Mobilfunk Wie Qualcomm die Wireless-Zukunft sieht

Qualcomm President und Chief Operating Officer Steve Mollenkopf: "Smartphone- und PC-Welt wachsen in den Wireless-High-speed-Technologien zusammen."
Qualcomm President und Chief Operating Officer Steve Mollenkopf: "Smartphone- und PC-Welt wachsen in den Wireless-High-speed-Technologien zusammen."

Während eines firmeneigenen Technologie-Innovationstages ließ der Kommunikationstechnik-Konzern Qualcomm Fachleute aus der Branche einen Blick hinter die Kulissen der High-tech-Schmiede werfen. Wir waren dabei - hier die wichtigsten Trends.

Neben Europa-Chef Enrico Salvatori gab vor allem President und Chief Operating Officer Steve Mollenkopf einen Einblick in die Technologie-Planungen, Szenarien und Visionen, die Qualcomm für die Wireless-Zukunft der nächsten Jahre entwirft.

Basis aller Überlegungen sei zunächst, dass nach allgemeinem Konsens der Fachleute zwischen 2010 und 2015 der Wireless-Datendurchsatz weltweit sich verzehnfachen werde. Exponentielles Wachstum werde dann durch Hochgeschwindigkeits-Netze und immer leistungsfähigere Mobilgeräte hervorgerufen, so dass man bis 2020 im Vergleich zu 2010 schließlich den 1000-fachen Funk-Daten-Durchsatz erwarte. Es sei gut, mit diesen hohen Zahlen zu rechnen, so Enrico Salvatori, denn damit sei man auf der sicheren Seite und unterschätze die geforderten Durchsatzraten nicht.

Mollenkopf lüftete zunächst die derzeitigen Wireless-Forschungsgebiete bei Qualcomm: LTE Advanced, HSPA+Advanced, WCDMA und LTE direct. Bei all diesen Wireless-Übertragungstechnologien handelt es sich um High-speed-Dienste, die (je nach Variante) im Bereich von 50 bis 500 Mbit/s in intelligenten und sich den Anforderungen anpassenden Netzen übertragen (Beamforming, Leistungsanpassung, "atmende" Netze mit Reichweitenvariation, MIMO) .

Im Nahbereich sieht Qualcomm den Standard 802.11ac als den Standard für "Connected Devices Everywhere" an. Diese Nahbereichs-WLAN-Technik wird künftig ergänzt werden durch Mini-Basisstationen in Zigarettenschachtel-Größe auf den Mobilfunk-Frequenzen. In Gebäuden beispielsweise wird dann der Datenverkehr intelligent auf die jeweiligen Funkverfahren aufgeteilt. Das setzt dann aber Multimode- und Multistandard-Mobilgeräte voraus.

Ein weiterer Trend betrifft die Vernetzung von Hausgeräten, Sicherheits- und Haus-Steuerungssystemen sowie Überwachungs- und Alarmanlagen. Hier würden Bluetooth Low Energy und ZigBee sowie andere Kurzstrecken-Standards eine Rolle spielen.

Vernetzung von Geräten untereinander im Nahbereich wird überhaupt eines der großen Themen sein, Qualcomm begegnet diesem Trend durch Forcierung der "Alljoyn"-Konzepte, die High-speed-Verbindungen zulassen. Mit diesen Eigenschaften wird das Smartphone ebenfalls ausgestattet sein, es wird in Zukunft alle Nah- und Weitbereichs-Funkstandards beherrschen und intelligent die besten Verbindungen nutzen. Heterogene Netze aus verschiedenen Technologien gemeinsam zusammengefasst werden sich daher bilden müssen.

Das Cloud-Computing wird ebenfalls eine noch größere Rolle spielen, vor allem auch gefördert durch den Trend nach mehr "Augmented Reality"-Aufgaben, wo einem beliebig aufgenommenen Kamerabild durch Cloud-Abfrage und Bildmustervergleich in Cloud-Datenbanken einem fotografierten Objekt gleich Zusatzinformationen auf dem Smartphone überlagert werden.

Letztlich werden - und mit dieser Meinung steht Qualcomm sicher nicht alleine in der Wireless-Community da - die PC- und die Samrtphone-Wireless-Welt zusammenwachsen und ein riesiges Datennetz bilden, das von überall her und zu jeder Zeit alle Informationen in High-speed-Technologie bereithält. Das Smartphone wird zum universellen aber dennoch individuellen Informationsträger und zum stets einsatzbereiten Kommunikations- und Datenverarbeitungs-Tool.

Dass die Snapdragon-Prozessoren von Qualcomm in der Version 4 und der künftigen Version 5 in diesen Szenarien eine große Rolle spielen werden, ist nach Auffassung des US-Konzerns unbestreitbar. Und auch eine objektive Beurteilung der Leistungsfähigkeit und der "stromsparenden Vielseitigkeit" dieser Prozessoren gibt dieser Einschätzung recht.

Deutlich ist aber auch, und dies wurde vom Qualcomm-Management ebenfalls herausgestellt: Die großen Probleme im Wireless-Mobilfunk-Szenario der Zukunft werden aber die Aspekte der Datensicherheit und der Bezahl-/Geschäftsmodelle der Dienste-Anbieter und Netzbetreiber sein: Die Technologie selbst ist zu beherrschen und steht in den Startlöchern - die Varianten der eigentlichen Anwendungen sind noch mit Fragezeichen versehen.