Kommentar Windows Phone und Nokia: Hoffen auf die Gnade Microsofts

Frank Riemenschneider, Elektronik
Frank Riemenschneider, Elektronik

Nokia hat sich für seine zukünftigen Samrtphones auf Windows Phone festgelegt - was sind die Folgen für die Chiphersteller?

Der immer noch weltgrößte Handy-Hersteller führt einen radikalen Wechsel hinsichtlich seiner Smattphone-Strategie durch, imdem er Windows Mobile als primäres Betriebssystem für seine zukünftigen Geräte ankündigte. Zuvor plante Nokia von der veralteten Symbian-Plattform auf MeeGo, eine in Zusammenarbeit mit Intel entwickelte Linux-Plattform, zu wechseln. Das Bündnis mit Microsoft dürfte auch eine Folge der Anheuerung des neuen CEO Stephen Elop sein, der ja zuvor als Manager bei Microsoft arbeitete.

Sowohl Microsoft als auch Nokia haben in den letzten Jahren stetig Marktanteile im Smartphone-Markt verloren, erst an Apple und dann an Android. Zusammen könnten die beiden Firmen jedoch mehr Erfolg haben. Obwohl Windows Phone 7 oft kritisiert wird, ist es zweifelsohne zumindest besser und moderner als Symbian und es ist ebenso viel verbreiteter als MeeGo. Nokia könnte Windows Phone die Masse an Installationen bieten, die es braucht, um den Markt mit Apps zu überschwemmen, wie es bei Apple und Android der Fall war und ist. Zudem ist Microsoft bereit und fähig, den Großteil der Kosten zu tragen, was das angeschlagene Nokia entlastet. Und last but not least dürfte Elop mit Microsoft einen sehr attraktiven Deal ausgehandelt haben, indem er mit Google in der Hinterhand gedroht hat.

Bei Qualcomm dürften unmittelbar nach der Ankündigung die Sektkorken geknallt haben, da man ja sämtliche Smartphones, die in der ersten Windows-Phone-Welle ausgeliefert wurden, mit seinem Snapdragon Applikations- und Basisbandprozessor ausstatten durfte. Selbst wenn Microsoft eventuell sein Betriebssystem auch auf andere Prozessoren portieren würde, wird Qualcomm zweifelsfrei Zugriff auf Nokias erste Windows-Handys, die 2012 kommen dürften, bekommen. Da Qualcomms Marktanteil bei Nokia heute gegen Null tendiert, ist das Wachstumspotential natürlich gigantisch, immerhin lieferte Nokia auch 2010 trotz sinkender Marktanteile noch mehr als 100 Mio. Smartphones aus.

Intel hatte gehofft, über MeeGo und die spezielle Rolle als Nokias Betriebssystem-Partner mit eigenen Atom-getriebenen SoCs ins Geschäft zu kommen – diese Hoffnung ist nun erstmal gestorben. Bitter sieht die Sache jedoch auch für andere Lieferanten wie Broadcom, Texas Instruments und speziell ST-Ericcson, Nokias Hauptlieferanten für Dual-Core-Prozessoren für Symbian-Handys, aus. Sie alle müssen hoffen, dass Microsoft Windows Phone auch auf ihre Prozessoren portiert, andernfalls dürfte das Geschäft mit Nokia beendet sein. Wir dürfen gespannt sein, welchem Chip-Lieferanten die Gnade Microsofts zuteil wird – bis dahin hat Windows-Phone-Platzhirsch Qualcomm nur ein Problem: Möge der Sekt nicht zuneige gehen.