Qualcomms Monopol bei Windows Phone offensichtlich vorbei ST-CEO Bozotti: Nokia-Smartphones zukünftig auch mit Chip von ST-Ericsson

Das Wireless-Joint-Venture ST-Ericsson kann einen signifikanten Design-Win verbuchen: Neben Qualcomms Snapdragon darf man ab 2012 als zweiter Hersteller für die dann mit Windows Phone 8 ausgestatteten Nokia-Smartphones ein SoC mit Applikationsprozessor und Basisband liefern.

Derzeit geht es mit dem finnischen Handy-Hersteller Nokia immer noch bergab, und dies dürfte sich bis 2012 wohl auch noch nicht ändern: Auf 25,1 % der weltweiten Handy-Verkäufe ist laut Gartner im 1. Quartal 2011 der Marktanteil der Finnen gefallen. Dies entspricht freilich immer noch über 107 Mio. Geräten.

Ab 2012 soll alles besser werden: Mit Windows Phone 8 (die aktuelle Version Windows Phone 7 wird von Nokia nicht eingesetzt werden) sollen dann zunächst 12 Smartphones an alte gute Zeiten anknüpfen. Bislang werden Geräte mit Windows Phone auf Druck bzw. wegen Vorschriften von Microsoft ausschließlich mit Qualcomms Snapdragon-Chips ausgeliefert. Sogar die Display-Auflösung, Kamerauflösung in MPixel und Speicherausstattung wurde von Microsoft vorgegeben.

Auf dem Analystentag von ST Microelectronics erklärte allerdings STs CEO Carlo Bozotti, dass für Nokia auch ST-Ericsson als zweiter Chip-Lieferant in Erscheinung treten werde, konkret mit dem SoC U8500.

Genauer handelt es sich dabei um einen Dual-Core-SoC, der auf zwei ARM Cortex-A9-Cores, die jeweils mit 1,2 GHz getaktet werden, aufbaut. Für die grafische Abteilung zeichnet sich ein Mali 400 verantwortlich, ebenfalls aus dem Hause ARM. Abgesehen davon unterstützt man auch die Aufnahme von HD-Videos und Kamerasensoren bis 20 MPixel. Daneben werden Wi-Fi, Bluetooth, GPS und HSPA+  unterstützt – anders formuliert: Der U8500 ist dem Snapdragon architektonisch relativ ähnlich.

Der U8500 kann in derzeit zwei Geräten vorgefunden werden. Das T-Mobile Sidekick 4G, ein Slider-Smartphone, gibt es ausschließlich für den US-Markt und bietet LTE-Unterstützung. Ebenso bleibt das Samsung Infuse 4G dem US-Verbraucher vorbehalten, wieder mal der LTE-Unterstützung wegen, die sich für die Hersteller hierzulande und im asiatischen Raum aus Ermangelung an Potenzial noch nicht lohnt.

ST’s frühere Wireless-Einheit (ST-NXP-Wireless) war vor dem Zusammengang mit Ericsson im Jahr 2009 einer der Schlüssellieferanten von Nokia. Auch nach der Entscheidung für Microsoft hatte ST-Ericsson laut Bozotti stets ein sehr enges Verhältnis zu Nokia behalten.

Für einige später auf den Markt kommende Nokia-Handys soll laut Bozotti zudem eine Nachfolgeversion des U8500 eingesetzt werden.

Der Design-Win kommt für ST-Ericsson gerade zur rechten Zeit: Ende April musste der Chip-Hersteller eine Umsatzeinbuße von 33 % gegenüber dem 1. Quartal 2010 bekanntgeben, verbunden mit einem Verlust in Höhe von 179 Mio. Dollar. Dieses Ergebnis ruinierte auch der Muttergesellschaft ST Microelectronics ihr Quartalsergebnis.

Nichtsdestotrotz haben sowohl ST als auch die andere Mutter des Joint-Ventures, Ericsson, jeweils 500 Mio. Dollar in Forschung & Entwicklung u.a. für 4G/LTE-Chips investiert. Bozotti nimmt an, dass die Firma ihren Anteil an dem mehr als 20 Mrd. großen Wireless-Markt auf 15 % vergrößern kann, was fast einer Verdoppelung des aktuellen Marktanteils gleichkäme. Ein exaktes Datum für die Zielerreichung gab der ST-CEO allerdings nicht an.

Allerdings erklärte er, mit 7 der führenden 9 Handy-Hersteller zusammenzuarbeiten. Im 2. Halbjahr 2012 soll zudem der Umsatz mit Hilfe neuer Produkte deutlich gesteigert werden, eine ausgeglichene Bilanz wird erst für das 2. Quartal 2012 erwartet. Das Problem laut Bozotti besteht darin, dass ST-Ericssons “Brot-und-Butter-Produkte” schneller ausdesignt wurden, als erwartet.

Falls sich Bozottis Prognose erhärtet und Nokia nur auf zwei Hersteller für seine zukünftigen Smartphones setzen wird, bedeutet dies, dass u.a. Texas Instruments, Marvell und Nokia beim Immernoch-Marktführer draussen bleiben müssten. Offensichtlich will Microsoft keine diskreten Applikations-Prozessoren wie OMAP, Tegra-2 oder Armada in Handys mit Windows Phone sehen, sowohl Snapdragon als auch der U8500 sind hochintegrierte SoCs, die Applikationsprozessor und Basisband-Prozessor auf einem Chip vereinen.