %). Die größten Rückläufe stellen die Länder Frankreich, USA und Italien dar – sie stehen für ein Minus von rund 1,1 Mrd. Euro. Angezogen haben dagegen die Exporte nach Polen (+2,3 %) und nach China (+17,5 %). Letzteres beläuft sich im April auf 2,1 Mrd. Euro und liegt damit weit vor den Ausfuhren in die USA mit einem Wert von 1,2 Mrd. Euro. Vor allem die wirtschaftliche Erholung in China, die schon im März spürbar wurde, ist laut Gontermann dafür verantwortlich, dass die Exportrückgänge in Länder außerhalb der Eurozone deutlich kleiner ausgefallen sind, als die Rückgänge innerhalb der EU-Länder.

Die Mehrheit der befragten ZVEI-Mitglieder sieht die Talsohle mittlerweile als durchschritten an. Für den ZVEI ist aber auch klar, dass die Krise ein deutliches Minus hinterlassen werde. Wie hoch es am Ende genau sein wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. »Es ist aber durchaus möglich, dass wir im Durchschnitt dieser breiten Branche auf Jahressicht Umsatzeinbußen in der Größenordnung von zehn Prozent werden hinnehmen müssen«, sagt ZVEI-Präsident Michael Ziesemer.

Beschäftigungssituation durch Corona

Aktuell befindet sich ein Fünftel der Branchenbeschäftigen in Kurzarbeit. Knapp 90 % der ZVEI-Mitglieder berichten von leichten Beeinträchtigungen in den Betriebsabläufen, 5 % von schweren. Die Hälfte der Unternehmen hat ihre Produktionskapazitäten gekürzt, insbesondere in Deutschland (rund 40 %) und Europa (rund 35 %). Ein Personalabbau ist bei der Mehrheit der befragten Unternehmen nicht geplant.

Welche Lehren lassen sich für die deutsche Elektroindustrie aus der Corona-Pandemie ziehen? In einer Umfrage des ZVEI gaben 30 % der Firmen an, ihre Lieferketten regionaler auszurichten. Ein Fünftel will seine Lieferketten breiter aufstellen und 10 % wollen ihre Lagerkapazitäten demnächst erhöhen. Rund 70 % der befragten Unternehmen gaben an, künftig vermehrt auf Homeoffice zu setzen.

Konjunkturpaket trifft auf breite Zustimmung

Das aktuelle Konjunkturpaket der Bundesregierung bewerten drei Viertel der Befragten als positiv. »Es ist richtig, dass die Industrie in der Breite gefördert wird und nicht einzelne Produktgruppen«, meint Ziesemer. Beim Wiederhochlauf der Wirtschaft komme es nun darauf an, gezielt in emissionsmindernde Technologien und in eine digitale Infrastruktur zu investieren. Dafür müsse der CO2-Preis steigen und der Strompreis deutlich sinken. Die geplante Senkung der EEG-Umlage kritisiert Ziesemer als zu wenig. »Mehr als zwei Cent/kWh sollte die EEG-Umlage nicht ausmachen. Perspektivisch sollte sie sogar abgeschafft werden.«

Für das 2. Halbjahr 2020 erwarten die ZVEI-Mitglieder einen Umsatzrückgang von 8 %, für das Gesamtjahr ein Minus von 7 %.