Siemens Blitzatlas 2019 weit weniger Blitze als 2018 verzeichnet

Blitzhauptstadt 2019 ist Speyer.
Blitzhauptstadt 2019 ist Speyer.

Jährlich veröffentlicht Siemens den Blitzatlas für Deutschland. Waren es 2018 noch 446.000 Blitze in der BRD, so ging die Blitzhäufigkeit im Jahr 2019 um knapp 30 Prozent zurück. Grund war hauptsächlich der stabile und trockene Sommer mit wenigen Gewittern.

Blitz-Hauptstadt Deutschlands 2019 ist Speyer mit 3,1 Blitzeinschlägen pro km2 – und löst somit Schweinfurt ab. Kurios: Im Ranking für 2019 liegt Schweinfurt gar auf dem drittletzten Platz. Blitzärmste Stadt war im vergangenen Jahr dagegen Hof, hier waren es lediglich 0,07 Blitze pro km2. Der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS) registriert und zeichnet seit 1991 Blitze auf.

Hinter Speyer auf den Plätzen zwei und drei reihen sich 2019 die Städte Rostock und Lübeck ein. Insgesamt wurden im Jahr 2019 329.000 Blitz-Einschläge verzeichnet – ein historischer Tiefstand im Vergleich zu den letzten 12 Jahren und knapp 30 Prozent weniger als 2018. 2007 wurden noch weit über 1 Million Blitzeinschläge in der ganzen Bundesrepublik aufgezeichnet. Blitzstärkster Tag war 2019 der 12. Juni, die meisten Blitze wurden dabei in Bayern registriert, die höchste Blitzdichte trat dagegen in Berlin auf. Europäischer Spitzenreiter ist das italienische Triest mit angrenzendem Hinterland, hier wurden bis zu 10 Blitze pro Quadratkilometer gemessen.

Insgesamt 160 Messstationen nutzt der Blitzmessdienst in Europa. Antennen messen das elektromagnetische Signal eines Blitzes, die BLIDS-Zentrale sammelt die Daten, die mit einer Karte graphisch aufbereitet werden. Welches Bundesland im Blitz-Ranking welchen Platz belegt, zeigt unsere Bilderstrecke.

Bilder: 16

Blitzatlas 2019

Die Bilderstrecke zeigt die Platzierungen der einzelnen Bundesländer im Blitzatlas 2019.

Trockener Sommer verhindert Gewitter

»Das Jahr 2019 war in Deutschland, Mittel- und Westeuropa ausgesprochen blitzarm, wir verzeichneten wenige Gewitter und deutlich weniger Erdblitze, also Blitzeinschläge«, so Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens. »Es war schlicht zu trocken. Denn Gewitter benötigen Hitze und Feuchtigkeit«. Insgesamt gab es 2019 in Deutschland 13 Tage mit mehr als 10.000 Einschlägen, so Thern. Bei einer relativ geringen Stadtfläche wie in Speyer reichen einige wenige Gewitter, um letztlich eine hohe Blitzdichte auszuweisen, erklärt der Experte. Im Fall der beiden »Nordlichter« Rostock und Lübeck spiele vermutlich die Nähe zur Ostsee eine Rolle.

Warnhinweise für BLIDS-Kunden

Seit 1991 analysiert Siemens die registrierten Blitze und sendet umgehend Warnhinweise an die Gewitteralarm-Kunden – zum Schutz von Menschen, Technik und Infrastruktur. Die Kunden des Blitz-Informationsdienstes sind Wetterdienste, Versicherungen, Industrieunternehmen aller Branchen sowie Betreiber von Stromnetzen, (Sport-)Anlagen und neuerdings Feuerwehren. »BLIDS hilft festzustellen, ob ein Blitzeinschlag einen Schaden oder Ausfall verursacht hat«, sagt Stephan Thern.

Blitze sind der Grund für viele Schäden an elektrischen Geräten. Blitze können die meist hochempfindliche Elektronik beispielsweise in Fernsehern, Waschmaschinen oder Industriesteuerungen selbst dann beschädigen, wenn der Blitz in größerer Entfernung einschlägt. Für Verbraucher und Endkunden bedeutet der Nachweis eine Kostenersparnis, da Blitzeinschläge in der Regel versichert sind.
Dank der fortschreitenden Digitalisierung und der rasant gestiegenen Rechen- und Speicherkapazitäten gelingt BLIDS eine immer schnellere und präzisere Datenübertragung von mittlerweile unter zehn Sekunden nach einem Blitzeinschlag. Um Kunden die Blitzdaten auf ihren PCs und Mobilgeräten verfügbar zu machen, stellt der Blitz-Dienst ebenfalls Cloud-basierte Anwendungen bereit.